Zwischennutzung
Ein Haus voller Käse, Kunst und Heimat-Chic: Schneiderinnen und Handwerker eröffnen grossen Pop-up-Store in der St.Galler Altstadt

Es hat nur in dieser Adventszeit offen und steckt von unten bis oben voller Überraschungen: Das «St.Galler Haus» an der Spisergasse 12. St.Galler Kreative präsentieren auf vier Stockwerken lokale Produkte, Geschenkideen und Workshops. Für Kinder gibt's eine Bastelstube.

Melissa Müller
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Nur bis am 23. Dezember: Im St.Galler Haus an der Spisergasse finden sich hochwertige Geschenke, made in St.Gallen.

Nur bis am 23. Dezember: Im St.Galler Haus an der Spisergasse finden sich hochwertige Geschenke, made in St.Gallen.

Bild: PD

Handwerker, Designerinnen und Gourmet-Spezialisten haben das «St.Galler Haus» an der Spisergasse 12 eingerichtet und geschmückt. Diese Woche wurde es feierlich eröffnet. «Wir wollen ein Schaufenster für regionale Produkte sein», sagt Standortförderer Samuel Zuberbühler.

«So ein Gemeinschaftsprojekt hat es noch nie gegeben.»

15 Mitglieder des Vereins Made in St.Gallen präsentieren ihre Produkte: Vom Biber-Gin über den Couchtisch, der aus einem Velorad und einer Glasplatte gefertigt ist, bis hin zum Seidentuch Sentis, auf dem Appenzeller Trachtenfrauen mit Sennen flirten. Einige Produzentinnen und Produzenten sind selbst vor Ort; bezahlt werden kann nur bargeldlos. Im obersten Stock ist ein Bastelparadies für Kinder. Wir stellen vier besondere Stände vor.

Eine Kosmetiktasche mit St.Galler Spitze, genäht von Schneiderin Laura Kobas im zweiten Lehrjahr.

Eine Kosmetiktasche mit St.Galler Spitze, genäht von Schneiderin Laura Kobas im zweiten Lehrjahr.

Bild: mem

Angehende Schneiderinnen nähen Necessaires aus St.Galler Spitze

20 Lehrlinge des Couture Lehrateliers verkaufen glamouröse Blusen und Mäntel, aber auch erschwingliche Accessoires wie Taschen und Lavendelsäckli aus St.Galler Spitze. Von den Necessaires mit Rosenspitzen für 39 Franken wurden schon einige verkauft. Die angehenden Schneiderinnen haben kostbare Stoffe und Spitzen von Forster Rohner und Schläpfer verarbeitet. «Der ganze Stand ist ein Projekt unserer Lernenden», sagt Martina Lips-Wiedemann, die Leiterin des Couture Lehrateliers an der Kugelgasse. Die angehenden Schneiderinnen bieten im St.Galler Haus auch Workshops an: Sie zeigen, wie man einen Schlüsselanhänger aus St.Galler Spitze anfertigt. «Wir hoffen, durch den Stand neue Privatkundinnen und -kunden zu gewinnen», sagt Lips-Wiedemann. Viele wüssten nicht, dass das Lehratelier Kleider nach Mass anbietet, vom Businessdress bis zur Abendrobe.

Martina Lips-Wiedemann, Leiterin des Couture Lehrateliers, mit einer Bluse aus einem St.Galler Stoff.

Martina Lips-Wiedemann, Leiterin des Couture Lehrateliers, mit einer Bluse aus einem St.Galler Stoff.

Bild: mem

Seidentücher mit Appenzeller Heimat-Chic

Auch Modefrau Karin Bischoff und ihr Team von der Manufaktur an der Bahnhofstrasse 8 waren sofort Feuer und Flamme fürs Projekt St.Galler Haus. Sie präsentieren an ihrem Stand Seidenfoulards und Taschen von Textildesigner Bernhard Duss. Diese wurden in Italien bedruckt. Auf den Stoffen begegnen Grazien in Appenzeller Tracht jungen Sennen vor St.Galler Landschaftskulissen – auch die ikonische Linde vom Chapf ist zu sehen. Der Designer fügt Baumstämme, die er auf seinen Coronaspaziergängen fotografiert hat, zu Mustern zusammen. Ein Fest für die Augen mit viel Heimat-Chic, ohne heimattümelnd zu werden. Mit 290 bis 320 Franken haben die Foulards ihren Preis; dafür trägt man ein exklusives Stück St.Gallen um den Hals – ganz ohne Bratwurst.

Eine Tasche mit einem Stoffdesign von Bernhard Duss.

Eine Tasche mit einem Stoffdesign von Bernhard Duss.

Bild: mem

Käsebällchen aus dem Toggenburg

Auch kulinarische Innovationen gibt es zu entdecken, wie Bernecker Wein oder Biber- und Linden-Gin aus Benjamin Brunners Destillerie in St.Gallen. Käse-Sommelier Christoph Gasser präsentiert eine üppig bestückte Käseglocke der Chääswelt Toggenburg. «Mit über 200 Käsesorten ist das Toggenburg die vielfältigste Käseregion im Alpenraum», sagt der Kenner mit dem üppigen Bart. Er wolle diese Vielfalt vom Blauschimmel bis zur Trüffelperle oder zum kunstvoll marmorierten Weinkäse bekannter machen. Aus Ganterschwil hat Gasser knusprige Cheese-Balls mitgebracht – ein neuer Snack mit kräftigem Käsegeschmack. Am 3. und 12. Dezember veranstaltet der Sommelier eine Degustation im St.Galler Haus.

Käse-Sommelier Christoph Gasser will die Toggenburger Käsevielfalt bekannter machen.

Käse-Sommelier Christoph Gasser will die Toggenburger Käsevielfalt bekannter machen.

Bild: mem

Künstlersocken verkaufen sich am besten

30 Künstlerinnen und Künstler der Plattform supportyourlocalartist.ch betreiben einen Shop im Obergeschoss. Die Wände sind mit bunten Zeichnungen und dekorativen Drucken tapeziert. In diesen Räumen sind Siebdruck-Workshops geplant. Vasen, Keramiken, Postkarten, Humor-Socken und Unterhosen mit aufgemalten Schamhaaren sind auf Vintage-Möbeln drapiert, etwa von Horgen Glarus. Die Möbel stammen von der 2nd Life Brocante in Herisau und der Fundstätte in St.Gallen und sind ebenfalls käuflich. «Die Socken verkaufen sich am besten», sagt Samuel Ackermann vom Künstlerkollektiv «Haus zur Ameise». Etwa Socken mit Alpakas oder Regenwürmern drauf.

Samuel Ackermann im oberen Stock, der von der Kunstplattform supportyourlocalartist.ch bespielt wird.

Samuel Ackermann im oberen Stock, der von der Kunstplattform supportyourlocalartist.ch bespielt wird.

Bild: mem

Basteln und spielen im obersten Stock

Im obersten Stock finden mittwochs, freitags und samstags von 14 bis 16 Uhr Kinderbastelnachmittage der Fachstelle Kind und Familie statt, für Kinder von drei bis zwölf Jahren. Die Kosten betragen 10 Franken. «Damit die Eltern auch einmal allein durch die Stadt flanieren können», sagt Stellenleiterin Jenny Heeb. Eine Anmeldung ist nicht nötig, aber es gibt nur zwölf Plätze. Die Papeterie Markwalder hat das Bastelmaterial gesponsert. Wenn das St.Galler Haus an Weihnachten seine Tore schliesst, wird das Mobiliar an die Kita Tempelacker gespendet.

Jenny Heeb im obersten Stock, wo die Kinder basteln und spielen dürfen.

Jenny Heeb im obersten Stock, wo die Kinder basteln und spielen dürfen.

Bild: mem

Die Akteure hinter dem Pop-up-Store

Das City Management Board betreibt das St.Galler Haus in Zusammenarbeit mit der Made-in-St.Gallen-Initiative und der Kunstplattform supportyourlocalartist.ch . Ziel ist eine Belebung der Innenstadt. Das City Management Board ist ein Schulterschluss zwischen Pro City St.Gallen, Gewerbe Stadt St.Gallen, Gastro Stadt St.Gallen, Hotellerie St.Gallen-Bodensee, St.Gallen-Bodensee Tourismus und der Standortförderung der Stadt. (mem)

Bis 23. Dezember. Mittwoch bis Freitag von 9.30 bis 19 Uhr, Samstag von 9.30 bis 18 Uhr und an den verkaufsoffenen Sonntagen am 12. und 19. Dezember von 12 bis 17 Uhr.

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