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IHK-Spitaldossier-Chef Robert Stadler: «Es gibt zu viele Spitäler auf engstem Raum»

Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde will die St.Galler Spitallandschaft ähnlich umkrempeln wie vor fünf Jahren die Industrie- und Handelskammer. Die Bestätigung der Strategie überrasche ihn nicht, sagt IHK-Spitaldossierchef Robert Stadler.
Marcel Elsener
Bett in einem St. Galler Regionalspital: unantastbares Grundbedürfnis oder verzichtbarer Kostenfaktor? (Bild: Jil LohseTe)

Bett in einem St. Galler Regionalspital: unantastbares Grundbedürfnis oder verzichtbarer Kostenfaktor? (Bild: Jil LohseTe)

Herr Stadler, nur noch vier Akutspitäler im Kanton St.Gallen: Der Verwaltungsrat schlägt ähnliche Massnahmen vor wie 2013 die IHK mit ihrer Studie «HFutura». Grund zur Genugtuung?

Die könnten wir haben, aber das bringt niemanden weiter. Denn es überrascht nicht, dass wir recht bekommen. Unbefriedigend ist vor allem, was uns bereits damals am meisten beschäftigte: Dass wir hinter vorgehaltener Hand viel Zuspruch erhielten, auch aus den Spitälern, von Oberärzten oder Personen im Pflegebereich. Zustimmung in der Art «Endlich sagt es jemand», mit teils prägnanterer Kritik, als sie unsere Studienverfasser äusserten. Aber niemand getraute sich, seine Meinung offen zu äussern.

Warum nicht?

Aus Angst vor drohenden Nachteilen. Und weil es um ein Tabu ging, das zeigte sich auch im Abstimmungskampf. Man diskutierte nicht über Gesundheitspolitik, sondern nur über den desolaten Zustand der Spitäler und den Investitionsstau, den es zu beheben gelte. Das war verständlich und angebracht, aber angesichts der Tragweite der Entscheidungen auch schlecht: Man sprach nie ernsthaft über die Spitalstrukturen, ergo beschloss man, was zu machen war: sanieren.

Die von der IHK in Auftrag gegebene Studie schlug fünf Akutspitäler und vier ambulante Gesundheitszentren vor. Woran lag es, dass der Vorschlag ziemlich grandios scheiterte ?

So wie der Kanton St.Gallen regionalpolitisch funktioniert, erstaunt die Ablehnung nicht. Wir hatten ja anfänglich die Unterstützung aller bürgerlichen Parteien, aber eine um die andere bröckelte, und am Ende blieb nur die SVP auf unserer Seite. Es ist logisch, dass Politiker in der Region für ihr Spital einstehen muss. Auch wenn sich eigentlich alle einig sind, dass neun Spitäler zuviel sind für den Kanton.

Klar abgelehnt wurde insbesondere die Idee für einen Neubau auf der grünen Wiese in St.Gallen, mehrheitlich taxiert als unausgegorener Schnellschuss.

Offenbar war der Vorschlag eines Neubaus zu verwegen. Aber er basiert auf dem Hintergrund, dass sich auf der grünen Wiese die Abläufe von Grund auf neu und besser planen lassen als in Um- und Anbauten bestehender Gebäude. Zudem ist die Idee nicht neu: So baute Zug ein neues Kantonsspital und bauten die Kantone Waadt und Wallis ein gemeinsames Schwerpunktspital.

Wer sagt denn, dass grosse Spitäler kostengünstiger sind als kleinere?

Robert Stadler, stellvertretender Direktor IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: PD)

Robert Stadler, stellvertretender Direktor IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: PD)

Auch bei Spitälern gibt es eine kritische Grösse. Wenn an neun Orten Notfall, Geräte, Infrastruktur, Personal und so weiter angeboten werden, sagt schon der gesunde Menschenverstand, dass andere Lösungen günstiger kommen. Zudem ist es eine Personalfrage: Sehr gute und ambitionierte Ärzte wollen nicht auf Dauer in einem 80-Betten-Regionalspital operieren. Der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal ist eklatant.

Warum beschäftigt sich eine Industrie- und Handelskammer überhaupt mit der Spitalplanung?

Eine berechtigte Frage. Bevor die Regierung bekanntgab, wie sie die künftige Spitallandschaft sieht, traten die drei bürgerlichen Parteien an uns heran. Sie verspürten ein Unbehagen, wie es in der Spitalplanung weiterlaufen würde. Weil auch die finanzpolitische Tragweite der Spitalversorgung gross ist, haben wir eine unabhängige Studie bei einem spezialisierten Beratungsbüro in Auftrag gegeben. Dies um den kantonalen Parteien eine von der Regierung unabhängige Zweitmeinung zu bieten und eine echte Diskussion zu ermöglichen.

Vermutet wird allerdings auch, dass die Triebfeder der IHK eine Privatisierung des Gesundheitswesens ist.

Das ist nun wirklich nicht der Fall. Es gab nie Kontakte mit privaten Anbietern. Wir hatten auch nie die Absicht, Gesundheitspolitik zu betreiben. Aber angesichts der Entwicklung mussten wir weiter Stellung nehmen.

Der Bauwirtschaft entgingen happige Aufträge, wenn Spitäler geschlossen würden. Was sagen denn deren Vertreter in ihren Reihen?

Natürlich gab es immer solche und andere Stimmen. Aber uns geht es um die grundsätzliche Sicht, nicht um einzelne Aufträge.

Was meinen Sie zum Vorwurf, die erneute Forderung nach Spitalschliessungen entspringe rein betriebswirtschaftlichem Denken?

Es ist die Aufgabe des Verwaltungsrates, zu warnen, wenn es wirtschaftlich nicht aufgeht. Wenn man jährliche Defizite von 70 Millionen in Kauf nimmt, ist das ein politischer Entscheid. Ich verstehe Gesundheitschefin Heidi Hanselmann, wenn sie auch andere Aspekte gewichten muss.

Welche Spitäler würden Sie denn aus heutiger Sicht schliessen?

Das kann ich nicht beurteilen. Wir sind jetzt auf halbem Weg mit den Sanierungen, die Vorlagen in Flawil, Rorschach und Walenstadt stehen noch an. Ich hoffe, dass die Politik die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung doch noch sachlich und möglichst ohne regionalpolitischen Scheuklappen diskutiert.

Müsste die Spitalplanung denn nicht längst über Kantons- und sogar über Landesgrenzen hinaus erfolgen?

Auf jeden Fall, das wäre das Wunschszenario. Nur schaut leider jeder Kanton für sich, und prompt haben wir in der Ostschweiz sehr viele, zu viele Spitäler auf engstem Raum.

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