Zwei Frauen – ein Stück Stoff

Eine designt es, eine trägt es und beide lieben es: An der Offa-Modeschau präsentiert das Modell Kate Matl das erste Abendkleid der Bekleidungsgestalterin Nathalie Kräutler.

Jeanette Herzog
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Hinter den Kulissen der Offa-Modeschau treffen Jungdesignerin und Modell aufeinander: Alles dreht sich ums Kleid mit den Filtex-Stickereien. (Bild: Coralie Wenger)

Hinter den Kulissen der Offa-Modeschau treffen Jungdesignerin und Modell aufeinander: Alles dreht sich ums Kleid mit den Filtex-Stickereien. (Bild: Coralie Wenger)

Eigentlich kennen sich Nathalie Kräutler und Kate Matl nicht. Was die jungen Frauen verbindet, ist ein Stück Stoff. Nicht irgendeines, sondern Kräutlers erstes selbst designtes Abendkleid, das sie Matl auf den Leib geschneidert hat. Die eine ist auszubildende Bekleidungsgestalterin aus Abtwil, die andere Modell aus Tschechien.

Hält der Saum?

Auf die Offa-Modeschau hin haben die Lernenden des Lernateliers Couture in St. Gallen eine Kollektion von Abendkleidern gefertigt. «Jede von uns hat Masse und Bilder eines Modells bekommen», erzählt Nathalie Kräutler. «Ich hatte Glück. Kate hat eine super Figur mit ausgeprägten weiblichen Proportionen. Ideal für ein Abendkleid.» Wochenlang hat die 22-Jährige im zweiten Lehrjahr daran gearbeitet: Von der Idee bis zur Skizze, vom Schnittmuster zum Probestück, von der Anprobe bis zum Laufsteg. «Mode ist mein Ding», sagt sie. Nach der Lehre will sie entweder Schnitttechnik oder Modedesign studieren und später bei einem Label arbeiten.

Der grosse Traum bleibt aber der von einem eigenen Label. Ein Schritt in diese Richtung ist getan: Ihr erstes Kleid in einer Modeschau: «Es war ein super Gefühl, Kate schliesslich in meiner Kreation laufen zu sehen», erzählt Kräutler mit strahlenden Augen. «Ich hatte das Kleid ja schon an ihr gesehen, aber im Licht und mit der Musik wirkte es noch einmal anders.» Vor der Premiere sei sie etwas nervös gewesen: Hält der Saum? Sind Knöpfe und Reissverschluss zu? Ist alles an seinem Platz? Das Kleid hat die Feuertaufe bestanden. Die Chefin ist zufrieden und das Modell begeistert: «Ich mag weisse Kleider mit einfachem Schnitt und speziellem Design», sagt Kate Matl. Nur zu gerne würde sie es in ihren eigenen Kleiderschrank hängen. Doch das edle Stück Stoff bleibt im Besitz des Lernateliers.

Mode-Marathon an der Offa

Bis zum Ende der Offa darf Kate Matl das Kleid aber noch behalten. Sie präsentiert es täglich viermal an der Modeschau in der Halle 2.1. Innerhalb einer Stunde zieht sie sich zehnmal um und führt gemeinsam mit den anderen Modells verschiedene Choreographien vor. Sie präsentieren Alltagsmode diverser Marken, Velo- und Wanderkleidung, Unterwäsche, Schuhe und unzählige Accessoires. Matl nennt es den «Offa-Marathon». Es sei anstrengend, mache aber Spass. «Ich mag das Team und die Show ist attraktiv.» Fünf Tage haben die Modells geprobt, bis die Choreographien sassen – Muskelkater inklusive.

Der Höhepunkt der Modeschau für Kate Matl ist der letzte Durchgang: die Abendkleider. Darauf freut sich auch Nathalie Kräutler immer wieder. Vom Publikum aus blickt sie auf die Bühne und wartet auf Kate, wartet auf ihr Kleid.