Zwölf Jahre Haft für den Postkartenräuber

Neun Jahre machte sich ein Tiroler über die Polizei lustig, jetzt gab es das Urteil.

Christiane Eckert
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«Was steckt hinter dem Mythos ‹Postkartenräuber›?», beginnt Staatsanwältin Konstanze Manhart am Landesgericht Feldkirch ihr Plädoyer. Der wegen 14-fachen Raubes angeklagte Peter K., ein 55-jähriger Tiroler, raubte von 2008 bis 2017 insgesamt elf Banken aus, bei drei Geldinstituten blieb es beim Versuch. Die Beute kann sich sehen lassen: Immerhin 190000 Euro.

Unterwegs war der Mann immer mit Spielzeugwaffen, somit würden die Raubtaten alle als «einfacher Raub» durchgehen. Dass er zusätzlich einmal ein Küchenmesser mitnahm, bescherte ihm den Vorwurf des «schweren Raubes» und somit einen Strafrahmen von bis zu 15 Jahren. Mit zwölf Jahren Haft schöpfte der Schöffensenat die Möglichkeiten fast zur Gänze aus. Der Verurteilte will die Entscheidung deshalb mit Strafberufung bekämpfen.

Die Anklagebehörde liess den Angeklagten begutachten. Eine Psychiaterin stellte fest, dass der Mann sehr wohl wusste, was er tat. «Er leidet an keiner Persönlichkeitsstörung», so die Expertin. Der Angeklagte selbst versuchte auch immer wieder, seinen Kokainkonsum als Motor für die Taten in den Vordergrund zu spielen. Doch auch hier ergaben die Untersuchungen, dass der Mann keineswegs ein von Drogen beherrschter Abhängiger war, sondern vielmehr sein gesamtes Leben mit den Raubüberfällen finanzierte. «Er wirtschaftete vernünftig mit diesen ‹Einkünften› und nutzte es aus, dass die Durchführung der Straftaten dermaßen einfach war», heisst es im Protokoll.

Warum die Postkarten?

Der Räuber war bei den Überfällen jeweils verschieden maskiert. Einmal mit Schildkappe und Sonnenbrille, dann mit dunkler Wollmaske, Strumpfmaske, Vollvisierhelm oder Spiderman-Maske. Einmal flüchtete er mit einem Fahrrad, dann zu Fuss, dennoch – er kam immer wieder davon.

Warum er Postkarten hinterlassen habe, wollte auch die Sachverständige wissen, die den Mann auf Zurechnungsfähigkeit untersuchte. «Die Profiler waren ja überzeugt, dass der Täter Vorarlberger ist, diesen Verdacht wollte ich bestätigen», so der Tiroler. So nennt er also Angst, ertappt zu werden, als Motiv. Zum anderen gibt er aber zu, dass er es auch genoss, wie er vor den Augen der Fahnder Postkarten in Lustenau einwarf und keiner ihn verdächtigte.

Er nahm die Überfälle offenbar sehr locker, zwei Mal ging er unmittelbar danach zum Friseur und ein Einkaufszentrum. Ein anderes Mal nutzte er nach einem Überfall in Lochau die Möglichkeit, einen Spaziergang am Bodensee zu machen. Gegen das Urteil – 12 Jahre Haft – erhebt er Strafberufung. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.