#ziel10km Selbstversuch
Ruben ist zurück aus dem mediterranen Trainingslager +++ Sheila hat den Impf-Knockout überstanden

In viereinhalb Monaten zum 10-Kilometer-Lauf: Die «Tagblatt»-Community bereitet sich auf den Auffahrtslauf vor. Mittendrin die Redaktorin Sheila Eggmann und der Redaktor Ruben Schönenberger.

Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger Aktualisiert
Merken
Drucken
Teilen
Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger wollen bis zum 12. September fit sein für einen 10-Kilometer-Lauf.

Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger wollen bis zum 12. September fit sein für einen 10-Kilometer-Lauf.

Bild: Benjamin Manser
Montag, 21. Juni – Ruben

Unsere Profis haben geraten, uns mediterran zu ernähren und barfuss im Sand zu spazieren. Ich hab mir das zu Herzen genommen und bin für zwei Wochen nach Italien gereist, um beides zu machen (okay, es waren einfach ohnehin geplante Ferien mit meiner Freundin. Aber nicht weitersagen!).

Auch wenn ich während dieser Tage hier keine Updates verfasst habe, war ich nicht ganz untätig. Schliesslich kann man auch bei unseren südlichen Nachbarn super laufen gehen:

Gestartet ist unsere Reise in Venedig, wo noch nicht die üblichen Touristenströme durch die Gassen und über die Brücken ziehen. Unser Lauf führte an einem frühen Sonntagmorgen – noch nicht einmal die Souvenirstände waren bereit – an der Rialto-Brücke vorbei zum fast leeren Markusplatz und zurück.

Die Orientierung in Venedig mit seinen kleinen Gässchen und unzähligen Kanälen war nicht ganz einfach. Ein Problem, das sich in Bologna mit seinen Laubengängen sogar noch verstärkte.

Richtig schwierig wurde es dann aber in Rom. Hier kam zu den Orientierungsschwierigkeiten noch ein bereits am Morgen relativ starker Verkehr hinzu, der unseren Lauf etliche Male unterbrach. Dafür entschädigte die Kulisse. Meine Lateinmatura war mir seit dem Abschluss 2004 nicht mehr so nahe.

Nach einer Woche Kulturprogramm folgte eine Woche «dolce far niente». Im wunderschönen Küstenstädchen Tropea, am südlichen Ende Italiens, gönnten wir uns eine Woche Strandferien. Ohne aber das Training zu vernachlässigen. Der erste Lauf fiel noch etwas kurz aus. Die Läufe 2 und 3 waren dann etwas länger.

Montag, 14. Juni – Sheila

Ich muss etwas zugeben: Ich habe vergangene Woche nur einmal trainiert.😱 Zum ersten Mal seit Start der Challenge schaffte ich es nicht, unsere Wochenchallenge zu absolvieren. Dies, weil ich am Montag meine zweite Impfung erhielt und dann die nächsten Tage flach lag. Die Gazelle musste pausieren.

Ruben joggt durch Venedig.

Ruben joggt durch Venedig.

Bild: Ruben Schönenberger

Am Samstag plagte mich mein schlechtes Gewissen, weshalb ich eine kurze Runde joggte. Allerdings nur zwei Kilometer. Aber immerhin. Ich plane nun, den verpassten Lauf in dieser Woche nachzuholen. Nächste Woche steht mit dem Fünf-Kilometer-Lauf das nächste Zwischenziel an, das will ich unbedingt erreichen.

Ruben rennt derweil in Italien umher, wortwörtlich. Er ist in den Ferien und trainiert munter weiter. Er rannte schon durch Venedig, durch Bologna und durch Rom.

Donnerstag, 3. Juni – Sheila

Im Gegensatz zu Ruben bin ich lieber alleine unterwegs. Trotzdem war ich vergangenen Sonntag das erste Mal mit einer Freundin trainieren. Das war sogar meine Idee. Und es lief erstaunlich gut. Ich fühlte mich den ganzen Lauf über fit und hätte am Ende sogar noch weiterlaufen können. Vielleicht sollte ich das öfters machen.

Gestern wollte ich den Schwung mitnehmen und am Abend nochmals eine Runde joggen. Dabei erlebte ich meinen ersten richtigen Dämpfer. Es ging überhaupt nichts. Meine Beine fühlten sich schwer an und nach knapp einem Kilometer hatte ich bereits keine Lust mehr. Ich beschloss, die Tour dann doch fertig zu machen, allerdings im Gehen.

Donnerstag, 27. Mai – Ruben
Fabian Jucker erklärt, welcher Schuh bei welcher Fussstellung helfen kann.

Fabian Jucker erklärt, welcher Schuh bei welcher Fussstellung helfen kann.

Bild: Ruben Schönenberger (Münchwilen, 26. Mai 2021)

Wir waren gestern bei Chris Sports in Münchwilen, um uns mit dem Experten Fabian Jucker darüber zu unterhalten, worauf man bei einem Laufschuh achten kann. Die Münchwiler Firma ist Schweizer Generalimporteur von New Balance, der Ausrüstermarke des Auffahrtslaufs. Nun wissen wir: Sheila läuft nicht über die Fersen, sondern über den Mittelfuss. Das tönt so seltsam, wie es selten ist. Rund 95 Prozent aller Menschen treten zuerst mit den Fersen auf, sagt Jucker.

Dafür sind Sheilas Beine immerhin gerade. Ich hingegen habe offenbar leichte Senkfüsse und knicke darum eher etwas ein, weshalb mir stabilisierende Schuhe empfohlen werden. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Mehr dazu könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Mittwoch, 19. Mai – Ruben

Mein bisheriges, fast 35-jähriges Leben habe ich gänzlich ohne irgendeine Form von Abzeichen bestritten. Ein Seepferdchen hatte ich nie; Schwimmen ist seit jeher keine meiner Kernkompetenzen. Mein Sportlehrer in der Kantonsschule meinte im Schwimmunterricht einmal, dass man mich vermutlich nach relativ wenigen Metern aus dem Wasser rausfischen müsste. In der Pfadi war ich auch nicht, ebenso wenig wie im Militär oder der Feuerwehr oder wo es sonst noch überall Abzeichen gibt. Am nächsten kam ich einem Abzeichen, wenn mir meine Mutter einen Helikopter auf die Jeans bügelte.

Vielleicht verbringe ich darum jetzt viel zu viel Zeit damit, mir alle Challenges auf Strava anzuschauen, denen ich beitreten könnte. Denn: Viele davon versprechen ein Abzeichen, wenn man sie erfolgreich bestritten hat. Erfolgreich heisst manchmal eine gewisse Distanz pro Training, manchmal eine Gesamtdistanz pro Monat oder einfach eine bestimmte Zeit, die man trainiert.

Zwei solcher digitaler Seepferdchen-Substitute habe ich bereits, in fünf weiteren Herausforderungen versuche ich aktuell, das Ziel zu erreichen. Abzeichen gibt's aber leider nicht bei allen. Mich motiviert auch das blosse Anzeigen eines Fortschritts (das Gratis-Cookie für 100 Minuten Aktivität ist es natürlich nicht):

Wer nun auch Lust hat, sich ein paar Abzeichen zu verdienen oder sich durch grüne Balken motivieren zu lassen: Die aktuellen Herausforderungen findest du hier. Manchmal kann man dabei Rabatte oder ähnliches gewinnen. Ein Blick in die Teilnahmebedingungen lohnt sich, Preise gibt's oft nur für die Einwohnerinnen und Einwohner gewisser Länder. Wer noch etwas tiefer nach Herausforderungen graben möchte, sollte sich diese Seite anschauen.

Dienstag, 18. Mai – Sheila

Du bist jetzt also ein Lama, Ruben. Sehr schön. «Ein Königreich für ein Lama» war übrigens der erste Film, den ich im Kino geschaut habe. Da hat jetzt niemand danach gefragt. Kam mir trotzdem als erstes in den Sinn.

Das Lama ist ja der neue Delfin. Es ist schampar beliebt. Gut, hast du dieses Tier gewählt und keines, das in der Natur Gazellen jagt. Das hätte mir am Auffahrtslauf irgendwie ein schlechtes Gefühl gegeben.

PS: Bitte spucke beim Laufen nicht auf den Boden.

Donnerstag, 13. Mai – Ruben

Ein Lama, Sheila. Ich entscheide mich für die Metapher des Lamas. Das mag erstaunen, aber ich hab recherchiert! Ein Lama ist ausdauernd und zäh. Es läuft zwar langsam, aber weit. Überzeugt hat mich schliesslich folgende Passage aus einem Tierlexikon: «Wird einem Lama seine Bürde zu schwer, tritt es in Streik: Es legt sich hin und steht erst wieder auf, wenn seine Last verringert wird.»

Als Lama habe ich heute gleich mal einen neuen Rekord aufgestellt und bin sechs Kilometer am Stück gerannt. Das hat aber vermutlich nur geklappt, weil ich zum ersten Mal nicht alleine unterwegs war. Lamas sind nun mal Herdentiere.

Mittwoch, 12. Mai – Sheila

Ruben ist mir schon zwei Trainings voraus. Das passt mir natürlich gar nicht. Als Schönwetterläuferin habe ich in den letzten Tagen die Motivation nicht gefunden, mir die Laufschuhe zu schnüren. Heute werde ich mich aber mit meinen Ausreden zurückhalten und eine Runde drehen. Versprochen!

Vergangene Woche habe ich mit Mentaltrainerin Heidy Walser über Motivation vor und während des Trainings gesprochen. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen. Einen ihrer Tipps habe ich beim Lauf von letztem Freitag umgesetzt. Ich habe mir eine Metapher ausgedacht, die mir helfen soll, mich während eines Laufes leichter zu fühlen.

Darf ich vorstellen: Ich bin ab jetzt eine Gazelle. Genauer: Eine Gazelle mit geradem Rücken, damit ich gleichzeitig daran denke, meine Haltung zu korrigieren. Das rede ich mir zumindest während des Trainings ein.

Als Gazelle mit geradem Rücken habe ich den letzten Lauf tatsächlich besser absolviert als beim Training zuvor. Ich bin längere Strecken am Stück gelaufen und habe gleichzeitig mehr Spass daran gehabt. Ob das wirklich an der Metapher lag, ist schwer zu sagen. Ich werde das in den nächsten Trainings nochmals testen. Und welche Metapher denkst du dir aus, Ruben?

Donnerstag, 6. Mai – Ruben
Bei Regen läuft es sich viel angenehmer.

Bei Regen läuft es sich viel angenehmer.

Bild: Ruben Schönenberger

Endlich Regen! Nicht viele dürften das auch so sehen, aber ich mache seit jeher lieber bei Regen Sport. Bei schönem Wetter will ich in die Gartenbeiz sitzen und die Sonne geniessen. Oder meinetwegen wandern gehen. Und dann in die Beiz sitzen. Bei Regen ist Sport einfach viel angenehmer: Praktisch keine Leute und die Erfrischung gibt's gratis von oben.

Ich wollte heute aber nicht nur laufen gehen, weil es regnete. Ich wollte mir auch beweisen, dass man nicht 100 Prozent fit sein muss, um Sport zu treiben. Das gestrige Cupspiel inklusive nicht unbedingt erwarteter Qualifikation des FC St.Gallen für den Cupfinal hatte gewisse Spuren hinterlassen. Umso mehr nahm ich mir vor, es langsam anzugehen.

Das war richtig, wie sich herausstellen sollte. Zum ersten Mal brauchte ich keine (Geh-)Pause, obwohl ich sogar etwas weiter rannte als in den ersten beiden Trainings. Das langsame Rennen scheint mir besser zu behagen. Der erste Kilometer war zwar deutlich langsamer als noch am Montag, dafür die folgenden etwas schneller. Vor allem konnte ich heute aber eine konstante Pace halten (abgesehen von den Strecken über Treppen, die bei nassen Holztritten auch abwärts eine Plage sind).

Montag, 3. Mai – Ruben

«Einmal ist keinmal», sagt der Volksmund. Also wollte ich möglichst bald das zweite Training in den Büchern haben. Auch um mir selber zu beweisen, dass das regelmässige Laufen jetzt dazu gehört. Also schnürte ich gleich heute Montag wieder die Schuhe.

So leicht komme ich kaum mehr zu persönlichen Bestzeiten.

So leicht komme ich kaum mehr zu persönlichen Bestzeiten.

Screenshot: Ruben Schönenberger

Beim zweiten Training schon von Fortschritten zu reden, wäre vermessen. Das schöne an diesem frühen Stadium ist aber: Persönliche Bestzeiten lassen sich einfach erzielen.

Ich bin aber vor allem froh, dass es ein paar Meter mehr in ein paar Minuten weniger wurden. Länge und insbesondere das Tempo sind mir zwar so früh noch ziemlich egal, aber der Motivation tut es trotzdem gut. Noch besser für die Motivation: Der zweite Haken im Trainingsplan ist gemacht.

Sonntag, 2. Mai – Sheila

Ich habe heute zum ersten Mal für die Challenge trainiert. Es war ernüchternd.

Ich war vor dem Lauf schon angeschlagen. Das liegt womöglich daran, dass ich einen Tag zuvor an einer Weiterbildung teilnahm. Mit einer lustigen Gruppe und gratis Wein. Letzteren gab's natürlich erst nach Feierabend.

Sheila beim ersten Training.

Sheila beim ersten Training.

Bild: Sheila Eggmann

Anyway. Ich laufe mit flauem Magen los. Nach einem Kilometer melden sich die Spaghetti, die ich kurz zuvor gegessen habe. Anfängerfehler. Ich lege eine erste Pause ein und gehe ein Stück. Kurz darauf treffe ich auf eine Frau, die mir breit grinsend entgegenjoggt und ich frage mich zum ersten Mal: Wie zum Geier kann man am Laufen so viel Spass haben? Falls ihr es wisst, sendet mir eine Mail.

Um mich kurz zu halten: Auch bei den nächsten zwei Kilometer wechsle ich mehrmals vom Laufen ins Gehen und wieder zurück und entscheide dann, umzukehren. Den Haken im Trainingsplan setzen zu können, war trotzdem schön.

Freitag, 30. April – Ruben

Die «Tagblatt»-Laufchallenge ist gestartet. Ab heute bereiten wir uns auf einen 10-Kilometer-Lauf vor.

Du willst auch so einen Trainingsplan? Hier gibt's das PDF.

Du willst auch so einen Trainingsplan? Hier gibt's das PDF.

Gif: Ruben Schönenberger

Ich habe mein erstes Training schon hinter mir. Gerannt bin ich im St.Galler Hagenbuchwald. Vor allem aus zwei Gründen: Ein Spaziergang bis dorthin reicht zum Aufwärmen (und Aufwärmen ist wichtig, sagt unser Trainer Patrik Wägeli). Und es hat am Freitagnachmittag so gut wie keine Leute. Auch wenn meine Teilnahme an diesem Selbstversuch anderes vermuten lassen könnte, bin ich nämlich gar nicht allzu exhibitionistisch veranlagt.

Ich laufe also los, fühle mich gut und denke bald: Das ist doch sicher schon mindestens der erste Kilometer. Ein Blick auf die Smartwatch ist ernüchternd. 0,6 Kilometer sind's erst. Nach dem ersten Kilometer muss ich einige Schritte gehen. Ich rede mir ein, dass es nur am steil aufsteigenden Weg durch den Wald liegt. Dieser war übrigens sowieso keine gute Idee. Ich drehe um und laufe die nächsten knapp zwei Kilometer mit Ausnahme einer kurzen Fotopause am Stück. Am Schluss reichts für knappe drei Kilometer in rund 24 Minuten:

Samstag, 16. April – Sheila

Meine Challenge beginnt ebenfalls bereits im Schuhladen. Laden 1: Sportabteilung im zweiten Stock. Ich laufe hoch, ein Verkäufer betrachtet meine Füsse und sendet mich aufgrund meiner kleinen Schuhgrösse umgehend wieder die Treppen runter in die Kinderabteilung. Zwischen quengelnden Kleinkindern, nervösen Eltern und Tom und Jerry im Fernseher ist mir die Lust vergangen.

Laden 2: Ich gehe direkt in die Kinderabteilung. Eine sehr nette Verkäuferin weist mich darauf hin, dass Kinderschuhe eine weniger gute Dämpfung haben als Schuhe für Erwachsene. Sie kann mir aber auch keine Schuhe für Erwachsene in meiner Grösse anbieten. Sie ist aber so nett und gibt mir Tipps zu Schuhen, die ich mir nach Hause bestellen kann. Gesagt, getan. Und siehe da, sie passen.

Samstag, 10. April – Ruben

Noch weiss fast niemand, was Sheila und ich uns demnächst antun. Einer hätte es erahnen können: Der Schuhverkäufer, der mich beim Unterfangen unterstützt hat, einen geeigneten Laufschuh zu erstehen. Und was für ein Unterfangen das war ...

Mit Schuhgrösse 48 war Schuhekaufen schon immer eher herausfordernd. Fussballschuhe kaufe ich seit geraumer Zeit während Ferien, meist in England. Zwar ist die Verfügbarkeit bei den Sortimenten, die ich üblicherweise kaufe, deutlich besser geworden. Doch bei Laufschuhen ist das offenbar noch nicht der Fall. Doch der junge Herr berät mich und bestellt danach zwei Schuhe zum Probieren. Einer davon sollte passen.