Zum ersten Mal ein Hooligan

Es hätte alles so schön sein können: Das eigene Nationalteam im Stadion anzufeuern und mitzuerleben, wie der 2:1-Sieg erkämpft wird. Doch müssen die Liechtensteiner schon vor dem Spiel etwas von der drohenden Niederlage ahnen. Argwöhnisch beäugen sie die ins Stadion strömenden Schweizer Fans.

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Es hätte alles so schön sein können: Das eigene Nationalteam im Stadion anzufeuern und mitzuerleben, wie der 2:1-Sieg erkämpft wird. Doch müssen die Liechtensteiner schon vor dem Spiel etwas von der drohenden Niederlage ahnen. Argwöhnisch beäugen sie die ins Stadion strömenden Schweizer Fans.

Kein Problem, denke ich. Schliesslich bin ich weder ein Hooligan, noch komme ich in übler Absicht. Und ein Ticket für einen tollen Platz in der dritten Reihe habe ich auch.

Doch mein selbstsicherer Gang ins Stadion wird jäh gestoppt. Neugierig spähen die Sicherheitskräfte in meine Kameratasche und winken dann ab, bevor sie demonstrativ die Arme verschränken. Mit Kamera habe hier niemand Zutritt, quetscht eine Damen zwischen den zusammengekniffenen Lippen hervor. Mein offensichtlich fragender Blick bewegt sie dann doch noch zu einer Erklärung: Ich könnte ja meine Kamera aufs Spielfeld schleudern und damit einen Liechtensteiner Spieler verletzen. Kurzes Räuspern. «Das ist mein Arbeitsgerät, das werfe ich sicher nicht umher», sage ich. Das hilf mit aber nichts. Die Dame an der Kasse, zu der mich die Security schickt, weiss auch nicht weiter. Akkredi-

tieren kann man sich nur für den Journalistenbereich, auf der Tribüne gibt es keine Kamera. Basta.

Und zum Akkreditieren ist es ohnehin zu spät, lässt der Liechtensteinische Fussballverband über Telefon ausrichten. Der Einwand, dass ich ja bereits ein – bezahltes – Ticket habe und einzig meine Kamera aus beruflichen Gründen mit ins Stadion soll, wird konsequent ignoriert. Die hilflos und überaus gereizt wirkende Kassierin behilft sich schliesslich mit einer Notlösung: Ich solle beim nächsten Schalter doch bitte ein Spezialticket lösen. Sagt es und wendet sich ab. Doch am Nebenschalter will man nichts davon wissen, die Kassierin ruft empört in die Runde: «Wer hat das Kameraproblem an mich abgeschoben?», und lässt mich ebenfalls stehen.

Die Gönner des FC Amriswil als meine Gastgeber müssen also ohne Foto von ihnen auf der Tribüne leben – und ich mit der Radioübertragung des Freundschaftsspiels. Und mit dem Gefühl, zum ersten Mal im Leben ein Hooligan zu sein.

Rita Kohn

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