Zu Wucherpreisen ans OpenAir

ST. GALLEN. Das OpenAir St. Gallen ist ausverkauft. Auf Internetplattformen wie Ricardo werden bereits Tickets zu stark erhöhten Preisen angeboten. Die OpenAir-Leitung und Ricardo sehen kaum Möglichkeiten, den Online-Handel zu unterbinden.

Adrian Vögele
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Kaum sind die Vorverkaufsstellen geschlossen, blüht der Internet-Handel mit den Tickets für das OpenAir St. Gallen: So wurden beispielsweise gestern auf www.ricardo.ch Dreitages-Pässe zum Stückpreis von 399 Franken angeboten – der normale Vorverkaufspreis hatte 183 Franken betragen. Der Anbieter wollte nicht nur einen oder zwei dieser Pässe loswerden, sondern gleich acht Stück.

OpenAir-Gänger, insbesondere jene, die im offiziellen Vorverkauf leer ausgingen, sind verärgert. Auf der Facebook-Seite des Festivals machen sie ihrem Unmut Luft. Viele fordern, dass den Online-Händlern ein Riegel geschoben wird – zum Beispiel mit personalisierten Tickets.

Keine Personalisierung

Das OpenAir St. Gallen beobachtet den Markt und versucht, professionelle Händler ausfindig zu machen. «Es ist uns schon gelungen, Anbieter zu identifizieren und die entsprechenden Tickets zu stornieren», sagt Cyrill Stadler, Vizepräsident des OpenAir-Verwaltungsrats. Doch es sei sehr schwierig, rechtlich gegen den Tickethandel vorzugehen.

Dass das OpenAir das Publikum dem Schwarzmarkt ausliefert, davon will Stadler nichts wissen: «Unser Vorverkauf startete bereits im Oktober. Selbst als ein wichtiger Teil des Programms bereits bekannt war, dauerte es noch Wochen, bis wir ausverkauft waren. Zeit zum Kauf blieb also genug.»

Personalisierte Tickets hätten laut Stadler Nachteile – für Veranstalter und Besucher. «Oft kauft eine Person Tickets für eine ganze Gruppe von OpenAir-Gängern.» Sei dies nicht mehr möglich, würden voraussichtlich weniger Tickets verkauft und die Preise müssten angehoben werden. Aus demselben Grund will das OpenAir auch keine Maximal-Anzahl von Tickets pro Person einführen. «Personalisierte Tickets können sich nur jene Festivals leisten, die im Voraus sicher wissen, dass sie auf jeden Fall ausverkauft sein werden», sagt Stadler. Glastonbury in England sei eines der seltenen Beispiele.

«Kommt hinzu, dass am Eingang die Identität jedes OpenAir-Gängers überprüft werden müsste. Die Wartezeiten würden sich wohl deutlich verlängern.»

«Kein Schwarzmarkt»

Die Betreiber des Internetportals Ricardo sehen ebenfalls wenig Möglichkeiten, gegen den systematischen Verkauf von Tickets vorzugehen. «Dies ist kein Schwarzmarkt – der Handel mit Tickets ist legal», hält Mediensprecherin Barbara Zimmermann fest. Wolle man diesen verbieten, würde dies auch Tickets betreffen, die unter dem normalen Vorverkaufspreis verkauft würden – und solche von Personen, die eine Veranstaltung wider Erwarten nicht besuchen können. Nur ein kleiner Teil der Tickets auf Ricardo stamme von professionellen Händlern.

Laut Cyrill Stadler sind Verhandlungen mit den Betreibern der Online-Plattformen wenig aussichtsreich. «Sie verdienen am Tickethandel und haben kein Interesse, daran etwas zu ändern.»