«... sie schreiben, dass sie mich töten wollen»: Kiwi-Pizza bringt Italien zum Kochen

Ein Schwede hat eine eigentümliche Kreation kreiert – und nicht mit den Reaktionen aus dem Pizza-Mutterland gerechnet.

Steffen Trumpf und Annette Reuther
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Fein oder eklig? An der Kiwi-Pizza scheiden sich die Geister.

Fein oder eklig? An der Kiwi-Pizza scheiden sich die Geister.

Quelle: Getty Images

Folgt auf die Pizza Hawaii nun eine Art Pizza Bullerbü? Aus der Not eines übergrossen Vorrats an Kiwis heraus hat ein Schwede eine eigentümliche Pizzakreation entworfen – und nicht mit den Reaktionen aus dem Pizza-Mutterland Italien gerechnet. «In Italien spielen sie verrückt», sagt Stellan Johansson aus dem südschwedischen Skottorp. «Ich bekomme eine Menge E-Mails, in denen sie schreiben, dass sie mich töten wollen, weil ich ihre Essenskultur zerstöre.»

15 Kilogramm Kiwi zu Weihnachten

Angefangen hat alles mit einem besonderen Präsent zu Weihnachten. «Mein Bruder und ­seine Ehefrau bauen Kiwis im Süden Schwedens an, ich habe 15 Kilo als Weihnachtsgeschenk bekommen», sagte der 42-Jährige der Deutschen Presse-­Agentur. Also machte sich Johansson ans Werk, ass eine Menge der Kiwis auf klassischem Wege – und begann ausserdem zu kochen und zu backen. Herausgekommen sind Kreationen, die von Kiwi-Muffins über Kiwi im Speckmantel, frittierte Kiwi bis hin zu einem Kiwi-Wok-Gericht mit Rentierfleisch reichen. Die Ergebnisse lassen sich auf Johanssons Facebook-Seite bestaunen.

Eine unerwartete Reise nahm jedoch vor allem die Idee der Kiwi-Pizza. Die begann in einer Pizzeria in Johanssons Heimatdorf Skottorp. Er bat den Pizzabäcker darum, eine Pizza mit den Früchten aus seinem Vorrat zu verfeinern. «Er hat mich dreimal gefragt: ‹Warum?› Er hat das nicht verstanden», sagt Johansson. Jemand stellte sein Foto von der Kiwi-Pizza auf die Onlineplattform «Reddit». «Dadurch ist das viral gegangen», sagt Johansson.

«Neue, kleine Monstrosität»

Schon bald erreichte die Kiwi-­Pizza Italien. Von einer «neuen kleinen Monstrosität» berichteten italienische Medien. Nach Pizza Hawaii müsse man nun Pizza Kiwi ertragen. Generell ist es in Italien Volkssport, sich über eigentümliche Abwandlungen traditioneller italienischer Gerichte auszulassen. Wer die gute «cucina italiana» verhunzt, gehört mindestens in die Hölle. «Eine Pizza mit Kiwis verstösst gegen die Regeln der mediterranen Küche: Salziges Gekochtes nicht mit Früchten kombinieren», sagt Stefano Auricchio, Direktor des neapolitanischen Pizzaverbandes. Man esse ja auch keine Spaghetti mit Ananas.

In Schweden schlägt die Idee Wurzeln

In Johanssons Heimat schlägt die Idee dagegen Wurzeln: Die Pizzeria, bei der die Kreation in den Ofen geschoben wurde, verkauft laut Johansson mittlerweile 10 bis 15 Kiwi-Pizze am Tag – und das in einer Ortschaft mit gerade einmal 400 Einwohnern. Dass sich die Kiwi-Pizza als langfristige Alternative zur Pizza Hawaii etablieren wird, glaubt Johansson aber nicht. Übrigens: Seinen Kiwi-Vorrat hat der Schwede endlich aufgebraucht. 

So geht eine richtige neapolitanische Pizza

Neapel ist der Ursprungsort der Pizza. Die neapolitanische Kunst des Pizzabackens steht mittlerweile auch auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Die echte neapolitanische Pizza geht so: Mehl, Salz, Wasser und Hefe für den Teig, der dann zwölf Stunden ruhen und mit der Hand geknetet werden muss. Im Holzofen darf die Pizza dann lediglich 60 Sekunden bleiben. Oben drauf kommen für die klassische Margherita-Variante Tomaten, Mozzarella, Öl und Basilikum. (dpa)