Zehn Jahre «Tala Mosika»: Eine Buchserin baut im Kongo ein Schulzentrum

Das Team von «Tala Mosika» hat mit Buchser Beteiligung im Kongo einiges verändert.

Katharina Rutz
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Dank dem Buchser Hilfswerk können über 330 Kinder in Selo zur Schule gehen.

Dank dem Buchser Hilfswerk können über 330 Kinder in Selo zur Schule gehen.

Bild: PD

Seit genau zehn Jahren setzt sich die Buchserin Claudia Doron mit viel Herzblut für ihr Hilfswerk «River of Hope» ein. In der Schweiz wurde es am 1. Februar 2010 als Verein gegründet. Die Gründung im Kongo war am 29. Mai des gleichen Jahres.

Heute umfasst das Hilfsprojekt ein ganzes Zentrum in Selo in der Nähe von Kinshasa. Es umfasst eine Krankenstation, eine Küche mit Speisesaal, Schulzimmer für Primar- und technische Oberstufe, die Unterkunft für Lehrer, ein Internat, einen Shop, eine Snackbar, ein Fifa-Fussballplatz, ein Agrikulturprogramm sowie eine Krankenkasse für die Mitarbeiter und später für die Dorfbewohner. Es trägt den Namen «Tala Mosika», was so viel heisst wie «schau voraus». Das Zentrum steht auf fünf Hektaren Land im Besitz des Vereins «River of Hope». Über 330 Schülerinnen und Schüler werden dort unterrichtet, die ersten fünf Schüler schliessen im Sommer mit der Matura ab. «Dies ist mein grösstes Geschenk», freut sich Claudia Doron.

Mit null Cent gestartet

Am Anfang hatte Claudia Doron nichts – kein Geld, keine Erfahrung mit Hilfsprojekten und keine grosse Organisation im Rücken. «Nur» ein Ziel: Sie wollte eine Schule bauen. Als junge Frau arbeitete Claudia Doron als Flugbegleiterin bei der Swissair. Das Unternehmen betrieb ein Hilfsprojekt in Kenia, wo eine Schule gebaut wurde. Als Claudia Doron mit der Swissair dieses Hilfsprojekt besuchte, wusste sie: «Ich möchte einmal eine Schule bauen.» Dieser Herzenswunsch geriet in den Hintergrund. «Die Karriere kam und die Kinder». Doch während einer Coaching-Ausbildung ist der Wunsch wieder an die Oberfläche geraten. Claudia Doron gründete mit ihrem Vater und ihrem damaligen Ehemann den Verein und «wartete» auf ein Projekt.

Die Fussballschule fand Claudia Doron

Ein neues Schulhausdach bei den Guyamie Indianern in Costa Rica war Claudia Dorons erstes Projekt. Anlässlich eines Flohmarkts im BZB, wo Claudia Doron ihre ersten 500 Franken an Hilfsgelder erwirtschaftete, kam eine in Buchs wohnhafte Kongolesin auf sie zu. Sie erzählte vom Fussballprojekt ihres Bruders in Kinshasa.

Im Mai 2010 flog Claudia Doron zum ersten mal mit 46 Kilogramm gespendetem Fussballmaterial in den Kongo. Wenig später verschiffte sie den ersten Container nach Kinshasa. Es war der erste von vier. Der letzte enthielt vor allem Solarpanels, damit das Zentrum auch mit eigenem Strom versorgt werden kann (der W&O berichtete). «Die nächste Steckdose ist 17 Kilometer von unserem Zentrum entfernt, deswegen müssen wir autonom funktionieren», erzählt sie.

Hilfe zur Selbsthilfe

Claudia Doron ist bei all ihren Projekten wichtig, dass die Motivation für die Veränderungen aus der Bevölkerung kommt. «Ich habe vor Ort ein ausgezeichnetes Team, alle helfen mit. Die Projekte funktionieren auch ohne mich», sagt Claudia Doron. So legen die verschiedenen Abteilungen teilweise selber Bericht für erhaltene Spendengelder an die jeweilige Organisation ab. Bei der Küche beispielsweise hat die Organisation Cuisine sans frontière einen Betrag gesprochen. Ihre Schützlinge würden heute nicht mehr «nur» mit Problemen zu ihr kommen, sondern gleich mit einer Lösung, freut sie sich.

Claudia Doron im Gespräch mit dem Dorfältesten.

Claudia Doron im Gespräch mit dem Dorfältesten.

Bild: PD

Geld war und ist eigentlich nie genügend für alle Projekte vorhanden. Daraus entstand auch Gutes. «Da wir kein Geld für eine automatische Ziegelsteinmaschine hatten, kauften wir sechs Giessformen. An jeder davon arbeitet nun jemand gegen Bezahlung. Wir konnten sechs Stellen schaffen», sagt sie.

Inzwischen sind die Schulen vom Staat und der örtlichen katholischen Diözese akkreditiert. In der Krankenstation sind bereits zwei Babys gesund auf die Welt gekommen und die Schwangerschaften bei Mädchen, die in «Tala Mosika» zur Schule gehen, sind verschwunden. Praktisch alle Kinder kommen zur Schule und viele durchlaufen das Programm. Hunderte von Akazien-, Mango- und Papayabäume wurden gepflanzt. Schulprojekte in Buchs sind entstanden, die Region bietet Unterstützung, etwa der Lions Club Werdenberg oder das NTB.

«Wie im wilden Westen»

Nur eine Sache hat Claudia Doron bisher bei ihrem Projekt enttäuscht. Ein ehemaliger kongolesischer Mitstreiter der ersten Stunde klagte sie mit gefälschten Papieren und mit der Unterstützung eines ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiters vor Gericht an, dass ihnen das Zentrum «Tala Mosika» gehöre. Die Schweizer Botschaft meinte: «Das ist ja wie im wilden Westen». Diese illegalen Machenschaften wurden vor Gericht zu Gunsten von Claudia Dorons Team geklärt, da sie alles belegen konnten. «Das Kongolesische Gericht, der Geheimdienst und die Schweizer Botschaft haben sich bei der ganzen Sache vorbildlich verhalten und bei meiner elften Rückkehr in die Schweiz im letzten Juni, wurde ich bis zum Flugzeug gebracht, die lokale Presse berichtete ebenfalls darüber», so Claudia Doron erleichtert.

«Das Projekt hat nun gewisse Dimensionen erreicht, an die niemand glaubte, das Ziel ist jetzt strategische Entscheidungen zu treffen, damit das Zentrum weiterwachsen kann», sagt sie. «Es braucht Schulzimmer, praktische Ausbildungsstätten für die technische Oberstufe mit Berufsabschluss». Die Arbeit geht Claudia Doron also noch lange nicht aus und jetzt, wo der Corona-Virus auch im Kongo ausgebrochen ist, steht die Aufklärung über das Virus im Vordergrund.