Zweiter Wahlgang für die St.Galler Regierung: SP-Frau Laura Bucher punktet in den Städten

Beat Tinner legt in städtischen Gebieten im Vergleich zum ersten Wahlgang zwar am meisten zu, muss sich teilweise aber überholen lassen.

Christoph Zweili
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Einzug mit Sicherheitsabstand. Die neue SP-Regierungsrätin Laura Bucher im Pfalzkeller.

Einzug mit Sicherheitsabstand. Die neue SP-Regierungsrätin Laura Bucher im Pfalzkeller.

Ralph Ribi

Dieser Effekt blieb dem nicht gewählten Tübacher SVP-Mann Michael Götte am Sonntag verwehrt: Der neue FDP-Regierungsrat Beat Tinner war vor allem in städtisch geprägten Gemeinden gut bis sehr gut unterwegs. In Buchs, Gossau, Rapperswil-Jona, Rorschach, St. Gallen und Wil hat er von allen drei Kandidierenden gegenüber dem 8. März am meisten Stimmen zugelegt, wie unsere Analyse zeigt. In Wil erhöhte er den Stimmenanteil von 38,9 auf 52 Prozent, während Bucher und Götte gegenüber dem ersten Wahlgang nur um je rund 7 Prozent besser abschnitten als beim ersten Wahlgang. Dennoch erzielte Bucher in der Äbtestadt mit 53,6 Prozent das beste Resultat. Auch in Rorschach (60,1) machte Bucher das Rennen. In Rapperswil-Jona punktete Bucher trotz Tinners Aufholjagd schliesslich mit 57,4 Prozent, dasselbe gilt auch für Altstätten mit 56,6 Prozent.

Nicht unerwartet legte dafür Tinner noch einmal in Buchs zu, wo er bereits im ersten Wahlgang 53,4 Prozent der Stimmen geholt hatte: Im zweiten Durchgang steigerte sich der Wartauer Gemeindepräsident auf 61,6 Prozent.

In Nesslau und Grabs war es Laura Bucher, die zwar gegenüber dem ersten Wahlgang ihr Resultat am deutlichsten verbesserte – die meisten Stimmen gingen mit 60,2 und 51,4 Prozent dann aber doch an FDP-Mann Tinner. Umgekehrt erhielt Bucher im Fürstenland am meisten Stimmen – in der links-grün dominierten Hauptstadt St. Gallen erzielte die Juristin mit 66,3 Prozent ihr bestes Resultat.

Ein hartes Ringen um die SVP-Hochburgen

Regierungsratskandidat Michael Götte schlug sich vor allem im Westen des Kantons tapfer, wie die Grafik zeigt. Er punktete in den SVP-Hochburgen Eichberg, Oberriet, Quarten, Schänis, Hemberg, Lütisburg und Mosnang, musste aber andere SVP-Stätten wie Rüthi, Flums, Pfäfers, Vilters-Wangs und Amden dem Rivalen Tinner überlassen.
In Oberhelfenschwil erhielten Tinner und Götte exakt gleich viele Stimmen, nämlich 166. Laura Bucher fehlten nur gerade vier Stimmen für dieselbe Punktlandung: Sie erhielt 162 Stimmen.

In St. Margrethen legt Bucher nur wenig zu

Den Heimvorteil spielten nicht alle drei Kandidaten aus – Beat Tinner erhielt in Wartau zwar 1016 Stimmen, Bucher und Götte nur je rund die Hälfte. In St. Margrethen, wo die neue SP-Regierungsrätin im ersten Wahlgang noch an sechster Stelle gelegen hatte, erhöhte sich ihr Stimmenanteil um 2,8 auf 49 Prozent, Götte erhielt aber 50 Stimmen mehr, Tinner sechs Stimmen weniger als Bucher. In Tübach waren die Sympathien klar: Gemeindepräsident Götte erhielt doppelt so viele Stimmen wie Bucher.

Die Stimmbeteiligung war mit 34,4 Prozent trotz Corona exakt gleich hoch wie beim ersten Wahlgang vom 8. März. Mit 23,7 Prozent gingen die Kaltbrunner am wenigsten an die Urne, während 51,6 Prozent der Tübacher sich von der in Krisenzeiten ausschliesslich brieflichen Stimmabgabe nicht abschrecken liessen. Gemäss Wahlstatistik gab es in Rorschacherberg am meisten ungültige Wahlzettel, nämlich 14. An den Wohnorten der Kandidaten war die Stimmbeteiligung unterschiedlich: In St. Margrethen lag sie bei 32,6 Prozent, in Wartau bei 45,3 und in Tübach bei 51,6 Prozent: Gebracht hat es SVP-Mann Michael Götte allerdings nichts.