Zur Sache
«Alles, was Spass macht, ist verboten»: Die Jungpolitiker Anna Miotto und Joel Mäder in der TVO-Debatte zur Krawallnacht von St.Gallen

Jugendliche leiden besonders unter den geltenden Massnahmen und düsteren Zukunftsperspektiven. Doch rechtfertigt dies den jüngsten Ausbruch von Gewalt? Anna Miotto (JUSO) und Joel Mäder (JFSG) diskutieren auf TVO über die frustrierte Jugend und die aktuelle Coronapolitik.

Enrico Kampmann
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Anna Miotto (JUSO) und Joël Mäder (JFSG) mit Moderator Stefan Schmid im TVO-Studio.

Anna Miotto (JUSO) und Joël Mäder (JFSG) mit Moderator Stefan Schmid im TVO-Studio.

Bild: Tobias Garcia

Die Krawalle in der Stadt St.Gallen vom vergangenen Wochenende, die zu rund 100'000 Franken Sachschaden und über 20 Anzeigen führten, sind noch nicht verdaut. Doch in den sozialen Medien kursieren bereits Aufrufe, sich über das Osterwochenende erneut zu versammeln, um zu randalieren.

Anna Miotto ist Präsidentin der JUSO St.Gallen und studiert Maschinenbau. Sie zeigt Verständnis für den Frust der Jugendlichen. «Ich will nicht verharmlosen, was passiert ist, aber ich verstehe ihre Wut», sagt sie im TVO-Talk «Zur Sache», moderiert von «Tagblatt»-Chefredaktor Stefan Schmid. Dennoch ist für sie klar: Restaurants und Bars müssen geschlossen bleiben. «Wir müssen jetzt durchhalten, um die Pandemie schnellstmöglich hinter uns zu bringen, und nicht weitere Lockerungen anstreben.»

«Im Krisenmanagement haben wir versagt», sagt ihr Gegenüber Joel Mäder, Betriebswirtschaftsstudent und Präsident der Jungfreisinnigen. Doch für ihn liegt das Problem in der zu restriktiven Coronapolitik des Bundesrats. «Mit kleinen Schritten könnte man vielen Leuten eine gewisse Normalität zurückgeben.»

Quelle: TVO

Warum es zu den Krawallen kam

Zu den Gründen der Krawalle sagt Miotto:

«Der Frust ist so gross, weil das Risiko für junge Menschen, schwere Folgen durch das Virus davonzutragen, in keinem Verhältnis dazu steht, was sie einstecken müssen.»

Zudem herrsche eine gewisse Willkür bei den Massnahmen. «Alles, was Spass macht, ist verboten. Die Bars sind geschlossen und man kann seinen Hobbys nicht nachgehen. Aber Schule und Schulsport ohne Maske geht noch.»

Mäder sieht andere Gründe für den Frust der Jugendlichen. «Einerseits fehlt den Menschen aufgrund der Zwangsschliessungen der Ausgleich im Alltag.» Das zweite Problem sei die Perspektivlosigkeit. Er sagt: «Seit drei Monaten macht der Bundesrat keine klaren Ansagen. Das führt zu gesteigerter Frustration, insbesondere bei den Jungen.»

Beurteilung der Massnahmen

Von Sonderregelungen für Jugendliche halten beide Politiker nichts. Mäder plädiert für eine Lockerung der Massnahmen. Er sagt:

«Jetzt, wo Restaurants und Bars geschlossen haben, verlagern sich die Treffen sowieso einfach ins Private.»

Miotto ist anderer Meinung: «Je mehr offen ist, desto mehr bewegen sich die Leute. So steigt auch die Ansteckungsgefahr.» Die Corona-Taskforce warne vor zu schnellen Lockerungen. «Die jetzige Situation ist eine direkte Konsequenz davon, dass wir im Herbst nicht auf sie gehört haben.»

Die Taskforce habe eine Beratungsfunktion, kontert Mäder. Es sei das Bundesamt für Gesundheit, das effektiv an Lösungen arbeite. «Das BAG hat es verschlafen, nach der ersten Welle wirksame Indikatoren auszuarbeiten.» Er habe erwartet, dass Lehren aus der ersten Welle gezogen werden und es so gar nicht zu einer zweiten Welle gekommen wäre.

Beide verurteilen Gewalt

In einer Sache sind sich die beiden jedoch einig. Weitere geplante Ausschreitungen über Ostern würden sie aufs Schärfste verurteilen. Die Szenen am vergangenen Freitag seien aus einem Moment des Frusts entstanden, sagt Miotto. «Es sind auch viele dabei gewesen, die da reingeraten sind. Jetzt hingegen wird dazu aufgerufen, extra in die Innenstadt zu gehen, um den falschen Leuten die Fenster einzuschlagen.» Mäder sieht es ähnlich: «Es geht darum, pauschal Krawalle zu machen. Gewalt hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen.»