Zähe Kirchenreform im Fürstentum

Seit der umstrittenen Errichtung des Erzbistums Vaduz im Jahr 1997 wird über eine Entflechtung von Kirche und Staat diskutiert. Weil die Verflechtung vor allem in den Gemeinden eng ist, suchen Erzbistum und Gemeinden nach akzeptablen Lösungen.

Günther Meier
Drucken
Teilen
Regierungsgebäude und Kirche in Vaduz. (Bild: Günther Meier)

Regierungsgebäude und Kirche in Vaduz. (Bild: Günther Meier)

VADUZ. Das Erzbistum Vaduz ist in das 18. Bestehensjahr eingetreten. Die Pläne, die bei der umstrittenen Gründung des Erzbistums 1997 für eine Trennung von Kirche und Staat geschmiedet wurden, wurden bisher nicht umgesetzt. Der Begriff «Trennung von Kirche und Staat» ist inzwischen von «Entflechtung» abgelöst worden, wobei es in erster Linie um die Aufteilung des Vermögens geht. Ende 2015 liess der Verein für eine offene Kirche verlauten, werde das Erzbistum die «Volljährigkeit» erlangen. Der dem Erzbistum kritisch und Erzbischof Wolfgang Haas eher ablehnend gegenüberstehende Verein forderte die Unterstützung der Reformvorhaben von Papst Franziskus und vor allem notwendige Änderungen in den Ortskirchen in Richtung einer echten Seelsorge.

Ein neuer Verfassungsartikel zu einer Neuregelung des Verhältnisses zwischen Staat und Religionsgemeinschaften (nicht nur der römisch-katholischen Kirche) war auf den 1. Januar 2014 geplant. Ein Jahr später ist noch nicht abzusehen, bis wann ein Konkordat zwischen Liechtenstein und dem Vatikan abgeschlossen werden kann.

Verhandlungen dauern an

Der Vertrag mit dem Heiligen Stuhl würde die Grundlage für die geplante Verfassungsänderung und das daran geknüpfte Gesetz über die Religionsgemeinschaften bilden. Im Entwurf liegt das Abkommen mit dem Vatikan zwar vor, doch die im Frühjahr 2013 geplante Unterzeichnung wurde kurzfristig aufgeschoben. Den Grund dafür bildete eine «Ausstiegsklausel», die zur Wahrung der Gemeindeautonomie in das Religionsgemeinschaftengesetz eingefügt wurde. Alle elf Gemeinden sind damit aufgerufen, eine eigenständige Entscheidung über die Regelung der Vermögensverhältnisse von Kirche und Gemeinde zu treffen. Laut einer Mitteilung der Regierung konnten die Verhandlungen bis jetzt in sieben Gemeinden abgeschlossen werden, in den anderen vier Gemeinden dauert die Vermögensneuregelung noch an.

Was diese Verhandlungen betrifft, macht es den Anschein, als ob das Erzbistum nicht unbedingt an einer raschen Erledigung der Vermögensentflechtung interessiert ist. Möglicherweise auch darum, weil die katholische Kirche laut Verfassung immer noch den Status als Staatskirche geniesst und an der Änderung dieser privilegierten Stellung wenig Interesse hat.

Offene Fragen

Auch in der Politik besteht nicht mehr der gleiche Enthusiasmus zur Entflechtung. Beispiel dafür ist der Vorstoss der grün-alternativen Freien Liste, eine sofortige Gleichbehandlung der anerkannten Religionsgemeinschaften herbeizuführen. Obwohl die Entflechtung in den Gemeinden nur schleppend vorangeht, wollte eine Mehrheit im Parlament keine Änderung der Strategie. Dreh- und Angelpunkt bleibt das Konkordat mit dem Heiligen Stuhl, das für den Verein für eine offene Kirche eine Quelle für neue Probleme im Erzbistum darstellt. Geklärt werden müssen die Nutzung der Kirchenräumlichkeiten, die Bestellung der Pfarrer in den Gemeinden und die Verwendung der Gelder aus der geplanten Mandatssteuer. Kritikpunkt, auch im Parlament, bildete die Personalpolitik von Erzbischof Wolfgang Haas. Nach vorliegenden Zahlen haben bisher 57 Pfarrer die Inkardination im Erzbistum Vaduz erhalten, wovon aber 30 im Ausland tätig sind. Im Parlament wurde deshalb die Frage gestellt, ob diese Eingliederung automatisch ein Aufenthaltsrecht in Liechtenstein umfasse oder ob diese Geistlichen ebenfalls der ansonsten recht restriktiven Zuwanderungspolitik Liechtensteins unterliegen.

Offen ist auch, ob die Beschlüsse der Gemeinderäte in den einzelnen Gemeinden und deren Zustimmung zur Entflechtung des Vermögens von Kirche und Gemeinde dem Referendum unterstellt werden können.