Abnehmen in der Shopping Mall

In dem Wüstenstaat Qatar ist gut jeder dritte Bewohner zu dick. Weil Sport im Freien zu heiss ist, wollen die Scheichs dort ansetzen, wo sich die Katarer am liebsten aufhalten: in den Shopping Malls.

Adrian Lobe
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Zu heiss für Sport: Jeder dritte Einwohner von Qatar ist zu dick. (Bild: fotolia)

Zu heiss für Sport: Jeder dritte Einwohner von Qatar ist zu dick. (Bild: fotolia)

Qatar gehört dank seiner Ölvorkommen zu einem der reichsten Länder auf der Welt. Das Bruttoinlandprodukt pro Kopf ist mit 99 700 Dollar das zweithöchste hinter Luxemburg. Doch auch in einer anderen Statistik liegt der Staat an der Spitze: beim Gewicht. Katar hat die höchste Rate an Übergewichtigen im Nahen Osten. 34 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen haben zu viel Hüftspeck.

Dabei ist es nicht so, dass es an geeigneten Fitnessprogrammen oder Infrastruktur fehlen würde. Die Scheichs liessen grosszügig Parks, Sportzentren und Halfpipes errichten.

Zu viel Fast Food

Das Problem ist nur das Klima. Bei über 40 Grad im Schatten sind sportliche Aktivitäten im Freien eine Tortur. Die Katarer halten sich lieber in den klimatisierten Räumen der Shopping Malls auf, wo sie gemütlich flanieren und bei Fast-Food-Ketten wie McDonald's, KFC und Pizza Hut einen Snack verspeisen können. Die ungesunde Ernährung – neben mangelnder Bewegung der zweite Grund der Fettleibigkeit – hat fatale Folgen für die Gesundheit. Von den 1,9 Millionen Einwohnern leiden 17 Prozent an Diabetes.

«Walk the Mall»

Die Scheichs wollen nun gegensteuern. Die Idee: Wenn man die Leute nicht aus den Einkaufszentren herausbekommt, macht man sie eben dort fit. «Walk More, Walk The Mall» heisst das Programm, das die Kunden zur Bewegung animieren soll. Vier der grossen Einkaufszentren Dohas nehmen an der Initiative «Step into Health» teil.

Die riesigen Shopping Malls bieten für körperliche Ertüchtigung genügend Platz. Die Verkaufsflächen der berühmten Villaggio Mall in Doha sind ungefähr 20mal so gross wie ein Fussballfeld. Und das Wichtigste: Sie sind schön kühl. Die Shopping-Mall-Betreiber stellen Karten zur Verfügung und bieten Lauftouren an. Und damit jeder weiss, wie viel Energie man am Ende verbraucht hat, ist die Kalorienzahl auf dem Guide gleich mit angegeben. Für die lauffreudige Kundschaft haben die Malls extra zwei Stunden länger geöffnet. Shoppen und schwitzen, lautet die Devise.

18 000 Mitglieder

Das «Mall Walking» sei das «perfekte Work-out», preist eine Broschüre, es biete eine «saubere und sichere Umgebung» für das Training. Zu Beginn der Kampagne im Juli dieses Jahres waren 1000 Leute am Start, ausgestattet mit Stopuhren und Schrittzählern. Mittlerweile hat «Step into Health» knapp 18 000 Mitglieder.

Nur eine grosse PR-Aktion?

Doch die Aktion stösst auf geteiltes Echo. Khalid Yazidy, ein Regierungsbeamter, sagte der «New York Times»: «Ich persönlich denke, dass sie die Leute nur dazu bringen wollen, noch mehr Zeit in den Einkaufszentren zu verbringen, so dass sie mehr Geld ausgeben.» Das Ganze sei bloss ein aufwendiger PR-Gag.

«Was soll es extra bringen, wenn wir in der Mall herumlaufen», fragt ein pensionierter Hotelier. «Das tun wir doch sowieso schon!» Was auch immer der Antrieb ist – der Ring im Juweliergeschäft, der saftige Burger in der Fast-Food-Kette oder die Zahlen am Pedometer –, die Initiative wird wohl kaum etwas gegen die grassierende Fettsucht ausrichten können. Qatar bleibt auch in Zukunft ein Schwergewicht. Wirtschaftlich und physisch.