«Zustände im Heim sind unerträglich»

Das Alters- und Pflegeheim Geserhus in Rebstein wird von der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter massiv kritisiert. Die Vorwürfe richten sich gegen zwei Gemeindepräsidenten und vor allem gegen die Heimleiterin.

René Hornung
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Das Altersheim Geserhaus in Rebstein steht in der Kritik. (Bild: Gert Bruderer)

Das Altersheim Geserhaus in Rebstein steht in der Kritik. (Bild: Gert Bruderer)

REBSTEIN. «Das Untersuchungsrichteramt war schon im Haus und das kantonale Amt für Soziales ebenfalls – doch es passiert einfach nichts», ist Ruth Meisser, Leiterin der Regionalstelle der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für das Alter (UBA), erzürnt. Jetzt habe die UBA die Nase voll und gelange an die Öffentlichkeit, «denn die Zustände im Geserhus sind absolut unerträglich».

Mangelnde Fachkenntnis?

Schon im Oktober 2009 hatte die UBA alle Beteiligten informiert und versucht, mit Gesprächen die Situation im Geserhus zu verbessern. Doch sowohl bei der Heimleitung wie bei der zuständigen politischen Behörde habe sie rasches Handeln vermisst. Verwaltungsrat und Heimleitung seien überfordert. Es fehle an Fachkenntnissen, um ein Heim mit rund 60 Bewohnern und rund einem Drittel Pflegefällen menschenwürdig zu führen, doppelte Thomas Diener, Vizepräsident der UBA und Geschäftsleiter von Pro Senectute des Kantons St.

Gallen, nach. «Die Zustände hier übertreffen alles, was ich bisher gesehen habe – und ich habe schon in viele Heime hineingesehen», ist auch die Ärztin Annemarie Engeli entsetzt, die mit der Fachkommission der UBA Heime berät.

Inzwischen hat die UBA über zwei Dutzend Aussagen von Mitarbeitenden, Ehemaligen und von Angehörigen von Heimbewohnern gesammelt.

Immer wieder tauchen die gleichen Vorwürfe auf: Vor allem demente Patienten mit Bewegungsdrang würden wahllos medikamentös ruhiggestellt und einzelne in den Betten angebunden, sogar misshandelt. Bewohner, die nach Meinung der Heimleitung zu dick seien, bekämen kaum etwas zu essen. Einer habe sich beklagt, man verhungere im Geserhus. Personal ohne Fachausbildung gebe Medikamente ab und setze Spritzen. Sterbende würden allein in Zimmern eingeschlossen. Die Heimleitung schüchtere Mitarbeitende ein, die sich gegen diese Zustände wehrten.

Unter dem Deckel halten

Die Heimleiterin, seit über 20 Jahren im Amt, habe fachlich den Anschluss verpasst. Ihr Stellvertreter sei ein im Heimwesen nicht ausgebildeter Handwerker, die beiden seien ausserdem noch persönlich liiert. Weil auch der frühere Rebsteiner Gemeindepräsident Max Reich und die Heimleiterin eng zusammengearbeitet hätten, stehe man «einem geschlossenen System gegenüber, in dem sich alle gegenseitig decken und alles unter dem Deckel halten», kritisierte Thomas Diener.

Nachdem die ersten Vorwürfe schon Anfang dieses Jahres in der Öffentlichkeit bekannt wurden, seien bei der UBA zahlreiche weitere Klagen eingegangen. Der Verwaltungsrat des Geserhuses hatte reagiert und die OBT Unternehmensberatung mit einer Untersuchung beauftragt. Deren Resultate werden im April bekannt. Die OBT sei aber nicht die richtige Instanz, die fachlich-pflegerischen Vorwürfe zu prüfen, kritisierte die UBA gestern. Warum der Heimarzt nie eingegriffen habe, war den Exponenten der UBA ebenfalls unerklärlich.

Die UBA kritisierte auch den neugewählten Rebsteiner Gemeindepräsidenten Andreas Eggenberger, der seit Mitte Februar Verwaltungsratspräsident des (von den Gemeinden Rebstein und Marbach gemeinsam getragenen) Geserhuses ist. Auch er handle zögerlich. Eggenberger stellt auf Anfrage allerdings klar, dass er gewillt sei, die Probleme zu lösen. Vorschnelle Entscheide, die das Persönlichkeitsrecht der betroffenen Heimleitung verletzten, lehne er ab.

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