Zugebissen und verscheucht

VÄTTIS. Auf der Alp Ramuz im Sarganserland hat der Wolf erneut ein Schaf gerissen. Zum Fressen blieb ihm keine Zeit: Die Schutzhunde griffen an. Laut dem Wildhüter wird der Wolf daraus lernen.

Adrian Vögele
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Wölfe lernen aus erfolglosen Angriffen auf Nutztierherden. (Bild: Urs Jaudas)

Wölfe lernen aus erfolglosen Angriffen auf Nutztierherden. (Bild: Urs Jaudas)

Zum zweitenmal innert kurzer Zeit hat sich der Wolf auf der Alp Ramuz im Sarganserland bemerkbar gemacht. Nach zwei Rissen Ende Juli – den ersten auf St. Galler Kantonsgebiet – hat er am vergangenen Wochenende dieselbe Herde erneut angegriffen. Ein Schaf kam zu Tode, wie der zuständige Wildhüter Rolf Wildhaber sagt. Doch der Herdenschutz – vier Hunde bewachen die knapp 400 Schafe – habe Wirkung gezeigt: «Bevor der Wolf weitere Tiere reissen oder von seiner Beute fressen konnte, griffen ihn die Schutzhunde an.»

«Wolf ist intelligent»

Ausgerissene Hundehaare lassen gemäss Wildhaber darauf schliessen, dass Wolf und Hund miteinander gekämpft haben. «Der Wolf wird daraus lernen», sagt Wildhaber. Das Raubtier sei intelligent. So lange eine Schafherde für den Wolf eine leichtere Beute darstelle als Wildtiere, die er nur durch anstrengendes Jagen erlegen könne, sei sie für ihn interessant. Doch entgegen landläufiger Märchen töte er nicht um des Tötens willen. «Wenn der Wolf merkt, dass er angegriffen und verjagt wird, bevor er von seiner Beute fressen kann, wird er die Herde meiden und anderswo Nahrung suchen», sagt der Wildhüter. Sich auf Kämpfe mit Hunden einzulassen, sei für den Wolf riskant. «Wenn er verletzt wird und nicht mehr jagen kann, kann das für ihn den Tod bedeuten.»

Der Herdenschutz auf der Alp Ramuz wurde nach den beiden Rissen Ende Juli verstärkt: Zu den beiden Schutzhunden, die seit längerem vor Ort sind, kamen zwei weitere hinzu.

Für die drei Risse sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die beiden Wölfe verantwortlich, die sich bereits seit vergangenem Jahr im Calanda-Gebiet aufhalten. Nach den ersten beiden Wolfsrissen wurde eine DNA-Analyse in Auftrag gegeben; die Resultate stehen noch aus. Möglicherweise können sie Aufschluss darüber geben, ob ein weibliches oder ein männliches Tier zugebissen hat.

Hartnäckige Gerüchte

Gerüchte, die besagen, dass es sich bei den beiden Tieren um ein Paar handelt, lassen sich laut Wildhaber bislang nicht bestätigen. Dennoch halten sie sich hartnäckig – auch in den Medien. «Südostschweiz» und «Tages-Anzeiger» publizierten jüngst ein Bild von einem Wolf, das ein Jäger im vergangenen Mai im Calanda-Gebiet geschossen haben soll. Das Tier habe einen dicken Bauch und scheine ein trächtiges Weibchen zu sein, so die These. Experten äusserten jedoch Zweifel: Es könne genauso gut sein, dass der Wolf gerade ein Beutetier verschlungen habe. Zudem lasse sich das Geschlecht allein anhand des Fotos nicht feststellen.