Zu null für die Bildung

Die Kantonsschule Sargans platzt aus allen Nähten. Das Landwirtschaftliche Zentrum in Salez hat zu wenig Platz. Mit einem Ja zu 82 Millionen am 28. September wäre die Raumnot beidenorts behoben. Von Christoph Zweili

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Im Kanton St. Gallen wird am 28. September über zwei Bauvorlagen abgestimmt. Beide waren im Parlament unbestritten und sind es auch bei den Parteien. Die 49,9 Millionen Franken teure Erweiterung der ersten st. gallischen Landmittelschule in Sargans – gegenüber einer ersten Vorlage von 2010 um zehn Millionen abgespeckt – hiess der Kantonsrat mit 114:0 Stimmen gut, den Neubau für das Landwirtschaftliche Zentrum Salez (32 Millionen) mit 113:0. Beide Bauten sollen 2018 fertig sein. Binsenwahrheit hin oder her: Es geht um mehr als um Investitionen in Beton und Holz – Bildung ist ein bedeutender Rohstoff für unsere Volkswirtschaft.

In die Jahre gekommen

Dem Bau der St. Galler Landmittelschulen gingen heftige politische Debatten voraus – auch in Sargans. Der Grund lag in einer heute kaum mehr nachvollziehbaren Auseinandersetzung zwischen konservativen und liberalen Kräften. Heute ist die 1963 eröffnete und auf 550 Schüler ausgelegte Kantonsschule längst etabliert und aus der Bildungslandschaft des Kantons nicht mehr wegzudenken.

In der 1969 und 1992 erweiterten Schule werden in über 30 Schulklassen rund 700 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Damit sind die Räume zu über 100 Prozent belegt. Aus heutiger Sicht ist die Schule demnach zu klein. Sie entspricht modernen Bedürfnissen nicht mehr. Es fehlt an Schul- und Gruppenräumen; Mensa, Küche und Aula müssen saniert, beziehungsweise vergrössert werden. Das Erweiterungs- und Sanierungsprojekt basiert auf steigenden Schüler-, beziehungsweise Klassenzahlen. Eine Totalsanierung der Schulhäuser käme nicht nur teuer zu stehen, sie bliebe stets Stückwerk. Daher wird der westliche Gebäudetrakt abgebrochen und durch einen dreistöckigen Neubau ersetzt. Im Nord- und Osttrakt sind nur kleine bauliche Eingriffe vorgesehen. Sargans ist heute Verkehrsknotenpunkt, regionales, kulturelles Zentrum und ein Bildungsstandort mit mehreren Schulen.

Ein Erweiterungsbau im Rahmen von 50 Millionen Franken ist daher zweifellos auch ein Wertschöpfungsfaktor für das Sarganserland und die Region Werdenberg. Die Kosten liegen im Rahmen vergleichbarer Projekte wie dem Neubau der Kantonsschule Wil oder der Sanierung und Erweiterung der Kantonsschule Heerbrugg.

Landwirte nur noch in Salez ausbilden

Auch wenn die Zahl der Betriebe jährlich abnimmt – im interkantonalen Vergleich belegt St. Gallen mit 3784 Landwirtschaftsbetrieben hinter Bern und Luzern noch immer den dritten Rang. Der Kanton St. Gallen hat eine grosse landwirtschaftliche Tradition. Dafür sprechen auch die Schülerzahlen: Noch immer schliessen jedes Jahr rund 100 Frauen und Männer ihre Ausbildung als Landwirtin oder Landwirt mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis ab. Aktuell werden über 300 Lernende unterrichtet – eine seit Jahren nicht mehr erreichte Höchstzahl. Sie alle kommen am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez nicht vorbei.

Ähnlich wie in Sargans sind hier ein Teilabbruch sowie ein zeitgemässer Holz-Neubau geplant, um mehr Platz zu schaffen. Das Raumprogramm sieht auch Schulräume für die Bäuerinnenausbildung vor, die mit der Umnutzung des Custerhofs in Rheineck verloren gegangen sind. Dafür wird ein Kredit von 32 Millionen Franken verlangt. Zwei ältere Gebäude der Schule werden abgerissen. Bestehen bleibt ein Erweiterungsbau aus den 1980er-Jahren, der als Verwaltungsgebäude genutzt wird. Als einzige Partei im Kanton kritisiert die EDU diese Pläne als «überrissen».

St. Gallen hat im Vergleich zu anderen Kantonen die Bildungsausgaben im landwirtschaftlichen Bereich in den vergangenen Jahren stark heruntergefahren: Seit 2004 wurden die beiden landwirtschaftlichen Ausbildungsstätten in Flawil und Rheineck geschlossen. Ein Ja an der Urne am 28. September ist daher ein Ja zur St. Galler Landwirtschaft und zu unserem Bildungssystem.

christoph.zweili@tagblatt.ch