Zwischenbilanz
Von wegen Corona: Flumserberg ist zufrieden mit Wintersaison – wie auch andere Schweizer Skigebiete

Während im Unterland der Frühling vor der Tür steht, enden in den Bergen die letzten Sportferien. Zeit für eine Zwischenbilanz des Winters. Und diese fällt in vielen grossen Gebieten positiv aus. Teils sogar rekordverdächtig. Was an einigen Orten Lust auf mehr weckt.

Dario Pollice und Samuel Thomi
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Ob Zermatt (Bild), Arosa-Lenzerheide, Aletsch-Arena oder Flumserberg: Viele Wintersportorte ziehen eine äusserst positive Halbzeitbilanz.

Ob Zermatt (Bild), Arosa-Lenzerheide, Aletsch-Arena oder Flumserberg: Viele Wintersportorte ziehen eine äusserst positive Halbzeitbilanz.

Keystone

Die Wintersaison schien auf bestem Weg, als das Coronavirus das Geschäft in den Bergen abrupt zum Stillstand brachte. Das war vor zwei Jahren. Auch im darauffolgenden Winter stand der Wintertourismus ganz im Zeichen der Pandemie und musste teils herbe Verluste hinnehmen. Nun, nachdem am Wochenende mit Basel-Stadt und Baselland auch in den letzten Kantonen die Sportferien zu Ende gegangen sind, fragt sich: Wie lautet die Bilanz in den Berggebieten nach dem zweiten Coronawinter?

Allen Unkenrufen zum Trotz besteht für viele Wintersportgebiete wieder Anlass zur Hoffnung. Das jedenfalls zeigt eine Umfrage von CH Media bei verschiedenen Deutschschweizer Destinationen. Laax-Flims, Arosa-Lenzerheide, Flumserberg oder die Aletsch-Arena melden allesamt eine überaus positive Zwischenbilanz. Zermatt sieht sich derweil bereits wieder «praktisch auf Vor-Corona-Niveau». Und nach dem «besten Saisonstart der letzten zehn Jahre» meldet Jungfraubahnen-Sprecherin Kathrin Naegeli auch im Berner Oberland in den Sportwochen «viele Gäste».

Start zur aktuellen Wintersaison in Davos – Skifahrer machen am 6. November 2021 ein Selfie vor der ersten Abfahrt.
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Nicht zu viel, aber noch immer genug Schnee, liegt in den Schweizer Alpen. Im Bild: Eine Abfahrt im Skigebiet Andermatt (UR).
Auch diesen Winter gilt: Niemand zu klein, um ein Skirennen zu fahren.
Zwar noch immer mit Maske, dafür wieder mit Volllast: Skifahren im zweiten Pandemiewinter – zum Beispiel in Zinal (VS) – war einfacher ...
... und dank weiteren Lockerungen der Coronaschutzmassnahmen auch das Essen und trinken an Wintersporttagen (wie hier in Samnaun).
Und wers gemütlicher angehen wollte, konnte und kann auch im ablaufenden Winter einfach auf eine Skitour – wie hier im Valens.

Start zur aktuellen Wintersaison in Davos – Skifahrer machen am 6. November 2021 ein Selfie vor der ersten Abfahrt.

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Ähnlich tönt es in Graubünden. Die Medienstelle des Skigebiets Laax-Flims spricht am Ende der letzten Sportferien von einer ...

«... sehr guten Auslastung mit zufriedenstellenden Ersteintrittszahlen bei den Bergbahnen».

Und auch Mario Bislin, CEO der Bergbahnen Flumserberge, blickt auf eine «positive Wintersaison» zurück. Wobei der Betreiber des Ostschweizer Skigebiets erst Ende Saison – sprich in seinem Fall: Anfang April – ein definitives Fazit zum ablaufenden Winter ziehen will.

Teils bereits bessere Zahlen als vor der Pandemie

Einige Gebiete melden derweil sogar bereits bessere Resultate als in der erfolgreichen letzten Saison vor Ausbruch der Pandemie. Laut Valentin König, CEO der Aletsch-Bahnen, liegt der Transportertrag seiner Gondeln und Lifte derzeit «rund vier Prozent über den Vor-Covid Resultaten des Winter 2019/20». Und auch das Skigebiet Arosa-Lenzerheide verzeichnete bei den Ersteintritten bislang «ein Plus von etwas über vier Prozent im Vergleich zur Wintersaison 2019/2020», wie Stefan Reichmuth schreibt. Die erzwungenermassen abgebrochene Saison war laut dem Marketingleiter der Arosa Bergbahnen «eine der stärksten» der letzten Jahre.

Die aktuell äusserst positive Entwicklung des Wintertourismus führen die Skigebiete zum einen auf die Lockerung der Coronamassnahmen zurück. «Dass ohne Covid-Zertifikat Ski gefahren werden konnte, gab es von Beginn weg Planungssicherheit für die Gäste und die touristischen Anbieter», sagt eine Sprecherin der Aletsch Arena AG. Diese betreibt die Destinationen Riederalp, Bettmeralp, Fiesch-Eggishorn.

Die Menschen gönnen sich wieder etwas

Andererseits profitierten die Gebiete in der laufenden Saison vom schönen Wetter, wie sie unisono betonen. Und Mario Bislin sieht noch einen weiteren, übergeordneten Grund, für sein positives Zwischenfazit: Nach den Entbehrungen der letzten zwei Covidjahre verorte der Flumserberg-CEO in der Gesellschaft ein grosses Bedürfnis fest,

«... sich noch stärker in der freien Natur zu bewegen, Menschen zu treffen und nicht zuletzt auch, sich etwas zu gönnen».

Während weiterhin viele Gäste aus der Schweiz in die Berge strömten, sind im zweiten Coronawinter laut übereinstimmenden Rückmeldungen auch viele Gäste aus Deutschland und den Benelux-Staaten zurückgekehrt. Anders als noch im vergangenen Winter verzichteten diese Länder diesmal etwa auch darauf, Coronamassnahmen für Reiserückkehrer zu verhängen.

Tausend Logiernächte verloren wegen abgesagter Lager

Ein Wermutstropfen jedoch bleibt: Nach der Empfehlung des Bundes, auf Skilager zu verzichten, fehlten in manchen Skigebieten auf einen Schlag Tausende Logiernächte. «Zirka 10 Prozent» der Schulen hätten ihre Schneesportlager jedoch auf März und April verschoben, lässt sich Barbara Moosmann, Direktorin des Sport Resorts in Fiesch, zitieren. Und noch immer würden Anfragen zum spontanen Nachholen von Lagern eintreffen. Auch in Flumserberg oder Arosa-Lenzerheide sind laut Umfrage von CH Media einige Anfang Jahr abgesagt Lager auf den Frühling verschoben worden respektive werden nun nachgeholt.

Gut Aussichten, neue Events ...

Auch wenn sich im Unterland der Frühling bereits kräftig bemerkbar macht, ist die Wintersaison in den Bergen noch nicht vorbei. «Die Auslastung sieht für die Zeit direkt nach der Sportferienzeit gut aus», heisst es dazu bei der Aletsch-Arena. Und auch im April sähen die Buchungszahlen derzeit «etwas besser aus im Vorjahr».

Nach einem Ausblick für die restliche Saison gefragt, tönt es auch in Zermatt oder Laax-Flims ähnlich:

«Insbesondere über Ostern verspricht die aktuelle Buchungslage in den Hotels einen sehr guten Saisonabschluss», ...

... schreibt die Medienstelle der Weissen Arena. Nur zögerlich auf die Äste hinaus wagt sich derweil Arosa-Lenzerheide-Sprecher Stefan Reichmuth:

«Sollte das Wetter weiterhin so toll mitspielen, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir auch den Rest der Saison erfreuliche Zahlen verzeichnen dürfen.»

Vielleicht werden dabei ja auch die immer zahlreicheren Events helfen, welche Wintersportorte im Frühjahr inzwischen organisieren. Auf der Bettmeralp findet dieses Jahr beispielsweise erstmals das Swiss Snow Happening (29. März bis 1. April) statt. Dabei erwarten die Organisatoren tausend Schneesportlerinnen und Schneesportler und mindestens so viele Besucherinnen und Besucher, wie sie schreiben.

... und Saisonverlängerung bis 1. Mai

Bereits am 26./27. März wird in Grindelwald das erste «Snowpenair» bei der Talstation des neuen Eigerexpress statt wie bisher auf der Kleinen Scheidegg über die Bühne gehen. Coronabedingt musste dieses Winter-Opan-Air zum Saisonabschluss zuletzt zwei Mal abgesagt werden.

In Flumserberg wird die Saison derweil bereits am 3. April enden. Anders als beispielsweise letztes Jahr sei keine Verlängerung geplant, heisst es. Wie geplant die Saison beenden wollen auch die Aletsch-Arena, Laax-Flims und Arosa-Lenzerheide – und zwar am Ostermontag. Über den 18. April hinaus hat derweil die Jungfraubahn die Wintersaison eben bereits verlängert. Während der neue Eigerexpress sowie drei Sessellifte eine zusätzliche Woche laufen sollen (bis 24. April), wird der Betrieb des Sessellifts Eigernordwand sogar bis zum 1. Mai verlängert.