Zürcher Seepolizei muss aushelfen

Seit Samstag wird ein Mann im Bodensee vermisst. Bei der Suche kommt heute ein Sonargerät zum Einsatz. Die Thurgauer Polizei verfügt aber nicht über ein solches Gerät. Sie muss es von der Seepolizei Zürich ausleihen.

Michel Burtscher
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Mit mehreren Booten wurde am Samstag vor Egnach nach dem vermissten Mann gesucht. Heute kommt ein Sonargerät zum Einsatz. (Bild: Leserbild: Oliver Schuster)

Mit mehreren Booten wurde am Samstag vor Egnach nach dem vermissten Mann gesucht. Heute kommt ein Sonargerät zum Einsatz. (Bild: Leserbild: Oliver Schuster)

EGNACH. Vom 50jährigen Familienvater, der am Samstag im Bodensee vor Egnach verschwunden ist, fehlt noch immer jede Spur. Gestern hat die Seepolizei Thurgau wieder Kontrollfahrten durchgeführt. Am Wochenende halfen auch Helikopter bei der Suche. Heute kommt ein anderes Hilfsgerät zum Einsatz: ein sogenanntes Sonargerät. Mit diesem soll der Seegrund an der Stelle abgesucht werden, an welcher der Mann zum letzten Mal gesehen wurde. Der See ist dort etwa 60 Meter tief. «Und damit zu tief für die Taucher», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Diese könnten mit normaler Ausrüstung nur bis zu einer Tiefe von 40 Metern tauchen. «An tieferen Stellen wirkt der Stickstoff giftiger und ist schädlich für den Körper. Ohne Spezialausrüstung ist das gefährlich.»

Erkennung mit Schall

Darum soll jetzt das Sonargerät – genauer: das Seitensicht-Sonargerät – zum Einsatz kommen. Da aber die Kantonspolizei Thurgau selber über kein solches verfügt, muss sie es von der Seepolizei des Kantons Zürich ausleihen. Bei der Suche werden heute auch zwei Spezialisten aus Zürich dabei sein, um das Sonargerät zu bedienen. Dessen Funktionsprinzip erinnert an die Echoortung von Fledermäusen. Es wird ein Gerät an einem Kabel ins Wasser hinabgelassen. Dieses sendet Schallwellen aus. Treffen diese auf dem Seegrund auf einen Widerstand, werden Echo-wellen zurückgeworfen. Ein Computer wertet die Daten dann aus und zeigt sie auf dem Bildschirm an. Gegenstände erscheinen als Schatten. «Man sieht nicht die genauen Umrisse, sondern einfach, dass da etwas ist», sagt Graf.

Nicht alle werden gefunden

Falls man heute mit dem Sonargerät etwas entdecken sollte, werde unter Umständen eine Unterwasserkamera eingesetzt, um den Fund zu bestätigen. Wie man den Mann dann an die Oberfläche holt, sei im Moment noch unklar, sagt Graf. Möglich sei der Einsatz von Tauchern mit Spezialausrüstung.

Wie viel der Einsatz des Geräts und der Spezialisten die Kantonspolizei kostet, kann Graf nicht sagen. «Die Kosten sind zweitrangig. Wir wollen den Mann finden.» Dass das passiert, ist aber trotz modernster Technik nicht sicher. Es gibt Leichen, die nie gefunden werden: Seit 1947 sind im Bodensee fast 100 Menschen verschwunden.

Mehr dazu auf www.tagblatt.ch/4289931

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