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Absurd war früher normal

Belles Lettres
Hansruedi Kugler

Mehrere Bücher gleichzeitig auf dem Nachttisch bringen oft überraschende Quererkennt­nisse. Sogar dann, wenn neben Arno Camenischs neuem Roman eine Biografie über Giuseppe Verdi liegt. Die Parallellektüre machte mir klar: Man liest es zu oft, das Wort «absurd». Gerade in Buchbesprechungen. Das Wort war mal philosophisch in Mode und meinte in den 1950er-Jahren die Abwesenheit von vorgegebener Sinnhaftigkeit und in der Kon­sequenz die Einsamkeit, aber auch die Freiheit des Menschen.

In Camenischs Romanen stürzen Figuren mit der Seilbahn in den Tod, ein rauchender Tankwart explodiert. Grausig-komisch ja, aber absurd? Camenisch spiegelt in allen diesen Toden existenzielle Nöte oder sozialen Niedergang – und stellt die Frage, wie man in einer Welt über die Runden kommt, die einen mit Schicksalsschlägen traktiert. Für uns Wohlstandsschweizer eine ungewohnte Herausforderung.

Camenisch entwirft eher ein Szenario, das noch im 19. Jahrhundert leider normal war: Dass die Leute einfach wegsterben und die Überlebenden machtlos zurückschauen. So wie Giuseppe Verdi, dessen Kinder und erste Ehefrau in kurzer Folge starben, als Verdi noch ein junger Mann war. Und der erst danach zum Opern­könig wurde.

Hansruedi Kugler

Arno Camenisch: Die Kur. Engeler Verlag

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