#ziel10km Selbstversuch
Sheila ist jetzt eine Gazelle, Ruben ein Lama +++ Lieber bei Regen +++ Noch fallen persönliche Bestzeiten leicht

In viereinhalb Monaten zum 10-Kilometer-Lauf: Die «Tagblatt»-Community bereitet sich auf den Auffahrtslauf vor. Mittendrin die Redaktorin Sheila Eggmann und der Redaktor Ruben Schönenberger.

Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger Aktualisiert
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Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger wollen bis zum 12. September fit sein für einen 10-Kilometer-Lauf.

Sheila Eggmann und Ruben Schönenberger wollen bis zum 12. September fit sein für einen 10-Kilometer-Lauf.

Bild: Benjamin Manser
Donnerstag, 13. Mai – Ruben

Ein Lama, Sheila. Ich entscheide mich für die Metapher des Lamas. Das mag erstaunen, aber ich hab recherchiert! Ein Lama ist ausdauernd und zäh. Es läuft zwar langsam, aber weit. Überzeugt hat mich schliesslich folgende Passage aus einem Tierlexikon: «Wird einem Lama seine Bürde zu schwer, tritt es in Streik: Es legt sich hin und steht erst wieder auf, wenn seine Last verringert wird.»

Als Lama habe ich heute gleich mal einen neuen Rekord aufgestellt und bin sechs Kilometer am Stück gerannt. Das hat aber vermutlich nur geklappt, weil ich zum ersten Mal nicht alleine unterwegs war. Lamas sind nun mal Herdentiere.

Mittwoch, 12. Mai – Sheila

Ruben ist mir schon zwei Trainings voraus. Das passt mir natürlich gar nicht. Als Schönwetterläuferin habe ich in den letzten Tagen die Motivation nicht gefunden, mir die Laufschuhe zu schnüren. Heute werde ich mich aber mit meinen Ausreden zurückhalten und eine Runde drehen. Versprochen!

Vergangene Woche habe ich mit Mentaltrainerin Heidy Walser über Motivation vor und während des Trainings gesprochen. Das Ergebnis könnt ihr hier nachlesen. Einen ihrer Tipps habe ich beim Lauf von letztem Freitag umgesetzt. Ich habe mir eine Metapher ausgedacht, die mir helfen soll, mich während eines Laufes leichter zu fühlen.

Darf ich vorstellen: Ich bin ab jetzt eine Gazelle. Genauer: Eine Gazelle mit geradem Rücken, damit ich gleichzeitig daran denke, meine Haltung zu korrigieren. Das rede ich mir zumindest während des Trainings ein.

Als Gazelle mit geradem Rücken habe ich den letzten Lauf tatsächlich besser absolviert als beim Training zuvor. Ich bin längere Strecken am Stück gelaufen und habe gleichzeitig mehr Spass daran gehabt. Ob das wirklich an der Metapher lag, ist schwer zu sagen. Ich werde das in den nächsten Trainings nochmals testen. Und welche Metapher denkst du dir aus, Ruben?

Donnerstag, 6. Mai – Ruben
Bei Regen läuft es sich viel angenehmer.

Bei Regen läuft es sich viel angenehmer.

Bild: Ruben Schönenberger

Endlich Regen! Nicht viele dürften das auch so sehen, aber ich mache seit jeher lieber bei Regen Sport. Bei schönem Wetter will ich in die Gartenbeiz sitzen und die Sonne geniessen. Oder meinetwegen wandern gehen. Und dann in die Beiz sitzen. Bei Regen ist Sport einfach viel angenehmer: Praktisch keine Leute und die Erfrischung gibt's gratis von oben.

Ich wollte heute aber nicht nur laufen gehen, weil es regnete. Ich wollte mir auch beweisen, dass man nicht 100 Prozent fit sein muss, um Sport zu treiben. Das gestrige Cupspiel inklusive nicht unbedingt erwarteter Qualifikation des FC St.Gallen für den Cupfinal hatte gewisse Spuren hinterlassen. Umso mehr nahm ich mir vor, es langsam anzugehen.

Das war richtig, wie sich herausstellen sollte. Zum ersten Mal brauchte ich keine (Geh-)Pause, obwohl ich sogar etwas weiter rannte als in den ersten beiden Trainings. Das langsame Rennen scheint mir besser zu behagen. Der erste Kilometer war zwar deutlich langsamer als noch am Montag, dafür die folgenden etwas schneller. Vor allem konnte ich heute aber eine konstante Pace halten (abgesehen von den Strecken über Treppen, die bei nassen Holztritten auch abwärts eine Plage sind).

Montag, 3. Mai – Ruben

«Einmal ist keinmal», sagt der Volksmund. Also wollte ich möglichst bald das zweite Training in den Büchern haben. Auch um mir selber zu beweisen, dass das regelmässige Laufen jetzt dazu gehört. Also schnürte ich gleich heute Montag wieder die Schuhe.

So leicht komme ich kaum mehr zu persönlichen Bestzeiten.

So leicht komme ich kaum mehr zu persönlichen Bestzeiten.

Screenshot: Ruben Schönenberger

Beim zweiten Training schon von Fortschritten zu reden, wäre vermessen. Das schöne an diesem frühen Stadium ist aber: Persönliche Bestzeiten lassen sich einfach erzielen.

Ich bin aber vor allem froh, dass es ein paar Meter mehr in ein paar Minuten weniger wurden. Länge und insbesondere das Tempo sind mir zwar so früh noch ziemlich egal, aber der Motivation tut es trotzdem gut. Noch besser für die Motivation: Der zweite Haken im Trainingsplan ist gemacht.

Sonntag, 2. Mai – Sheila

Ich habe heute zum ersten Mal für die Challenge trainiert. Es war ernüchternd.

Ich war vor dem Lauf schon angeschlagen. Das liegt womöglich daran, dass ich einen Tag zuvor an einer Weiterbildung teilnahm. Mit einer lustigen Gruppe und gratis Wein. Letzteren gab's natürlich erst nach Feierabend.

Sheila beim ersten Training.

Sheila beim ersten Training.

Bild: Sheila Eggmann

Anyway. Ich laufe mit flauem Magen los. Nach einem Kilometer melden sich die Spaghetti, die ich kurz zuvor gegessen habe. Anfängerfehler. Ich lege eine erste Pause ein und gehe ein Stück. Kurz darauf treffe ich auf eine Frau, die mir breit grinsend entgegenjoggt und ich frage mich zum ersten Mal: Wie zum Geier kann man am Laufen so viel Spass haben? Falls ihr es wisst, sendet mir eine Mail.

Um mich kurz zu halten: Auch bei den nächsten zwei Kilometer wechsle ich mehrmals vom Laufen ins Gehen und wieder zurück und entscheide dann, umzukehren. Den Haken im Trainingsplan setzen zu können, war trotzdem schön.

Freitag, 30. April – Ruben

Die «Tagblatt»-Laufchallenge ist gestartet. Ab heute bereiten wir uns auf einen 10-Kilometer-Lauf vor.

Du willst auch so einen Trainingsplan? Hier gibt's das PDF.

Du willst auch so einen Trainingsplan? Hier gibt's das PDF.

Gif: Ruben Schönenberger

Ich habe mein erstes Training schon hinter mir. Gerannt bin ich im St.Galler Hagenbuchwald. Vor allem aus zwei Gründen: Ein Spaziergang bis dorthin reicht zum Aufwärmen (und Aufwärmen ist wichtig, sagt unser Trainer Patrik Wägeli). Und es hat am Freitagnachmittag so gut wie keine Leute. Auch wenn meine Teilnahme an diesem Selbstversuch anderes vermuten lassen könnte, bin ich nämlich gar nicht allzu exhibitionistisch veranlagt.

Ich laufe also los, fühle mich gut und denke bald: Das ist doch sicher schon mindestens der erste Kilometer. Ein Blick auf die Smartwatch ist ernüchternd. 0,6 Kilometer sind's erst. Nach dem ersten Kilometer muss ich einige Schritte gehen. Ich rede mir ein, dass es nur am steil aufsteigenden Weg durch den Wald liegt. Dieser war übrigens sowieso keine gute Idee. Ich drehe um und laufe die nächsten knapp zwei Kilometer mit Ausnahme einer kurzen Fotopause am Stück. Am Schluss reichts für knappe drei Kilometer in rund 24 Minuten:

Samstag, 16. April – Sheila

Meine Challenge beginnt ebenfalls bereits im Schuhladen. Laden 1: Sportabteilung im zweiten Stock. Ich laufe hoch, ein Verkäufer betrachtet meine Füsse und sendet mich aufgrund meiner kleinen Schuhgrösse umgehend wieder die Treppen runter in die Kinderabteilung. Zwischen quengelnden Kleinkindern, nervösen Eltern und Tom und Jerry im Fernseher ist mir die Lust vergangen.

Laden 2: Ich gehe direkt in die Kinderabteilung. Eine sehr nette Verkäuferin weist mich darauf hin, dass Kinderschuhe eine weniger gute Dämpfung haben als Schuhe für Erwachsene. Sie kann mir aber auch keine Schuhe für Erwachsene in meiner Grösse anbieten. Sie ist aber so nett und gibt mir Tipps zu Schuhen, die ich mir nach Hause bestellen kann. Gesagt, getan. Und siehe da, sie passen.

Samstag, 10. April – Ruben

Noch weiss fast niemand, was Sheila und ich uns demnächst antun. Einer hätte es erahnen können: Der Schuhverkäufer, der mich beim Unterfangen unterstützt hat, einen geeigneten Laufschuh zu erstehen. Und was für ein Unterfangen das war ...

Mit Schuhgrösse 48 war Schuhekaufen schon immer eher herausfordernd. Fussballschuhe kaufe ich seit geraumer Zeit während Ferien, meist in England. Zwar ist die Verfügbarkeit bei den Sortimenten, die ich üblicherweise kaufe, deutlich besser geworden. Doch bei Laufschuhen ist das offenbar noch nicht der Fall. Doch der junge Herr berät mich und bestellt danach zwei Schuhe zum Probieren. Einer davon sollte passen.