Zahl der Stellensuchenden im Kanton St.Gallen steigt um 30 Prozent – Kurzarbeit auf Rekordwert

Die Zahl der Stellensuchenden im Kanton St.Gallen hat gegenüber dem Vormonat um knapp 800 Personen zugenommen, im Vergleich zum Vorjahr sind es sogar 3'000. Für den Monat Mai wurde von etwa 9'000 Betrieben für rund 98'000 Mitarbeitende Kurzarbeit vorangemeldet.

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Im Kanton St.Gallen gibt es gegenüber dem Vorjahr 30 Prozent mehr Arbeitslose.

Im Kanton St.Gallen gibt es gegenüber dem Vorjahr 30 Prozent mehr Arbeitslose.

Keystone

(pd/red) Ende April 2020 waren im Kanton St.Gallen 12'666 Stellensuchende bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat, dem März 2020, sind das 800 Personen – 7 Prozent – mehr. Die Zunahme sei somit etwas abgebremst worden. Üblicherweise sinke in den Frühjahrsmonaten die Zahl der Stellensuchenden, wie es in einer Mitteilung des Amts für Wirtschaft und Arbeit heisst.

Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Stellensuchenden um rund 3'000 angestiegen, was einer Zunahme von über 30 Prozent entspricht. Dies ist vergleichbar mit dem Anstieg im Thurgau. Die beiden Kantone liegen nicht weit vom gesamtschweizerischen Mittel von 26 Prozent. In Appenzell Ausserrhoden liegt dieser Wert etwas tiefer, bei 20 Prozent.

Jüngere Stellensuchende am stärksten von Anstieg betroffen

Wie es im Communiqué weiter heisst, ist die Generation der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, die 15-24-Jährigen,  überdurchschnittlich vom Anstieg betroffen. Er beträgt im Vorjahresvergleich über 50 Prozent, bei den 25-49-Jährigen über 30, bei den 50-Jährigen und Älteren mehr als 20 Prozent. Diese Beobachtung zeigt sich bei jungen Fach- und Hilfskräften gleichermassen (jeweils rund 60 Prozent). Die Zunahme ist bei den Dienstleistungen (+60 Prozent) etwas höher als in der Industrie (plus rund 50 Prozent). Auffällig ist der Anstieg etwa in der metallverarbeitenden Industrie (+64 Prozent gegenüber +34 Prozent im Mittel), im Gastgewerbe (+176 Prozent gegenüber +57 Prozent) oder im Grosshandel (+91 Prozent gegenüber +16 Prozent). Dagegen sind die Unterschiede im Baugewerbe (+51 Prozent gegenüber +40 Prozent) oder im Detailhandel (+39 Prozent gegenüber +33 Prozent) zwar vorhanden, aber deutlich geringer.

Zunahmen in allen Wahlkreisen zwischen 20 und 50 Prozent

Unter den Wahlkreisen ist die Zunahme der Zahl der Stellensuchenden im Jahresvergleich am stärksten im Sarganserland mit genau 50 Prozent. Nahe bei 40 Prozent liegen das Rheintal und das Werdenberg sowie der Wahlkreis See-Gaster. Um das kantonale Mittel von 30 Prozent bewegen sich die Wahlkreise Rorschach und Wil. Darunter liegen die Wahlkreise St.Gallen und das Toggenburg.

Keine grossen Unterschiede zwischen Industrie und Dienstleistungen

In der Produktion und im verarbeitenden Gewerbe beträgt die Zunahme der Zahl der Stellensuchenden im Vorjahresvergleich rund 35 Prozent, bei den Dienstleistungen etwas über 30 Prozent. Zwischen den einzelnen Branchen zeigen sich jedoch grosse Unterschiede: So weisen der Maschinenbau und das Baugewerbe, aber auch der Bereich Elektrotechnik, Elektronik, Optik überdurchschnittliche Anstiege aus, während dieser im Fahrzeugbau unter dem Mittel liegt. Unter den Dienstleistungsbranchen ist das Gastgewerbe mit einem Anstieg von gegen 60 Prozent besonders betroffen. Ungefähr im Mittel des Sektors liegt der Detailhandel, darunter der Grosshandel und die Finanzdienstleistungen.

Anmeldung zur Kurzarbeit für fast ein Drittel der Beschäftigten

Die behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie haben in den vergangenen zwei Monaten zu einem zuvor nie beobachteten Anstieg der Voranmeldungen zur Kurzarbeit geführt. Für den Monat Mai hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit bei gegen 9'000 Betrieben und für rund 98'000 Mitarbeitende Kurzarbeit bewilligt (Stand: 30. April). Zum Vergleich: vor Jahresfrist betrug die Zahl der meldenden Betriebe zwölf mit etwas über 900 Mitarbeitenden.

Laut Mitteilung des Amts für Wirtschaft und Arbeit betreffen die Voranmeldungen schätzungsweise ein Drittel der Beschäftigten im Kanton St.Gallen. Der produzierende Sektor ist mit 38 Prozent stärker betroffen als die Dienstleistungen mit 32 Prozent. Unter den Industriebranchen ist etwa der Bereich Elektrotechnik, Elektronik, Optik mit fast sechzig Prozent der Beschäftigten stark vertreten. In der Textilindustrie, aber auch im Bereich Möbel und Reparatur von Maschinen sind es um die Hälfte. Unter den Dienstleistungsbranchen weisen die Automobilbranche, der Grosshandel, Gastgewerbe und Hotellerie, die freiberuflichen Dienstleistungen sowie der Bereich Kunst, Sport und Unterhaltung Voranmeldequoten von mehr als 50 Prozent auf. Viel geringer ist der Prozentsatz bei den Finanzdienstleistungen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Aus den Voranmeldungen zur Kurzarbeit lassen sich gemäss Mitteilung nur teilweise Rückschlüsse auf die Höhe der ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigung ziehen. Diese Information ist erst mit einigen Monaten Verzögerung verfügbar, wenn die Abrechnungen vorliegen.

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