Kolumne
Zäune und Reglemente

ResTZucker: Dass zum Jubiläum der Firma «Zaunteam» die Spider Murphy Gang aufspielte, ist nichts als logisch.

David Angst
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David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

David Angst, Chefredaktor Thurgauer Zeitung.

Zäune sind eine nützliche Sache. Sie verhindern zum Beispiel, dass das Vieh die Weide verlässt. Oder sie schützen Gärten gegen unerwünschte Eindringlinge. Auch gegen das Eindringen von Menschen werden Zäune errichtet – etwa an der Grenze zwischen den USA und Mexico. Und ein unüberwindbarer Zaun, genannt «der Eiserne Vorhang», trennte einst Ost- und Westeuropa. Er sollte weniger illegale Einwanderer stoppen als vielmehr illegale Auswanderer. Dass am 30-Jahr-Jubiläum der Frauenfelder Firma «Zaunteam» die Spider Murphy Gang aufspielte, ist deshalb nichts als logisch. Schliesslich war sie einst die erste westdeutsche Rockband, welche den Sprung hinter den «Eisernen Vorhang» schaffte.

In Kreuzlingen kämpft derweil ein Initiativkomitee gegen den Bau eines Stadthauses, der vor drei Jahren per Volksabstimmung beschlossen worden war. Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist der Ausdruck höchster Zivilcourage. Das aufmerksame Komitee hat nämlich bemerkt, dass das Stadthaus mehr als doppelt so lang würde, als das Baureglement erlaubt. Die Initianten zeigen dem Volk nun schonungslos die Grenzen der direkten Demokratie auf. Sie verlangen vom Stadtrat einen Plan B für das Stadthausprojekt. Was sie noch nicht gesagt haben: Was denn ihr Plan B wäre, sollte das Stimmvolk ein zweites Mal gegen das gültige Baureglement verstossen.

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