«Zugverbindungen nach Italien zu streichen, hat keinen Sinn»: Bundesrat Alain Berset widerspricht der Thurgauer Nationalrätin Verena Herzog 

Gesundheitsminister Alain Berset hat am Montag im Nationalrat diverse Fragen zum Corona-Virus beantwortet. Die Thurgauer SVP-Parlamentarierin Verena Herzog hakte nach. 

Adrian Vögele aus Bern
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Bundesrat Alain Berset im Gespräch mit Journalisten am Montag im Bundeshaus.

Bundesrat Alain Berset im Gespräch mit Journalisten am Montag im Bundeshaus.

Anthony Anex / KEYSTONE

Virus hin oder her: Das Bundesparlament setzt die Frühjahrssession definitiv fort. Ein Antrag von SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi auf Unterbruch des Ratsbetriebs scheiterte am Montagnachmittag krachend. Nicht einmal die eigene Partei zog mit. 155 Nationalräte stimmten dagegen und nur 13 sagten Ja, bei 8 Enthaltungen.

Allerdings: In der folgenden Fragestunde blieb das Corona-Virus das Hauptthema. Gesundheitsminister Alain Berset beantwortete zusammenfassend einen ganzen Stapel an Fragen.

Verena Herzog, Thurgauer SVP-Nationalrätin

Verena Herzog, Thurgauer SVP-Nationalrätin

Gaetan Bally / KEYSTONE

Keine nähere Auskunft gab Berset zunächst zu den eingereichten Fragen von Verena Herzog. Die Thurgauer SVP-Parlamentarierin hatte etwa wissen wollen, ob «gefährliche Zugverbindungen» aus Italien besonders kontrolliert würden, und ob nicht eine gänzliche Sistierung gewisser Bahnlinien nötig sei.

Im Rat hakte Herzog nach und lieferte ein Beispiel: «Aus sicherer Quelle weiss ich, dass einer rund dreissigköpfigen indonesischen Reisegruppe der Rückflug von Mailand nach Singapur verwehrt blieb, weil ja die Singapore Airlines gar nicht mehr fliegt.» Diese Gruppe sei nun mit den SBB nach Zürich-Kloten gefahren und komme auch dort nicht weiter. Herzog fragte Berset direkt, welche möglichen Massnahmen er angesichts solcher Fälle veranlassen werde.  

Nicht die Grenzgänger brachten das Virus in die Schweiz

Bundesrat Berset antwortete, er halte es nicht für sinnvoll, Grenzen zu schliessen oder Zugverbindungen zu streichen. Die Schweiz habe ihre Lehren gezogen aus der Situation in jenen Ländern, die versucht hätten, die Grenzen zu blockieren. «Das Virus ist trotzdem dort angekommen.» Berset sagte weiter:

«Die ersten Fälle, die in die Schweiz gekommen sind, sind nicht von Flügen aus China gekommen.»

Es seien auch keine Grenzgänger aus Italien gewesen – sondern  Personen, die in der Schweiz wohnen und in einer Gegend waren, in der sie sich ansteckten. «Diese Personen können wir sowieso nicht im Ausland blockieren und nicht mehr reinlassen. Das würden wir nie tun.»

Hinzu komme, dass das Streichen von Bahnverbindungen gravierende Folgen für die betroffenen Regionen habe. Auch besondere Kontrollen in den Zügen hätten keinen Sinn, weil man nicht wisse, auf welche Personen man fokussieren müsste. Wichtig sei, die Reisenden gut zu informieren. «Von dem Moment an, in dem Symptome auftreten, muss sofort gehandelt werden.»

Schutzmaterial wird «mit Neulieferungen aufgestockt»

Herzog fragte auch nach den Reserven beim Schutzmaterial für das Gesundheitspersonal. Sie bezog sich auf Medienberichte, wonach die Sollbestände etwa für Atemschutzmasken und Handschuhe schon vor Jahren bei weitem nicht erfüllt gewesen seien. Und nun habe Deutschland die Ausfuhr von exakt solchem Material gestoppt.

Bundesrat Berset entgegnete, in den Pflichtlagern seien derzeit «ziemlich viele FFP2-Masken» für das Gesundheitspersonal verfügbar. «Die Bestände werden in nächster Zeit mittels Neulieferungen aufgestockt. Das geschieht in einer Situation, die im Moment nicht einfach ist.» Die Schweiz werde daraus Lehren für die Zukunft ziehen. 

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