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Zu Besuch an der Olma-Sonderschau «Dresscode - Schweizer Trachten» in der Halle 9.1.2: Die Goldhaube der St.Gallerinnen

Tracht ist nicht gleich Tracht: Die Sonderschau des Olma-Ehrengastes IG Volkskultur birgt Überraschendes.
Christoph Zweili, Dinah Hauser
Der Mann mit den Goldfäden: Pius Angehrn zeigt, wie er die Laméspitzen macht. (Bilder: Michel Canonica)

Der Mann mit den Goldfäden: Pius Angehrn zeigt, wie er die Laméspitzen macht. (Bilder: Michel Canonica)

«Es gibt keine Festtagstracht ohne Kopfbedeckung.» Pius Angehrn aus Speicherschwendi muss es wissen. Der Geschäftsführer der Migros Gastronomie Ostschweiz hat nicht nur die goldene Mitra des St. Galler Bischofs Markus Büchel gefertigt und dem höchsten katholischen Würdenträger im Kanton geschenkt. Er stellt auch die besonders aufwendige goldene Radhaube der St.Galler Festtagstracht her.

Es mag die Besucherinnen und Besucher in der Olmahalle 9.1.2 überraschen, dass ein Mann in der Sonderschau «Dresscode – Schweizer Trachten» dieses traditionelle Handwerk zeigt. Für den Präsidenten der Trachtengruppe St. Gallen spielt die Geschlechterfrage allerdings keine Rolle: «Sticker und Weber – das waren klare Männerberufe. Auch bei der Spitzenherstellung waren Männer am Werk.» Das Handwerk habe er sich einst von einer über 80-jährigen Frau zeigen lassen, «inzwischen habe ich 30 Jahre Übung mit meinem Hobby», erklärt er einer Besucherin in Werktagstracht. Mit ihr fachsimpelt er über die Schlingentechnik, mit der aus Goldfäden Laméspitzen gefertigt werden. 300 Stunden Handarbeit steckt Angehrn in die St. Galler Radhaube, die fertiggestellt für 3500 Franken zu kaufen sein wird.

Das Défilé der Trachten auf den alten Landipuppen lässt die Besucher staunen.

Das Défilé der Trachten auf den alten Landipuppen lässt die Besucher staunen.

Es ist der Zürcher Eventmanager Johannes Schmid-Kunz, der die vielen Facetten der Schweizer Volkskultur als Olma-Ehrengast in St.Gallen sichtbar macht. Die einen Trachten schlicht, andere aufwendig mit Stickereien verziert und pompösem Kopfschmuck: «Ihre Träger sind die einzige Sozialgruppe, die quasi massgeschneidert herumläuft.» Für Schmid-Kunz ist Tracht nicht gleich Tracht, «sie ist regional identifizierbar. Sie besteht aus hochwertigem Material und sie ist hochwertig verarbeitet». Auch Ursula Karbacher, Kuratorin der Olma-Sonderschau, kennt sich mit Volkstrachten aus. Die Hüte der Männer sind im Alltag verschwunden, erzählt sie. «Die Kopfbedeckung der Frauen stand für den gesellschaftlichen Stand der Trägerin.» Radhauben, wie sie Angehrn in der Ausstellung zeigt, seien nicht nur typisch st. gallisch, sondern im ganzen Bodenseeraum verbreitet.

Bild: Michel CanonicaBild: Michel Canonica
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22 Bilder

Sonderschau «Dresscode» an der Olma – die Schweizer Trachten des Ehrengastes «IG Schweizer Volkskultur»

Trachten-Defilée auf zwei Laufstegen

In der Sonderschau von Weitem sichtbar sind zwei grosse Wandbilder und von der Decke hängende Fahnen mit Trachten- und Blumenmotiven, mit Sujets der Volksmusik, des Volkstanzes sowie den Kantonswappen. Auf zwei Laufstegen werden historische und moderne Trachten aus der ganzen Schweiz gezeigt, pro Kanton eine bis zwei. Montiert sind sie auf den hölzernen Puppen der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich aus dem Jahr 1939 und modernen Mannequins. Dazwischen verstreut sind viel kleinere, historische Trachtenpuppen ausgestellt – auch sie zeigen aber Erwachsene, keine Kinder. Die Trachten an der Wand dürfen angefasst werden, um die Materialien zu spüren.

Der Trachtenboom geht auf die 1920er-Jahre zurück, als die Landwirtschaft in einer Krise steckte. Der Bauernverband erfand dannzumal quasi das «Festgewand für alle Lebenslagen» neu. Die Trachten aus dem 19. Jahrhundert waren unbequem, Frauen konnten sich teilweise kaum bücken. «Mit der Erneuerung wurden die Trachten auch bequemer», sagt Karbacher.

Berner Oberländer auf der Aktionsbühne

25 Jahre lang tanzt Ruth Burkhard mit ihrer Trachtengruppe Erlenbach im Simmental schon. Rund 20 Tänze gehören zum Standard-Repertoire der Berner Oberländer; sechs davon führen die Frauen und Männer auf der Aktionsbühne in der Olmahalle vor – in der Simmentaler Werktags- und der Sonntagstracht, der Gotthelf- und der aufwendigsten Tracht mit dem teuren Silberschmuck, der Berner Sonntagstracht. «6000 bis 8000 Franken muss man dafür hinlegen.»

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