Kolumne

Zwei Emus sehnen sich nach einem Namen

Australische Laufvögel erhalten Asyl im Dunstkreis der SVP, Tägerwilen steckt im Schneckendilemma und die Stadt St.Gallen sammelt erfolgreich Angestellte: Was die Ostschweiz dieser Tage beschäftigt. 

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

Silvan Lüchinger

Coralie Wenger

Der Kanton Thurgau und der Chef des Amtes für Informatik haben sich getrennt. Warum, weiss niemand so recht. Der Betroffene sagt nichts und die Regierung mauert ebenfalls. Angeblich war der Informatikchef schon Wochen vor der Entlassung nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen. Die Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates wusste nichts davon. Als nächstes erscheint vielleicht ein Mitglied der Regierung monatelang nicht zur Arbeit – und niemand merkt es.

Der Tunnel Engi ist ein wichtiges Teilstück der Umfahrung Bütschwil. Noch ist er gar nicht in Betrieb, und schon zeigen sich im Beton Risse. Fast jeden Tag mehr, haben aufmerksame Beobachter festgestellt. Wurde beim Bau gepfuscht? Fachleute winken ab: Der Tunnel spiegle nur die Toggenburger Befindlichkeit.

Die Kastanienallee an der Tägerwiler Castellstrasse soll umgehauen und durch eine Neuanpflanzung ersetzt werden. Der WWF wehrt sich dagegen. Zum einen, weil die Bäume unter Schutz stehen. Zum andern, weil sie von zwei raren Tierchen besiedelt sind: Von der Zahnlosen Schliessmundschnecke und von der Geradmund-Schliessmundschnecke. Die Schnecken von Hand abzulesen und umzusiedeln, kommt für Gemeindepräsident Markus Thalmann indes nicht in Frage. Dann bleibt dem Gemeinderat wohl nur, sie mit Bezahntem Spitzmund abzusaugen.

In der Novembersitzung des Gossauer Stadtparlaments beschworen die Sozialdemokraten die Dramatik des Klimawandels und verlangten in einer Motion Massnahmen gegen Energieverschwendung und zur CO2-Reduktion. In der Dezembersession traten dann grad alle vier SP-Vertreter ans Rednerpult – und plädierten vehement für die Planung eines beheizten Aussenbeckens beim neuen Hallenbad. Selig alle, denen die Gnade des Vergessens gegeben ist.

Der Bund hat das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil Knall auf Fall verboten. Weil es im Verdacht steht, krebserregend zu sein, darf es bereits ab 1. Januar nicht mehr verwendet werden. Laut Präsident Markus Ritter können die Bauern damit leben – schliesslich habe auch ihr Verband ein Verbot empfohlen. Ein Anliegen hat Ritter aber doch noch: Bauern, die das Pestizid bereits eingekauft haben, sollen es zurückbringen können – gegen Entschädigung. Nachdem sich das anscheinend lohnt, müssen ja gewaltige Mengen an Lager sein.

Als SVP-Nationalrätin kämpfte Jasmin Hutter gegen den zwangsweisen Einbau von Partikelfiltern in Baumaschinen. Heute garantiert sie in ihrem «Zoohuus» in Eichberg aussortierten Tieren einen stressfreien Lebensabend. Jüngste Zuzüger sind zwei Emus, die in Zürich illegal gehalten worden waren und denen die Schlachtung drohte. Namen haben die beiden Vögel allerdings noch nicht. Jasmin Hutter nimmt gerne Vorschläge entgegen. Denkbar wären zum Beispiel Barbara und Thomas – als Reverenz an ihre beiden Parteikollegen Thomas Müller und Barbara Keller-Inhelder. Parallelen gibt es ja: Die Emus dürfen nicht nach Zürich und die beiden anderen nicht nach Bern zurück.

Einwohnermässig kommt die Stadt St.Gallen nicht so recht vom Fleck. Dafür sieht es personalmässig hervorragend aus. In den vergangenen 20 Jahren konnte die Zahl der Mitarbeitenden um 32 Prozent gesteigert werden. Mittlerweile fliessen ihnen 44 Prozent des städtischen Gesamtaufwandes zu. Das sind Werte, die sonst nirgends in der Schweiz erreicht werden. Auch im linksregierten Zürich nicht. Ein Fussballtrainer würde mit Blick auf die kommenden Jahre sagen: «Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen.» In der Tat scheint das Ziel in Reichweite: Pro Steuerzahler eine Verbrauchsperson.