Zwischen den Geschlechtern

Sie sind als Mann zur Welt gekommen, tragen heute aber Schuhe mit Absätzen oder Make-up: Lia Raymona aus Gossau und Belinda aus Affeltrangen können sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren.

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Belinda aus Affeltrangen. (Bild: Reto Martin)

Belinda aus Affeltrangen. (Bild: Reto Martin)

High Heels und Minirock. Dezenter Schmuck, eine Tätowierung am linken Knöchel. Cowboyhut. Belinda zieht alle Blicke auf sich, und sie weiss, welche Reaktionen sie auslöst. Doch was die Leute reden, ist ihr egal. Die Zeit der Heimlichtuerei ist vorbei. Seit zehn Jahren steht Belinda offen zu dem, was sie sein will: eine Frau. Walter Wirth ist sie nur noch auf offiziellen Dokumenten und wenn es die Situation verlangt. «Tief in mir hat es schon immer geschlummert», erzählt die 46-Jährige. Als Kind den Eltern davon zu erzählen, wäre undenkbar gewesen. Ihre frühe Kindheit war von Gewalt geprägt. Heute führt Belinda einen Limousinenservice mit «Ami-Schlitten». «Diese Autos sind ganz speziell, so wie ich», sagt sie.

Noch länger gewartet mit dem Outing als Belinda hat Lia Raymona. Die heute 51-Jährige erzählte ihrer Partnerin vor zwei Jahren von ihrem Wunsch, als Frau zu leben und ihren Gefühlen endlich nachgeben zu können. Unterdessen wissen auch die Angehörigen davon. «Angepöbelt hat mich zum Glück noch niemand», sagt sie. Nur in der Mechanik-Werkstatt, die sie im Thurgauischen betreibt, ist Lia noch Raymond Stettler. (mga/dbu)

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