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Die abenteuerlichen Aussagen der Appenzeller Wind AG in der den Wählern zugesandten Broschüre

Urs Trautmann
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1. Blackout-Szenarien können vermieden werden.

Es wird darin vorgegaukelt, dass mögliche Blackout Szenarien wie sie am 8. Januar 2021 beinahe eingetreten sind durch Windkraftanlagen vermieden werden könnten. Die Autoren haben nicht beachtet, dass im Oktober/November/ Dezember 2020 und Januar 2021 der Wind in unseren Breitengraden kaum eine Rolle spielte. Wie sollen dann Windkraftanlagen helfen Blackouts zu verhindern? Das Gegenteil ist der Fall, diese verschärfen wegen ihrer Volatilität diese Gefahr! Das Beispiel Deutschlands mit sehr viel Windenergie zeigt, dass Wind- und Solarstrom nicht komplementär sind und Blackouts nicht verhindern können!

Kaum Wind, wenig Sonne

«Im ersten Quartal 2021 ist der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix Deutschlands im Vergleich zum Vorjahr gesunken: Die Ökostromquote liegt aktuell bei 40 Prozent. Das zeigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Energieund Wasserwirtschaft (BDEW).»

Quelle Zitat: Klimaschau 27, Dr. Sebastian Lüning

2. Die Abhängigkeit von Stromimporten im Winter kann reduziert werden

Es wird erwähnt, dass die Strommangellage (Winterstromlücke) unser grösstes Risiko darstellt und suggeriert, dass durch die Windturbinen und grundsätzlich erneuerbare Energieformen dieses Risiko reduziert werden kann. Auch das ist reines Wunschdenken. Eine Studie der EMPA (eidg. Materialprüfungsanstalt) vom vergangenen Jahr mit dem Titel: Impacts of an Increased Substitution of Fossil Energy Carriers with Electricity-Based Technologies on the Swiss Electricity System widerlegt dies. Die Studie der EMPA basiert ausschliesslich auf Solarenergie als Ersatz für die Kernkraft. Dies entspricht der Einschätzung des Auftraggebers, dem Bundesamt für Energie, wo längst erkannt wurde, dass Windkraftanlagen als Stromlieferanten in der Schweiz von geringer Bedeutung sind.
Die Forscher der EMPA weisen auf eindrückliche Art nach, dass der Ersatz der Kernkraft durch erneuerbare Energien (Wind und Fotovoltaik) die Abhängigkeit von Stromlieferungen aus dem Ausland erheblich und unverantwortlich erhöht. Dazu die Zahlen aus der Studie: Heute importieren wir jährlich rund 4 Milliarden KWh, im Durchschnitt der letzten Jahre. Dieser Anteil erhöht sich gemäss dieser Studie durch die Umsetzung oben genannter Ziele auf mindestens sagenhafte 16 Milliarden KWh. Von wegen Verringerung der Abhängigkeit vom Ausland wie die Autoren der Broschüre glaubhaft machen wollen und die Politikerinnen/Politiker des Grossen Rates meinen und sich wie folgt vernehmen lassen: «Windenergie ist die optimale Ergänzung zu unseren Solaranlagen», oder «Sagen wir Ja zu einer zukunftsorientierten, nachhaltigen Energiepolitik ».
Ich frage mich, ob sich diese Volksvertreter jemals intensiv mit dieser Problematik beschäftigt haben. Oder ob sie einfach politisch ideologisch argumentieren. Der Entscheid des Bundesgerichtes zugunsten eines Windparkprojekts mit der Begründung «Wirtschaft geht vor Naturschutz» ist höchst fragwürdig, denn die Windenergie spielt eine unwichtige Rolle, weniger als 1 Prozent der Stromproduktion der Schweiz wird heute durch Windturbinen gewonnen. Das ist schlicht unbedeutend. Wenn nun die Befürworter der Windturbinen auf der Honegg die Wichtigkeit der Windenergie für unsere Energieversorgung in den Vordergrund stellen, fällt dies wiederum unter den Titel «abenteuerliche Argumentation».

3. Das Gebiet Honegg-Oberfeld sei ein guter Standort,

weil – so die Verfasser – »bei uns goht all e Löftli»! Ja eben nur es «Löftli». Die Schweiz ist ein dicht besiedeltes Binnenland und die Windverhältnisse sind nicht vergleichbar mit jenen in Küstenregionen (Portugal, Spanien, Frankreich, Holland, Deutschland, Dänemark, Schweden) wo die grossen Windparks stehen. Was heisst dies konkret: Dieselbe Anlage wie vorgesehen auf der Honegg aber in Küstenregionen installiert, produziert dort mindesten dreimal mehr Strom. Warum? Gemäss der Appenzeller Wind AG wird auf der Honegg mit durchschnittlich weniger als 6m/ sec Windstärke gerechnet. In Küstenregionen beträgt die vergleichbare Windstärke mindestens 8m/sec .
Die Physik lehrt uns, dass die mögliche Leistung einer Anlage von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit abhängt. Das heisst im Klartext. Die 2 m/sec Differenz zwischen den beiden Standorten bewirken auf der Honegg gegenüber einer Küstenregion eine ca. 60 Prozent Reduktion der Leistung. So viel zu dem Thema guter Standort auf der Honegg!
Wen wunderts bei dieser Ausgangslage, dass alle namhaften Energieproduzenten der Schweiz, Bernische Kraftwerke AG, EW Zürich, Axpo, Alpiq, Repower ihre Investitionen in erneuerbare Energien im Ausland tätigen in Küstenregionen Frankreichs, Deutschlands, Dänemarks und Schwedens. Gott sei Dank, ansonsten hätten wir Strompreise wie in Deutschland, den höchsten der Welt!

4. Die Wertschätzung bleibt in der Region

Auch das stimmt so nicht. Ein grosser Teil der Investitionen – ca. 2/3 – gehen zu Lasten der Windturbine und die wird von ausländischen Firmen produziert, geliefert und gewartet. Von wegen Wertschöpfung bleibt in der Region. Was bleibt sind die Aufwendungen/Kosten für die Zerstörung der Naturlandschaft AI!

  • Bau einer Strasse von 850 m Länge, 6 Meter Breite und einer rund 50 cm hohen Kofferung und dies durch einen Wald der abgeholzt werden muss nur für diese einmalige Installation
  • Hinzu kommt die Lieferung des Sockels, um diese Turbinen aufstellen zu können. Nicht weniger als 3500 Tonnen Zement/Stahl pro Windrad werden auf landwirtschaftlich nutzbarem Boden verbaut. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass eine Windturbine der vorgeschlagenen Art selbst auch 3500 Tonnen wiegt, bestehend aus Stahl und anderen Rohstoffen zum Teil seltenen Erden.
  • Bevor eine Windturbine überhaupt Strom liefern kann, werden erhebliche Mengen Rohmaterialien und Strom verbraucht. Sogenannt graue Energie. Sie wird im Verhältnis gesetzt mit der potenziellen Stromproduktion des Energieträgers Wind. Und das sieht düster aus im Fall Windenergie/Honegg. Um diese Aussagen grafisch darzustellen, greife ich auf eine Darstellung des Staatsdepartement of Energy der USA aus dem Jahre 2015 zurück, welche aufzeigt wieviel Rohmaterial je TWh den einzelnen Energiequellen angelastet werden muss. Auch wenn sich Verschiebungen im Laufe der Jahre zugunsten der einen oder anderen Form der Energieerzeugung ergeben haben, die Unterschiede sind erheblich.

5. Windenergie, die ökologischte Art der Stromgewinnung neben Wasserkraft

Stimmt so nicht. Ökologischer wäre die Kernenergie nebst der Wasserkraft. Nur weil diese Form der Energiegewinnung in der Schweiz und Deutschland nicht weiterentwickelt werden kann, muss sie trotzdem erwähnt werden. Denn ohne Nuklearenergie gibt es keinen ausreichender Klimaschutz und keine sichere Stromversorgung. Diese Einsicht ist vorhanden, momentan aber politisch und ideologisch noch unantastbar.

6. Das Projekt lässt sich wirtschaftlich betreiben

Das ist nicht nur eine abenteuerliche Argumentation, das ist schlicht falsch. Der Strom aus Erneuerbaren ist ohne Subventionen (Zuschlag auf den Strompreis) gegenüber anderen Energiequellen viel teurer. Eine kWh produziert durch die Windanlage auf der Honegg kostet bis zu 18 Rp. Der Marktpreis liegt aber zwischen 5 bis 8 Rp. je KWh. Buchhalterisch ein Minus von ca. 10 Rp. Ist dies die Wirtschaftlichkeit der Appenzeller Wind AG? Nur weil der Steuerzahler diese Differenz via Subventionen resp. durch erhöhte Strompreise ausgleicht, entsteht keine Wirtschaftlichkeit. Das ist Augenwischerei. Der Blick nach Deutschland lohnt sich, dort werden die ersten Windräder nachdem die Subventionen ausbleiben, abgebrochen und nicht ersetzt,

Wegen all dieser Argumente ist der Gegenvorschlag der Behörden zum Energiegesetz abzulehnen.

Legen Sie ein herzhaftes NEIN ein zugunsten der Appenzeller Naturlandschaften.

Urs Trautmann
Hinterladeren 2
9413 Oberegg

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