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«Zelten ist nicht mehr komfortabel genug»: Ansturm auf St.Galler Hotels während des Open Airs

Immer mehr Besucher des Open Air St.Gallen übernachten im Hotel anstatt auf dem Gelände. Zelten sei inzwischen vielen nicht mehr komfortabel genug.
Rosa Schmitz
Am meisten Zelte im Sittertobel gab’s 2008, am wenigsten 2018 – bis jetzt. (Bild: Benjamin Manser)

Am meisten Zelte im Sittertobel gab’s 2008, am wenigsten 2018 – bis jetzt. (Bild: Benjamin Manser)

Die Zeltstadt im Sittertobel, darauf ist das Open Air stolz. Es hat lange Tradition. Seit 1977 zelten Gäste auf dem Gelände des Musikfestivals. Die Zelt-Atmosphäre ist etwas, was in St.Gallen seit Anfang an als wichtiger Teil des Events gilt. Das Open Air ist, laut Veranstalter, das einzige grössere Festival in Europa, wo Gäste im gleichen Areal wie die Musikbühne zelten können.

Aber immer mehr Open-Air-Besucher übernachten lieber im Hotel. Zelten sei inzwischen vielen nicht mehr komfortabel genug, bestätigen die Veranstalter. Am Festival-Wochenende übernachteten 60 Prozent der insgesamt 27'000 Gäste im Sittertobel – die niedrigste Zahl seit der Jahrtausendwende.

Zum Vergleich: 2007 und 2009 waren es jeweils über 80 Prozent. 2008 bleibt mit 87 Prozent als Spitzenreiter ungeschlagen. Einen grösseren Knick gab es 2013, als es bei tiefen Temperaturen vier Tage lang regnete. Trotzdem campierten damals knapp über 70 Prozent auf dem Gelände.

Kein Zimmer mehr zu haben

Der Trend setzt sich in diesem Jahr fort. Das Hotel Einstein in der St.Galler Innenstadt ist zum Beispiel total ausgebucht. Michael Vogt, General Manager, sagt:

«Es gibt zunehmend Gäste, die vom Festival zu uns kommen. Sie wollen nicht im Zelt schlafen, wollen sich etwas Schöneres gönnen.»

Das Hotel registriert diese Entwicklung seit einigen Jahren. 2018 sei aber für sie das erste ausgebuchte Open-Air-Wochenende gewesen. «Wir bieten seit etwa drei Jahren ein besonderes Angebot für Open-Air-Besucher mit Übernachtung, Frühstück und kostenloser Schuhreinigung», sagt Vogt. Letzteres sollte bei der voraussichtlich trockenen Hitze dieses Jahr nicht so nötig sein.

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Ebenfalls voll ausgelastet ist das nah-gelegene Hotel Säntispark in Abtwil, das vor der Erweiterung vor knapp fünf Jahren vor allem Fernsehteams, Musikern und Festival-Arbeitskräften als Unterkunft diente. Graziella Micale, Stellvertretende Leiterin der Rezeption, sagt:

«Am Samstag des Open-Air-Wochenendes sind wir ganz ausgebucht und am Donnerstag und Freitag fast.»

Das Personal sei bereit, die Partygänger zu begrüssen: «Wir haben uns sowohl auf gutes als auch schlechtes Wetter vorbereitet.» Sollte es regnen, würden draussen Kübel mit Wasser und Handtücher stehen – um gegebenenfalls Stiefel zu säubern, damit der Schlamm nicht in die Zimmer getragen wird. Zudem verkaufte das Hotel zwei sogenannte «2-Tages-Pass-Packages». Inklusive: Übernachtung, Tickets und «Goodie-Bag». «Wir wollten etwas Besonderes anbieten», sagt Micale.

Ein Wochenende wie alle anderen

Auch im Hotel One66 im Westen St.Gallens ist kein Zimmer mehr zu haben. Besondere Vorbereitungen hätten sie aber nicht getroffen, sagt eine Rezeptionistin. Ähnlich sieht es im Hotel Eastside im Osten St.Gallens aus. «Alle Betten sind belegt», sagt eine Empfangsassistentin. Doch alles laufe wie sonst auch – «business as usual». Gäste seien Gäste. Sie checken ein, sie checken aus. Dazwischen sollen die Angestellten dieses Wochenende einfach schauen, dass nicht zu viel Schlamm in das Hotel gelangt.

«Deshalb stehen Pantoffeln am Eingang, die Gäste gegen Gummistiefel tauschen können.»

Sogar auf Airbnb sind 75 Prozent der Unterkünfte für einen Gast, 84 Prozent der Unterkünfte für zwei bis drei Gäste und 92 Prozent der Unterkünfte für vier Gäste in St.Gallen für die kommenden vier Tage bereits ausgebucht. Und diejenigen, die es nicht weit nach Hause haben, bleiben sowieso nicht auf dem Gelände, sagen die Veranstalter.

Jüngere Menschen gönnen sich immer mehr

Früher habe sich die Frage nach dem Übernachtungsort aufgrund der eingeschränkten Zugverbindungen gar nicht gestellt, sagte die ehemalige Open-Air-Mediensprecherin Sabine Bianchi letztes Jahr. Doch die Entwicklung sei nicht nur auf Verbesserungen im ÖV zurückzuführen. Als Grund führt sie das Wetter an. Und dass jüngere Menschen sich immer mehr gönnen und in einem Hotel oder zumindest in einem bequemen Bett schlafen wollten.

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