Zeugensuche auf Facebook

Nachdem eine 23jährige Frau im Restaurant Kränzlin in St. Gallen von zwei Männern angegriffen wurde, sucht ihr Freund auf Facebook nach Zeugen. Die Polizei sieht das nicht gern.

Janique Weder
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Das Gesicht der 23-Jährigen. (Bild: zVg)

Das Gesicht der 23-Jährigen. (Bild: zVg)

ST. GALLEN. Es hätte ein gelungener Abend werden können. Gerade eben hatte Severin B. noch als DJ an der «Miss Ostschweiz Afterparty» im Elephant Club in der St. Galler Innenstadt aufgelegt. Danach, um etwa 5 Uhr, entschied er sich gemeinsam mit seiner Freundin, ins nahegelegene Restaurant Kränzlin zu gehen, um etwas zu essen.

Als Schlampe beschimpft

«Ich stand an der Theke, um die Reste des Essens einpacken zu lassen», sagt Severin B. Währenddessen hätten sich zwei Männer zu seiner Freundin gesetzt. «Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht», sagt der 25jährige Rheintaler. Doch dann hätten die Männer Sprüche gerissen und seine Freundin als Schlampe bezeichnet. Diese liess sich das laut Severin B. nicht gefallen und setzte sich mit ihrer Handtasche zur Wehr.

Plötzlich hörte Severin B., immer noch an der Theke stehend, Schreie. «Dann ging alles ganz schnell», sagt er. Als er sich umdrehte, sah er, wie seine Freundin brutal zu Boden geschlagen wurde. Severin B. rannte den Männern hinterher. Doch die waren bereits geflüchtet.

Daraufhin meldete sich Severin B. bei der Polizei, wollte, dass eine Patrouille vorbeikommt. Doch man habe ihm gesagt, dass nichts zu machen sei. Severin B. solle mit seiner Freundin nach Hause gehen und sich zu Bürozeiten wieder melden, um Anzeige zu erstatten. «Das ist doch eine Frechheit», sagt der 25-Jährige. Nachdem der erste Schock verebbt war, fuhr Severin B. mit seiner Freundin in den Notfall. Die 23-Jährige wurde untersucht, musste sich einer Computertomographie unterziehen. Dann war klar: Einer der Männer hatte ihr das linke Jochbein sowie den oberen Kieferknochen gebrochen. «Vielleicht muss sie operiert werden», sagt Severin B. Genaueres wissen die Ärzte erst, wenn die Schwellung abklingt.

Rückmeldungen wegen Aufrufs

Inzwischen ist Severin B.s Freundin wieder zu Hause. Noch am Sonntag ging das Paar zur Polizei und erstattete Anzeige. Bereits am Sonntagmorgen hatte Severin B. auf Facebook einen Zeugenaufruf gestartet. Darin erklärt er, was passiert war, und beschreibt die Täter: Beide schätzt er zwischen 17 und 22 Jahre. Der eine habe eine schwarze Jacke getragen und sei etwa 1,70 Meter gross gewesen. Der andere, fünf Zentimeter grösser, habe eine grüne oder dunkle Jacke getragen.

Severin B. sagt, er wolle mit dem Aufruf nicht die Arbeit der Polizei behindern. Im Gegenteil: «Ich glaube, das Ganze damit etwas beschleunigen zu können.» Es hätten sich einige Zeugen gemeldet – mit teils wertvollen Informationen. Mehr wolle er im Moment nicht verraten.

Ermittlungen laufen

Bei der Kantonspolizei St. Gallen stösst Severin B.s Aufruf auf wenig Verständnis. «Fahndungsaufrufe sollte man Spezialisten überlassen, die wissen, wie sie damit umgehen müssen», sagt Sprecher Gian Andrea Rezzoli. Mit dem Aufruf könne Severin B. unter Umständen mehr schaden als helfen. «Zum Beispiel dann, wenn aufgrund der Beschreibung falsche Leute beschuldigt werden.»

Rezzoli erklärt auch, weshalb die Polizei in der Nacht nicht ausgerückt ist. «Da die Täter zum Zeitpunkt des Anrufs nicht mehr vor Ort waren, gab es für die Polizei nichts mehr abzuklären und keine Spuren zu sichern.» In solchen Fällen werde die Polizei erst aktiv, wenn eine Anzeige eingegangen sei. Rezzoli versichert: «Die Ermittlungen laufen.»

In diesem Restaurant wurde Severin B.s Freundin verprügelt. (Bild: David Gadze)

In diesem Restaurant wurde Severin B.s Freundin verprügelt. (Bild: David Gadze)

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