Zu Tisch: Kräftige Aromen aus dem Klosterbetrieb

Das Restaurant Mühle in der Kartause Ittingen lockt mit auf die Spitze getriebener Regionalität und Saisonalität. Auf den Teller kommen über 200 Produkte aus dem klostereigenen Gutsbetrieb.

Urs Bader
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Viele Produkte stammen wie diese Käselaibe aus dem Klosterbetrieb: Küchenchef Jürgen Stöckel (rechts) mit Käsereimeister Ruedi Tritten.

Viele Produkte stammen wie diese Käselaibe aus dem Klosterbetrieb: Küchenchef Jürgen Stöckel (rechts) mit Käsereimeister Ruedi Tritten.

Lucas Peters Photography

Ein Ausflug in die Kartause Ittingen lohnt sich auch im Herbst und Winter allemal. Sei es, dass man das Thurgauer Kunstmuseum besucht, in der historischen Klosterkirche mit der reichen Rokokodekoration verweilt – oder dass man sich im Restaurant Mühle den leiblichen Genüssen hingibt.

Die Kartause Ittingen im Herbstnebel.

Die Kartause Ittingen im Herbstnebel.

PD

Die «Mühle» ist das Reich von Küchenchef Jürgen Stöckel und seinem Team. Auf seiner Speisekarte fallen sofort die «0-Kilometer-Menus» ins Auge. Bitte? Das sind Gerichte, deren Zutaten alle vom klostereigenen, 100 Hektaren grossen Gutsbetrieb stammen. Die Produkte – insgesamt über 200 – finden direkt den Weg in die Küche oder werden von den hauseigenen Betrieben weiterverarbeitet, etwa von der Käserei, der Metzgerei oder im Weinkeller.

Geröstete Kartoffelsuppe, Federkohlchips und Kalbsspeck

Bei unserem Besuch entscheiden wir uns ausschliesslich für solche 0-Kilometer-Gerichte. Als Vorspeisen gibt es einerseits eine geröstete Kartoffelsuppe mit Mostbröcklistreifen, Sauerrahm und Federkohlchips (11.–), anderseits einen Nüsslisalat mit Birnenspalten, schwarzer Nuss und kleinem gebackenen Rebkäsli an Traubenkerndressing (14.–). Eine wunderbare, stimmige Ouvertüre – und so geht es auch weiter. Ein Hauptgang ist das Paillard vom Ittinger Ochs mit Apfel-Kartoffel-Tarte-Tatin, Röstzwiebeln, Kalbsspeckchips und Verjussauce (35.–, kleinere Portion).

Besonders angetan hat es uns die Tarte Tatin, die man so noch nie gegessen hat, aber auch das zarte Fleisch mit seinem kräftigen Aroma. Der andere Hauptgang ist der Pulled-Pork-Loop-Burger aus leicht geräuchertem Pulled Pork vom Ittinger Säuli, würzigem Hofkäse, Speck, Röstzwiebeln, süss-sauer eingelegter Wassermelone und Sauerrahm im hausgemachten Brötli (32.–, mit XL-Pommes frites oder Kabissalat 4.–). Auch dieses Gericht überzeugt durch die Vielfalt kräftiger Aromen. Die Teller sind schön angerichtet und werden von einem aufmerksamen Service aufgetragen.

Auf die Spitze getriebene Regionalität

Valentin Bot, als Hoteldirektor auch zuständig für die Gastronomie, stellt die 0-Kilometer-Menus in die Tradition der klösterlichen Selbstversorgung. In der Kartause habe man sich verpflichtet, den klösterlichen Werten in zeitgemässer Form nachzuleben. Für den Küchenchef sei diese auf die Spitze getriebene Regionalität und Saisonalität aber eine Herausforderung und mit Mehraufwand verbunden, etwa bei der Planung der Speisekarte. Das Konzept überzeugt und dessen Umsetzung auf dem Teller hat uns ausgezeichnet geschmeckt.

Adresse

Restaurant Mühle

Kartause Ittingen, 8532 Warth,
Tel. 052 748 44 11, www.kartause.ch
Täglich 8.30 bis 23 Uhr
Vorspeisen ab 8.–, Hauptgerichte ab 32.– (fleischlos ab 26.–), Wein ab 4.60/dl.