Innerrhoder Behörden beschränken am Ostermontag Zufahrt zum Alpstein – allerdings nur für zwei Stunden

Trotz dringlicher Aufrufe des Bundesrats für eine wirksame Bekämpfung der Corona-Pandemie möglichst zu Hause zu bleiben, zog das schöne Wetter die Menschen ins Freie. Dies hatte Konsequenzen, der Zugang zum Alpstein wurde eingeschränkt. Die Massnahme bleibt bestehen.

Alessia Pagani
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Wandern im Alpstein trotz Corona – auch die Standeskommission rät davon ab. Und trifft jetzt Massnahmen.

Wandern im Alpstein trotz Corona – auch die Standeskommission rät davon ab. Und trifft jetzt Massnahmen.

Bild: Raphael Rohner

Auch über die Ostertage sind zahlreiche Wanderer in den Alpstein geströmt. Vor allem am Montag war der Andrang gross. Deshalb galt ab 14.30 Uhr: Die Zufahrt zum Alpstein wurde stark eingeschränkt.

«Wegen des grossen Zustroms von Touristen in Richtung Alpstein werden an verschiedenen Zufahrtsachsen Anhalteposten eingerichtet», schreibt die Kantonspolizei Innerrhoden in einer Medienmitteilung. «Es können nur noch jene in Richtung Alpstein fahren, die einen triftigen Grund zu dieser Fahrt haben.»

Vor allem in Steinegg wurden gemäss der Kantonspolizei viele anreisende Touristen zurückgewiesen. Diese Massnahme sei von den zurückgewiesenen Personen teils zähneknirschend zur Kenntnis genommen worden, schreibt sie in einer Mitteilung. 

Lange war der Zugang zum Alpstein jedoch nicht gesperrt. Um zirka 15.30 Uhr begann es in Wasserauen und Brülisau zu regnen und der Rückreiseverkehr setzte ein. Um 16.30 Uhr wurde die Zufahrtsbeschränkung bereits wieder aufgehoben. Zurück blieb gemäss den Behörden eine grosse Menge liegengelassener Abfall.

Kanton hat reagiert

Dass in Sachen Alpstein-Wanderer Massnahmen ergriffen werden, wurde vor ein paar Tagen bekannt.

«Im Alpstein sind uns vor allem an den Wochenenden immer wieder verschiedene grössere Menschenansammlungen aufgefallen», sagte der Innerrhoder Landammann Roland Inauen kurz vor dem Osterwochenende. Trotz des dringlichen Aufrufs des Bundesrates zu Hause zu bleiben, hätten viele Wanderinnen und Wanderer das schöne Frühlingswetter in den ersten Tagen des Aprils genutzt, um einen Ausflug in die Berge zu machen. Der Kanton reagierte deshalb. Um insbesondere am Osterwochenende Menschenansammlungen im Alpstein zu vermeiden, wurden deshalb die Massnahme der Beschränkung eingeführt und ab einem bestimmten Belegungsgrad der Parkplätze in Wasserauen und Brülisau der Zugang eingeschränkt. Die Zufahrtsbeschränkungen erfolgten durch die Feuerwehren unterstützt durch die Polizei.

 Die Massnahme galt ab Donnerstag. Zwar wurde die Zugangsbeschränkung am späteren Ostermontagnachmittag wieder aufgehoben, die Massnahme gilt aber bis auf weiteres. 

Roland Inauen bedauert einerseits die Massnahme, stellte allerdings deren Notwendigkeit in den Vordergrund. Inauen erklärt: 

«Wir wollen niemandem verbieten, in den Alpstein zu gehen. Aber ab einem gewissen Ausmass müssen die Besucherströme gesteuert werden.»

Durchfahrt nur noch mit triftigem Grund

Für die Überwachung der Parkplatznutzung waren gemäss Roland Inauen die Parkdienste zuständig. Ab Steinegg durften nur noch Autofahrer passieren, die für ihre Fahrt einen triftigen Grund vorweisen konnten. Der Landammann nannte als Beispiel die Fahrt zur Arbeit. Auch für Anwohner oder Ferienhausbesitzer bleibe der Zugang zum Alpstein gewährleistet. Nebst dem Aufruf des Bundes hat ein weiterer Überlegung bei der Massnahme mitgespielt – nämlich jene, dass die Restaurationsbetriebe geschlossen sind. «Die Wanderer können nicht einkehren und die ganze Infrastruktur mit WC’s stehen somit nicht zur Verfügung», so Roland Inauen.

Steuerung jener, die sich nicht an Regeln halten

Abgesehen von jenen in Brülisau und Wasserauen wurde auch der Parkplatz beim Jakobsbad, am Fusse des Kronbergs, überwacht. Das Ziel blieb das gleiche: Grosse Ansammlungen von Menschen sollen verhindert werden. Diese Notwendigkeit betont auch Sepp Manser in aller Deutlichkeit nochmals. Er ist Wanderwegverantwortlicher des Bezirks Schwende und regierender Hauptmann von Schwende, auf dessen Boden der Parkplatz Wasserauen liegt. Manser unterstützte den Entscheid des Kantons und sagt: 

«Es ist wichtig, dass die Beschlüsse des Bundesrates auch eingehalten werden.»

Niemand hätte Interesse daran, Touristen oder Wanderern den Zugang zum Alpstein zu verwehren. «Aber wir alle sind gefordert, die Massnahmen umzusetzen und einzuhalten.» Der Alpstein ist ein weitläufiges Gebiet. Zwar würden sich Wanderer und Touristen verteilen und sich selten im Weg stehen, aber: «Bei grossem Besucherandrang ist die Gefahr von Menschenansammlungen natürlich gegeben. Eine Steuerung von all jenen die sich nicht an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit halten, war deshalb notwendig.»

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