Zwei Jahre für «Notwehr»

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat einen 30jährigen Mann wegen schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen. Er habe in Notwehr gehandelt, sagte der Angeklagte.

Reinhold Meier
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mels. Der Angeklagte sass mit seiner Freundin auf einer Parkbank, als ein Kollege auf ihn zukam und ihn um Drogen bat. Weil er keine dabei hatte, habe er das Ansinnen abgewehrt und sich entfernt, so der 30-Jährige. Darauf sei das spätere Opfer mit einer erhobenen Flasche auf ihn zugekommen.

Mit Schädelbruch liegen lassen

«Er flog durch die Luft, um mich zu treten», erinnerte sich der Mann aus der Karibik. Da habe er zugeschlagen. Trotz eines dumpfen «Echos» beim Aufschlag des Opfers auf dem Boden ging er anschliessend davon.

So blieb das Opfer mit Schädelbruch bewusstlos liegen. Dank eines späteren Helikoptereinsatzes überlebte der Mann zwar, ist heute aber zu 100 Prozent erwerbsunfähig.

Biss in die Nase

Zu einem zweiten Vorfall kam es zwei Jahre später, als der Mann auf einer Bank sass und laut vor sich hin redete. Ein Passant verbat sich das Geschwätz, worauf die beiden in einen heftigen Streit gerieten.

Dabei packte der Karibe sein Opfer mit beiden Händen am Kopf und biss ihm in die Nase. Der so Traktierte riss dem Angreifer 13 Rastalocken aus, wie eine spätere Untersuchung unter den Elektronenmikroskop belegte. Vor Schranken bestritt der Angeklagte die beiden Taten nicht, berief sich aber auf sein Recht zur Gegenwehr. Die Anklage plädierte auf vier Jahre Gefängnis. Der Beschuldigte zeige sich «absolut uneinsichtig».

Sein Argument, in Notwehr gehandelt zu haben, wirke zynisch: «Wer sich verteidigt, schlägt seine Gegner nicht spitalreif», befand die Anklage.

Die Verteidigung hingegen wollte nur eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten sehen. In beiden Fällen sei ihr Mandant angegriffen worden. Zwar habe er dann übermässig reagiert, doch nur im Sinne eines «Notwehrexzesses», mithin ohne Vorsatz.

Sein Mandant habe zudem nicht damit rechnen können, dass das Opfer im ersten Fall so unglücklich stürzte und im zweiten Fall schwere Verletzungen davontrug, sagte der Verteidiger. «Die Stresshormone haben ihm verunmöglicht, klar zu denken», resümierte er. Er kritisierte, dass sich das Verfahren bereits sieben Jahren hinziehe.

Hohe Zivilforderungen

Der Anwalt des Opfers bezifferte die Zivilforderungen auf 2,5 Millionen Franken Erwerbsausfall und 378 000 Franken Schadensersatz.

Das Gericht sprach den Angeklagten wegen der Körperverletzungen schuldig. Es verhängte dafür zwei Jahre Freiheitsentzug bedingt, bei einer erhöhten dreijährigen Probezeit. Die Zivilansprüche wurden im Grundsatz anerkannt, im übrigen aber auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.