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Zwei Welten unter einer Kuppel

Milo Schuler ist Zimmermann, Artist, Lebenskünstler. Vor allem aber ist er eines: Ein Idealist. In die Realisierung seines Kuppelzeltes investierte er sein Erspartes und viele durchwachte Nächte. Profit will er aus seinem Projekt nicht schlagen.
Sarah Schmalz
Das Richtfest in Herisau war ein Erfolg. Nun arbeitet Milo Schuler an einer wetterfesten Plane, damit das Zelt im Frühling wieder aufgebaut werden kann. (Bild: David Halter)

Das Richtfest in Herisau war ein Erfolg. Nun arbeitet Milo Schuler an einer wetterfesten Plane, damit das Zelt im Frühling wieder aufgebaut werden kann. (Bild: David Halter)

ST. GALLEN. «Meinen Job habe ich vor sechs Monaten gekündigt», erzählt Milo Schuler. Ein paar tausend Franken hatte der 25-Jährige zu diesem Zeitpunkt gespart. «Genug, um das benötigte Material zu kaufen und ein paar Wochen zu tüfteln.» Schuler spricht ruhig, überlegt. Die Idee, ein Zelt in Form einer Halbkugel zu bauen, trägt er schon lange mit sich herum. Sie entstand während seiner Zeit an der «école de cirque zofy» in Sion: «Durch keine andere Form kann man mit so wenig Material so viel Raum schaffen.» Raum, den er nutzten wollte, um in der Freizeit Sprungakrobatik zu trainieren: eines der Hauptfächer der Zirkusschule.

Schuler knobelte nächtelang, um die sinnvollste geometrische Lösung für seine Kuppel zu finden – «mit Weisswein und einem Taschenrechner». Das Ergebnis dieser nächtlichen Sessionen waren über tausend Skizzen.

Vor vier Jahren brach der gelernte Zimmermann die Zirkusschule ab. Reiste während eines Jahres im Wohnwagen durch die Schweiz. Kam mit unterschiedlichsten, oft unkonventionellen Lebensformen in Berührung. Trainierte zwar weiterhin Akrobatik, seinen Lebensunterhalt verdiente er sich aber mit Gelegenheitsarbeiten auf dem Bau.

In Zürich der Bauer

«Schon als Kind fühlte ich mich als Bindeglied zwischen zwei Welten», erzählt Schulter, der aus einer akademischen Familie stammt: seine Mutter ist Therapeutin, sein Vater Musiker und Lehrer.

Die Familie siedelte in Milo Schulers sechstem Lebensjahr von der Zürcher Innenstadt nach Wald in Appenzell Ausserrhoden über. Unter den Bauernbuben der Nachbarschaft war er nun der «Zürcher», besuchte er seine Freunde in Zürich, der «Bauer». «Also lernte ich, für beide Seiten kompatibel zu sein.» Seine Eltern hingegen pflegten Kontakte fast ausschliesslich mit anderen Zugezogenen. «Die Integration ins Dorf lief hauptsächlich über mich», erinnert sich Schuler.

Jenseits von Konventionen

Nach dem Abbruch der Zirkusschule wandelte sich auch seine Zelt-Vision. Nicht mehr nur eine Trainingsstätte wollte Schuler nun schaffen, sondern «einen Ort, an dem sich Menschen jenseits von Konventionen begegnen können». Schuler schweben zum Beispiel Tanz- oder Theaterworkshops vor. Aber auch Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen.

Es verlangt viel Mut, für seinen Traum alle Sicherheiten über Bord zu werfen. Und grosses Vertrauen in das Projekt. «Beides hat mich phasenweise verlassen», gesteht Schuler. Nahmen Existenzängste und Zweifel überhand, war aber immer jemand da, der ihn zum Weitermachen motivierte. «Freunde oder einfach Menschen, die an mein Projekt glaubten.» Darüber hinaus erfuhr Schuler praktische Unterstützung: Bekannte stellten ihm beispielsweise Platz in ihrer Schreinerwerkstatt zur Verfügung, hier konnte er die Einzelteile für seine Holzkonstruktion herstellen. Eine grosse Herausforderung: Die Kuppel ist sieben Meter hoch und vierzehn Meter breit. Das Richtfest für sein Kuppelzelt setzte Schuler auf den fünften Mai an. Fertig zugeschnitten war das Holz am Abend davor.

Winterquartier gesucht

Dann war der grosse Tag da – und fiel ins Wasser. Nicht nur der starke Regen und das unebene Gelände sorgten dafür, dass es mit dem Aufstellen nicht klappte. «Es war zeitlich alles sehr eng geplant», sagt Schuler. «Deshalb hat noch nicht alles gepasst.»

Im nachhinein sieht er das verpatzte Richtfest als eine «wichtige Hauptprobe». Er nahm sich noch einmal Zeit für die Feinarbeit, engagierte erfahrene Handwerker und fand Stiftungen, die seine Idee unterstützen. Dank diesen kann er seine Kuppel in Zukunft günstig vermieten. Das zweite Richtfest in Herisau war ein Erfolg. Bereits haben sich zahlreiche Interessenten gemeldet. Wo das Zelt im Frühling wieder aufgebaut wird, ist noch offen. Erst einmal ist Schuler aber auf der Suche nach einem Winterquartier.

Milo Schuler (Bild: Coralie Wenger)

Milo Schuler (Bild: Coralie Wenger)

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