Zum Treffen der Wikipedia-Autoren in St.Gallen: Kurioses und Witziges im grössten Online-Lexikon

Über das Wochenende treffen sich rund 300 ehrenamtliche Wikipedia-Autoren in St.Gallen. Die «Wikipedianer» setzen sich ein für freies Wissen. In der 2001 gegründeten Online-Enzyklopädie sind durchaus auch amüsante Einträge zu finden.

Christa Kamm-Sager
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Das freie Online-Lexikon zählt 50 Millionen Einträge in 300 Sprachen und wächst jeden Tag weiter. Dafür sind ehrenamtliche Autoren weltweit besorgt. In der St.Galler Kantonsschule Burggraben treffen sich an diesem Wochenende 300 deutschsprachige Autorinnen und Autoren. Es ist das grösste Treffen von Wikipedia-Autoren, das es je in der Schweiz gegeben hat.

Wikipedia gibt es in über 300 Sprachen, darunter auch Exoten wie Plattdütsch, Rumantsch oder Fidji Hindi. Etwa 202'545 Wikipedia-Artikel sind in der Kunstsprache Esperanto erfasst und sogar in Klingonisch, der Sprache der Star-Trek-Filme, gibt es einige Einträge. Im weltweiten Gemeinschaftswerk von freien Autoren lassen sich aber nicht nur ernsthafte, sondern auch witzige und kuriose Einträge finden. Wir haben ein paar Müsterchen aus den rund 50 Millionen Einträgen herausgepickt:

Bielefeldverschwörung

Die Bielefeldverschwörung ist ein Dauerwitz, der seit 1994 kursiert. Die satirische Verschwörungstheorie behauptet, die Stadt Bielefeld existiere in Wirklichkeit gar nicht und werde lediglich überzeugend vorgetäuscht. Der Ursprung der Bielefeldverschwörung, über die es auch einen Film im Stile eines Agententhrillers gibt, ist auf eine Studentenparty zurückzuführen. Auf dieser Party im Jahr 1993 rutschte einem Informatikstudent der Satz «Das gibt’s doch gar nicht» heraus, als ihm jemand aus Bielefeld gegenüberstand. Daraufhin nahm die Geschichte ihren Lauf.

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Ein Hügel mit einem unaussprechlichen Namen. (Bild: Wikipedia)

Ein Hügel mit einem unaussprechlichen Namen. (Bild: Wikipedia)

Der unsägliche Name eines 305 Meter hohen Hügels in Neuseeland bedeutet «Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte.» Mit 85 Buchstaben ist es aber lediglich der zweitlängste Ortsnamen weltweit. Der zeremonielle Namen von Bangkok ist mit 165 Buchstaben noch etwa länger und lautet: «Krung Thep Maha Nakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Yutthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udom Ratchaniwet Maha Sathan Amon Phiman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit»

51. Bundesstaat

Die USA zählen 50 Bundesstaaten, doch Wikipedia hat auch einen Eintrag zum 51. Bundesstaat der USA. Kanada als Ganzes wird scherzeshalber oft der 51. Bundesstaat genannt. Aber auch Puerto Rico fällt unter die möglichen Kandidaten.

Frittierte Marsriegel

Mmmh, frittierte Marsriegel. (Bild: Wikipedia)

Mmmh, frittierte Marsriegel. (Bild: Wikipedia)

Als kulinarischer Höhenflug werden sie in Grossbritannien, Australien und in Teilen von Spanien angeboten: Frittierte Marsriegel. Die in Backteig getunkten und in Fett frittierten Schokoriegel - wahlweise sind auch andere Schokoriegel im Angebot - werden hauptsächlich in Fish'n Chips-Buden verkauft und werden in derselben Fritteuse gebacken, wie der Fisch.

Steakhouse-Syndrom

Das Steakhouse-Syndrom ist ein Krampf der Speiseröhrenperistaltik im oberen Bereich. Oft wird der Krampf durch grössere, unzerkaute Fleischstücke ausgelöst. Die Ursache ist unbekannt.

Haustier in der Mikrowelle

Die Geschichte über das Haustier in der Mikrowelle wird in den USA häufig genannt, wenn es um die Produktehaftung geht. In der modernen Sage trocknet eine Frau nach Regenspaziergängen ihr Haustier jeweils bei niedrigen Temperaturen im Backofen. Als sie ihren Ofen durch eine moderne Mikrowelle ersetzt und ihr nasses Tier wieder dort reinsteckt, explodiert es…

Bloop

Im Sommer 1997 wurde im Pazifischen Ozean ein Geräusch aufgenommen, dessen Herkunft bis heute unbekannt geblieben ist. Die Forscher nannten es Bloop und spekulierten, dass es am ehesten zu den Geräuschen eines Tieres passt. Allerdings ist kein Organismus bekannt, welcher ein Geräusch dieser Stärke und Reichweite produzieren kann. Auf Wikipedia kann das mysteriöse Bloop angehört werden.

Wikipedia statt Männerchor

Anders als gemeinhin behauptet sinkt das gesellschaftliche Engagement der Schweizerinnen und Schweizer nicht – nur die Form ändert sich. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer neuen Studie.
Michel Burtscher