zur Sache
«Man muss die Kantone machen lassen»: Bundespräsident Guy Parmelin im TVO-Talk zur St.Galler Coronastrategie

Guy Parmelin tourt durch die Regionen der Schweiz. Am Donnerstag besuchte der Bundespräsident St.Gallen. In der TVO-Sendung «Zur Sache» äussert er sich zur Kritik an den Kantonen, zur Impfstrategie – und zum Festivalsommer.

Adrian Lemmenmeier-Batinić
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«Wir versuchen, uns auf die Welt nach der Pandemie vorzubereiten»: Bundespräsident Guy Parmelin in der TVO-Sendung «Zur Sache».

«Wir versuchen, uns auf die Welt nach der Pandemie vorzubereiten»: Bundespräsident Guy Parmelin in der TVO-Sendung «Zur Sache».

Bild: Arthur Gamsa

Corona macht's möglich: Weil das WEF nicht in Davos stattfindet und Auslandreisen abgesagt sind, hat Guy Parmelin gleich zu Beginn seines Präsidialjahres Zeit, die Regionen der Schweiz zu besuchen. Am Donnerstag startete er seine Tour in St.Gallen. «Für mich ist es wichtig, zu sehen, wie die Leute in den verschiedenen Landesteilen mit der Krise umgehen», sagt der Bundespräsident im von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid moderierten TVO-Talk «Zur Sache». Vor der Sendung besuchte Parmelin mit den Regierungsräten Bruno Damann und Fredy Fässler unter Ausschluss der Medien das Kantonsspital St.Gallen sowie eine Hausarztpraxis, in der seit Montag geimpft wird.

Guy Parmelin (rechts) zu Besuch in der Hausarztpraxis zur Rehburg, mit den Regierungsräten Fredy Fässler, Bruno Damann und Praxisinhaber Dr. Raphael Stolz (von links).

Guy Parmelin (rechts) zu Besuch in der Hausarztpraxis zur Rehburg, mit den Regierungsräten Fredy Fässler, Bruno Damann und Praxisinhaber Dr. Raphael Stolz (von links).

Bild: PD

Ob er die aktuelle Kritik an der St.Galler Coronapolitik nachvollziehen könne, fragt Moderator Schmid den Bundespräsidenten? Dieser verneint: «Es ist immer einfach zu kritisieren.» Aber in ganz Europa habe niemand ein Rezept gefunden, um den Verlauf der Pandemie zu antizipieren. Da könne man weder vom Bund noch den Kantonen erwarten, dass immer alles reibungslos laufe. «Man muss die Kantone machen lassen», sagt Parmelin. Der Kanton St.Gallen verzeichnete in der zweiten Welle besonders viele Todesfälle, was zuletzt die «Sonntags-Zeitung» zu deutlicher Kritik am «St.Galler Weg» veranlasste.

«Festivals müssen kreativ sein»

Von der St.Galler Impfstrategie habe er einen sehr guten Eindruck erhalten, so Parmelin weiter. Dass es derzeit mit den Impfungen schleppend vorangehe, sei Lieferunterbrüchen geschuldet – ein Problem, das nicht nur die Schweiz betreffe. Seit Montag können sich Risikopatienten im grössten Ostschweizer Kanton auch bei Hausärzten impfen lassen.

Bundespräsident Guy Parmelin stellt sich den Fragen von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid.

Bundespräsident Guy Parmelin stellt sich den Fragen von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid.

Bild: Arthur Gamsa

Was aber wird der Bundesrat tun, falls nicht genügend Leute bereit sind, sich impfen zu lassen? «Überzeugen» müsse das Credo sein, so der Bundespräsident. Er selbst habe die erste Impfdosis erhalten. «Und es geht mir sehr gut.» Der Plan sei nach wie vor, dass bis im Juni der Grossteil der Schweizer Bevölkerung immunisiert sei. Die Impfung sei derzeit das einzige Licht am Ende des Tunnels, in einer Situation, in der wegen der neuen Virusmutationen vieles ungewiss sei.

Auf die Frage von Moderator Schmid, ob es Parmelin befürworten würde, wenn nur geimpfte Personen an Grossanlässen teilnehmen dürften, weicht der Bundespräsident aus. «Die Veranstalter müssen kreativ sein.» Er sei nicht sicher, ob Festivals wie das Open Air St.Gallen bereits diesen Sommer in gewohntem Rahmen stattfinden könnten.

Bundespräsident und Bundesrat Guy Parmelin im Gespräch mit Stadtpräsidentin Maria Pappa.
24 Bilder
Bundespräsident Guy Parmelin begrüsst Stadtpräsidentin Maria Pappa bei seiner Ankunft vor dem Tagblatt-Gebäude in St. Gallen.
Bundespräsident und Bundesrat Guy Parmelin im Gespräch mit Stadtpräsidentin Maria Pappa.
Bundespräsident und Bundesrat Guy Parmelin bei der TV-O Sendung "Zur Sache".

Bundespräsident und Bundesrat Guy Parmelin im Gespräch mit Stadtpräsidentin Maria Pappa.

Arthur Gamsa

Vorbereiten auf die Welt nach Corona

Für eine Prognose zur weiteren ökonomischen Entwicklung sei es zu früh, so der Wirtschaftsminister weiter. «Wir versuchen derzeit, uns auf die Welt nach der Pandemie vorzubereiten.» Wie sich das Bruttoinlandprodukt entwickle, sei dabei für die Leute nicht der springende Punkt. «Wer in einem Restaurant arbeitet, will nach der Krise wieder einen Job haben.» Diplomatisch-zurückhaltend gibt sich Parmelin auf Fragen zum EU-Rahmenabkommen und der Chinastrategie des Bundesrates. Man diskutiere laufend über eine Verbesserung des Freihandelsabkommens, sagt er etwa auf die Frage, ob die Schweiz bereit sei, im Umgang mit China stärker auf die Einhaltung der Menschenrechte zu pochen.

Im Foyer des TVO-Studios unterhält sich Parmelin auch mit der St.Galler Stadtpräsidentin Maria Pappa, die den Bundespräsident offiziell von Seiten der Stadt begrüsst. Im Gespräch mit Parmelin habe sie einen direkteren Austausch zwischen dem Bund und den grösseren Städten beliebt gemacht, sagt Pappa. Denn die Städte seien in der Pandemie besonders betroffen, finden doch in

Zentren wie St.Gallen Grossveranstaltungen wie Fussballspiele oder die Olma statt. Letztere würde er im Herbst gerne besuchen, sagt Parmelin im TVO-Talk. Wenn es die Situation erlaube. Und wenn er sich intern durchsetzte. «Wissen Sie, die Olma ist bei Bundesräten beliebt.»

Beide seit Beginn des Jahres im Präsidialamt: Guy Parmelin und Maria Pappa unterhalten sich über die Pandemie.

Beide seit Beginn des Jahres im Präsidialamt: Guy Parmelin und Maria Pappa unterhalten sich über die Pandemie.

Bild: Arthur Gamsa