14'300 Franken Genugtuung für "Carlos"

Schlappe für den Zürcher Staatsanwalt: Der junge Straftäter "Carlos" muss weder ins Gefängnis noch in eine Therapie. Das Bezirksgericht Dietikon hat ihn am Freitag lediglich zu einer Geldstrafe von 33 Tagessätzen zu je 30 Franken verurteilt. Zudem erhält er eine Genugtuung.

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Straftäter "Carlos" (rechts), wie ihn eine Gerichtszeichnerin sah. (Bild: Keystone)

Straftäter "Carlos" (rechts), wie ihn eine Gerichtszeichnerin sah. (Bild: Keystone)

Die Strafe von 33 Tagessätzen erhielt "Carlos" wegen der verwüsteten Gefängniszellen im Massnahmenzentrum Uitikon und weil er im Oktober 2014 nach einem Vorfall in der Langstrasse vor der Polizei geflüchtet war.

Einen Freispruch gab es für den knapp 20-Jährigen aber für den Anklagepunkt der Drohung. Das Gericht erachtete es keinesfalls als erwiesen, dass "Carlos" vor seiner Flucht vor der Polizei jemanden mit einem Klappmesser bedroht haben soll. Es gebe zwar Indizien, aber keine Beweise, sagte der Richter. "Die Zeugen machten keine zuverlässigen Angaben." Auch dem mutmasslich bedrohten Mann schenkte das Gericht keinen Glauben.


Gerichtskosten fressen Teil der Genugtuung
Weil "Carlos" wegen dieser nicht anerkannten Drohung bereits sechs Monate im Gefängnis sass, wird er nun für die Zeit hinter Gittern entschädigt. Der Staat zahlt ihm eine Entschädigung in der Höhe von 14'300 Franken. Viel profitieren dürfte "Carlos" davon aber nicht: Er muss im Gegenzug die Gerichtskosten zahlen.

"Carlos" will keine Therapie
Der Staatsanwalt hatte für den landesweit bekannten Wiederholungstäter eine Freiheitsstrafe von elf Monaten verlangt, die aber zugunsten einer Therapie für psychisch schwer gestörte Straftäter hätte aufgeschoben werden sollen. "Carlos" machte aber wiederholt klar, dass er keine weitere Therapie wolle. Bei ihm bringe das nichts. Für "Carlos" ist dieses Urteil ein Erfolg: Sobald er die Geldstrafe bezahlt hat, ist er ein freier Mann − sofern er nicht bald wieder straffällig wird.

Gut möglich ist auch, dass die Staatsanwaltschaft diese Schlappe nicht auf sich beruhen lassen will und den Fall ans Obergericht weiterzieht. (sda)