ZWILLINGE: Diese Zwillinge sehen sich seit 100 Jahren zum Verwechseln ähnlich

Die Brüder Johann und Josef Vonwil feiern am Dienstag ihren 100. Geburtstag. Früher konnte man sie wenigstens noch an ihrem Scheitel unterscheiden. Das ist jetzt kaum mehr möglich.

Sandra Monika Ziegler
Drucken
Teilen
Josef und Johann Vonwil sehen sich noch heute zum Verwechseln ähnlich. (Bild: PD)

Josef und Johann Vonwil sehen sich noch heute zum Verwechseln ähnlich. (Bild: PD)

Sandra Monika Ziegler

ostschweiz@tagblatt.ch

Die eineiigen Zwillinge Josef «Seppi» und Johann «Hans» Vonwil sind am 3. April 1918 zur Welt gekommen. «Ich bin der Ältere», erzählt Seppi, das habe zumindest sein Vater immer behauptet. Aufgewachsen sind sie in Dietwil im Kanton Aargau. Heute lebt Seppi im Betagtenzentrum Viva Wesemlin. Bruder Hans im Seniorenzentrum in Niederuzwil im St.-Gallischen.

Als Kinder konnten sie nur durch ihren Scheitel unterschieden werden: Seppi trug ihn rechts und Hans links. Doch auch so spielten sie ihre Spielchen und genossen es, wenn sie ihr Umfeld täuschen konnten. Falls der Lehrer oder der Pfarrer nicht erkennen konnte, wer von beiden für einen Streich verantwortlich war, wurden gleich beide bestraft. Nicht einmal die Familie wusste immer, wen sie jetzt vor sich hatte. Tochter Rita Disler erinnert sich gut: «Ich schaute immer genau, was Vater anhatte, damit ich ihn nicht mit dem Onkel verwechselte.» Doch auch schon sind sie selber getäuscht worden. Als etwa einer der beiden in den mit Spiegel ausgekleideten Lift trat und sein Vis-à-vis grüsste, musste er feststellen, dass er nicht den Bruder, sondern nur sein Spiegelbild vor sich hatte.

Die Vonwil-Zwillinge als Buben: Als Kinder trug Seppi den Scheitel recht, Hans links. (Bild: PD)

Die Vonwil-Zwillinge als Buben: Als Kinder trug Seppi den Scheitel recht, Hans links. (Bild: PD)

In der Primarschule waren sie noch zusammen, danach trennten sich ihre Wege. Doch trotz geografischer Distanz lebten die beiden zum Verwechseln ähnlich – meist ohne dass sie im Vorhinein davon gewusst hätten.

So kam es, dass einer den anderen anrief, etwas erzählte und der andere sagte: «Ah ja, du auch?» Warum sie sehr vieles gleichzeitig oder ein paar Tage später erlebten, können sie nicht erklären, das sei einfach so. Auch charakterlich gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen: beide sind Frohnaturen. Seppi lehrte Sattler in Dagmersellen und Hans machte eine Schneiderlehre in Muri. Beide lernten während ihrer Ausbildung ihre zukünftigen Frauen kennen. Hans seine Emma, Seppi seine Anna. Hans hatte sechs, Seppi vier Kinder. Sie kauften gleichzeitig ein Motorrad, der eine ein Mofa, der andere eine Vespa. Und beim Autokauf agierten sie auch identisch. Als Seppi bei Hans in der Ostschweiz vorfuhr, stellte er fest, dass Hans bereits denselben Wagen gekauft hatte: einen Renault 5 in Orange. Selbst als es darum ging, eine Herzklappe zu ersetzen, traten beide innerhalb von drei Monaten zur Operation an. Wen wundert’s da noch, dass sie sich auch die gleiche Brille kauften. Nach ihrer Pensionierung pflegten sie überdies das gleiche Hobby: das Malen. Natürlich in gleicher Technik und mit den gleichen Motiven ...

Stolze Grossväter und mehrfache Urgrossväter

Hans lebte, bis er 95 Jahre alt war im eigenen Haushalt, Seppi ist seit zehn Jahren im Betagtenzen­trum Wesemlin. Beide Männer sind seit Jahren Witwer. Rückblickend sind beide zufrieden mit ihrem Leben. Und das werde per Telefon mehrmals wöchentlich oder ab und an mit einem Besuch gegenseitig kundgetan. Zwar hören beide nicht mehr so gut und auch das Augenlicht habe nachgelassen, doch ansonsten könnten sie nicht klagen.