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Nach Vergiftung in Rorschacher Shisha-Bar: Expertin warnt vor der süssen Gefahr

Sie duften süsslich nach Apfel, Kirsche oder Pfefferminze: Wasserpfeifen boomen. In Rorschach holt sich eine 17-Jährige dadurch eine Vergiftung. Kein Einzelfall: Die Gefahr werde unterschätzt, warnen Experten.
Linda Müntener
In Rorschach ist eine 17-Jährige nach dem Besuch einer Shisha-Bar zusammengebrochen. (Bild: Keystone (Symbolbild)

In Rorschach ist eine 17-Jährige nach dem Besuch einer Shisha-Bar zusammengebrochen. (Bild: Keystone (Symbolbild)

Plötzlich verspürt sie Kopfschmerzen. Sie geht nach draussen, an die frische Luft. Ihr wird schwindelig. Dann geht alles schnell. Die 17-Jährige bricht vor einer Shisha-Bar in Rorschach zusammen. Sie ist nicht mehr ansprechbar. Die junge Frau muss ins Spital gebracht werden - Verdacht auf Kohlenstoffomnoxid-Vergiftung.

Was sich am Sonntag in einer Shisha-Bar in Rorschach ereignet hat, ist kein Einzelfall. In Deutschland sind mehrere Vergiftungsfälle bekannt. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein - auch in der Schweiz. "Denn die Symptome einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung sind unspezifisch", sagt Melanie Schönenberger. Die St.Gallerin ist Fachärztin für Nephrologie und Allgemeine Innere Medizin. Gemeinsam mit zwei Kollegen hat sie eine der wenigen Fallstudien zum Wasserpfeifen-Konsum veröffentlicht. Wie im Fall der 17-Jährigen in Rorschach klagten auch diese Patienten über Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. In fünf Fällen waren die Betroffenen vorübergehend bewusstlos.

Melanie Schönenberger, Ärztin.

Melanie Schönenberger, Ärztin.

Das Fazit der Studie: Shishas sind nicht harmloser als Zigaretten - im Gegenteil. Durch die Verbrennung der Holzkohle nimmt der Wasserpfeifenraucher gar mehr als die zehnfache Menge an Kohlenstoffmonoxid zu sich. Dennoch werde die Gefahr von Wasserpfeifen extrem unterschätzt. Auch deshalb, weil das Blubbern momentan "trendy" sei. "Zigaretten stinken, Shishas schmecken süss", sagt Schönenberger. Ein gefährliches Image. "Vor allem bei Jugendlichen ist die Gefahr riesig, dass sie süchtig danach werden."

Fast jeder zweite Jugendliche raucht Shisha

Shishas boomen. Das zeigt der jüngste Suchtmonitoring-Bericht des Bundesamts für Gesundheit. Darin gibt fast jeder zweite der 15- bis 19-Jährigen an, Wasserpfeife zu rauchen (43,1 Prozent). Bei den 20- bis 24-Jährigen sind es 17 Prozent. Die Wasserpfeife ist gemäss Bericht auch bei eigentlichen Nicht- oder Ex-Rauchern beliebt.

Entwicklung des Wasserpfeifenkonsums der 15- bis 19-Jährigen

Zahlen in Prozent
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Eine Shisha besteht aus einem wassergefüllten Glasgefäss, einer Rauchsäule mit Tongefäss als Kopf und einem Schlauch mit Mundstück. Das Tongefäss wird mit Tabak gefüllt, darüber eine durchlöcherte Aluminiumfolie gespannt. Auf die Folie kommt ein Stück glühende Holzkohle. Saugt der Raucher am Schlauch, wird der entstehende Rauch durch den Wasserbehälter gesogen. "Das Wasser ist kein Filter, der Rauch wird dadurch lediglich abgekühlt", sagt Melanie Schönenberger.

Die Schadstoffbelastung der Shisha sei somit hoch. Das farb- und geruchlose Kohlenmonoxid ist ein Atemgift: Es bindet sich wesentlich stärker an die roten Blutkörperchen als Sauerstoff. Dadurch entsteht Sauerstoffmangel im Körper. Dieser kann zu Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Herzrasen - und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Kohlenstoffmonoxid-Vergiftungen stellen in Deutschland mit etwa 3700 Klinikeinweisungen und 370 Todesfällen pro Jahr die Hauptursache von unfallmässigen Vergiftungen dar.

Auch die Lungenliga schlägt Alarm. "Wasserpfeifen sind genauso schädlich wie Zigaretten", sagt Claudia Künzli, Projektleiterin Politik & Gesundheitsförderung, Tabak und NCD, der Lungenliga Schweiz. Bei der Wasserpfeife verglimme der Tabak indirekt über einer glühenden Kohle bei rund 450 Grad, bei der Zigarette verbrenne er direkt bei 800 bis 900 Grad. "Durch die niedrigere Temperatur werden weniger Giftstoffe verbrannt und es gelangen dadurch beim Konsum von Wasserpfeifen mehr Giftstoffe in die Atemwege", sagt Künzli.

Hinzu komme: Das Rauchen einer Wasserpfeife dauere zwischen 45 und 60 Minuten. "In dieser Zeit wird mindestens 100mal mehr Tabakrauch inhaliert als bei einer einzelnen Zigarette", sagt Künzli. "Zehn Gramm Wasserpfeifen-Tabak entsprechen zehn Zigaretten."

Zur Therapie wird Sauerstoff verabreicht

Holt sich jemand eine Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung wird in der Regel hochdosierter Sauerstoff verabreicht. Die Diagnose wird nach einer Analyse der Blutgase gestellt. "Die Analyse ist mittlerweile Standard", sagt Schönenberger. Wichtig sei, dass man bei den Symptomen gezielt nach dem Shisha-Konsum frage.

Die Lungenliga warnt auch vor dem Passivrauchen: Der Rauch der glühenden Kohle belaste die Atemluft zusätzlich mit hohen Mengen von Kohlenmonoxid, Schwermetallen und weiteren krebserzeugenden Stoffen. In der Shisha-Bar in Rorschach wurde gemäss der Kantonspolizei St.Gallen eine erhöhte, wenn auch nicht kritische Konzentration des Gases gemessen. Die Polizei veranlasste danach, die Bar zu lüften.

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