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ZÜRICH/ST.GALLEN: Sensation um St.Galler Globus

Ein neues Dokument liefert bahnbrechende Hinweise zur Entstehungsgeschichte des St.Galler Globus. Es landet über Zufälle in der Zentralbibliothek Zürich.
Jürg Ackermann/Bruno Knellwolf
Die Replik des St. Galler Erd- und Himmelsglobus während der Montage in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Die Replik des St. Galler Erd- und Himmelsglobus während der Montage in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

ZÜRICH. Die Geschichte tönt zu schön, um wahr zu sein. Und dennoch stimmt sie in allen Details – so unglaublich diese auch scheinen. Ein Koch aus Olten erwirbt vor rund 15 Jahren für ein paar Franken in einer Brockenstube der Heilsarmee eine Zeichnung, die er in seinem Büro aufhängt und auf der ein Globus abgebildet ist. Lange Zeit ist sich der Besitzer über die Bedeutung des Dokumentes nicht bewusst. Er hat es der Schönheit wegen gekauft. Nun stellt sich nach einer wissenschaftlichen Prüfung heraus, dass es sich beim Pergament um ein äusserst wertvolles Bild handelt, das den weltbekannten St. Galler Globus in seinem Originalzustand zeigt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist das Pergament kurz nach der Fertigstellung des Globus am Ende des 16. Jahrhunderts entstanden. Es entpuppt sich als wichtiger Puzzle-Stein, um eines der bedeutendsten historischen Objekte der Ostschweiz besser zu verstehen, das hauptsächlich für den langjährigen Kulturgüterstreit zwischen St. Gallen und Zürich verantwortlich war.

In Norddeutschland gebaut

Dank des Sensationsfundes, der vor zwei Wochen in einer internationalen kartographischen Zeitschrift vorgestellt wurde und den die Ostschweiz am Sonntag jetzt für die nichtwissenschaftliche Öffentlichkeit publik macht, muss die Geschichte des berühmten Globus zum Teil neu geschrieben werden. Das aufgetauchte Bilddokument erlaubt nicht nur einen neuen Blick auf den Erd- und Himmelskörper, dessen Original im Schweizer Landesmuseum und dessen Replik in der St. Galler Stiftsbibliothek steht. Es liefert auch bahnbrechende Hinweise zur Entstehungsgeschichte. So deutet vieles darauf hin, dass der Globus nicht wie bisher angenommen in Augsburg oder Konstanz, sondern in Norddeutschland hergestellt wurde. Jost Schmid, der Leiter der Kartensammlung der Zürcher Zentralbibliothek, sagt, es handle sich beim Fund um einen eigentlichen wissenschaftlichen Lottosechser.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 3. April.

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