Kommentar

Zu viele Ausweichmanöver

Knaben schneiden in der Thurgauer Volksschule deutlich schlechter ab als Mädchen. Bildungspolitiker im Grossen Rat verlangen zurecht vom Kanton, dass mehr unternommen wird.

Christian Kamm
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Christian Kamm.

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Urs Jaudas

Wenn im Grossen Rat über Schulthemen diskutiert wird, dann ist die Kakophonie vorprogrammiert. So wie beim Fussball, wo nicht nur jeder Experte, sondern darüber hinaus Nationaltrainer ist, so gibt es 130 Bildungsexpertinnen und -experten im Parlament. Schliesslich sind alle selbst zur Schule gegangen. Und bei vielen drückt auch der Nachwuchs die Schulbank.

Da bieten sich während einer Debatte dann nicht nur überraschende Einblicke in das Schulleben der einen oder anderen Parlamentarierfamilie. Bei wem alles wie von alleine läuft und wer eher zu kämpfen hat. (Wir wünschen übrigens allen viel Erfolg!) Sondern darüber hinaus werden aus dem selbst erlebten Einzelfall in schöner Regelmässigkeit allgemeingültige Einsichten entwickelt.

Für eine erfahrene Erziehungsdirektorin wie Monika Knill dürfte das unterdessen Routine sein. Und sie hat sich gegenüber individuellen Schulerlebnissen wohl ein dickes Fell zugelegt. Aber: Was zum auffälligen schulischen Misserfolg von Knaben von ihrer Seite gekommen ist, war eindeutig zu wenig. Wenn drei ausgewiesene Fachpolitiker sich darüber beklagen, dass sie der Kanton nicht ernst nimmt, dann hat auch die erfahrenste Regierungsrätin ein Problem. Erst recht, wenn die Kritiker Parteikollegen sind. Dann darf es keine schwammigen Ausweichmanöver mehr geben, sondern nur noch: Wir ändern erstens, zweitens, drittens.

Und ja: Dass Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern in beide Richtungen funktionierten sollte, das hätte man als Mann von einer Frau in dieser Debatte dann doch noch gerne gehört.

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