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«Yes, she can!» – So feierten Ostschweizer in Bern mit Karin Keller-Sutter

Karin Keller-Sutters leichtfüssiger Sprung in den Bundesrat liess gestern in Bern keinen Ostschweizer kalt, weder im Bundeshaus noch draussen auf dem Bundesplatz. In den freudigen Reaktionen schwang da und dort auch leise Wehmut mit.
Adrian Vögele, Bern
Im Sandwich zwischen Medien und Publikum: Karin Keller-Sutter nimmt nach der Wahl Gratulationen auf dem Bundesplatz entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

Im Sandwich zwischen Medien und Publikum: Karin Keller-Sutter nimmt nach der Wahl Gratulationen auf dem Bundesplatz entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

Wie ein kleiner elektrischer Schlag fegt die Nachricht an diesem kalten Wintermorgen über den Bundesplatz: Karin Keller-Sutter ist gewählt. Für die mitgereisten Ostschweizer wird damit aus Hoffnung urplötzlich Tatsache – endlich. «So, d’Guuge hole!», ruft einer von der Blasmusik Lenggenwil. «Habt ihr alle die Noten für das Wiler Lied?»

Bis die beiden neuen Bundesrätinnen Zeit haben für das Bad in der Menge, dauert es allerdings noch. Nach und nach versammeln sich mehrere hundert Fans und Schaulustige vor dem Bundeshaus. Das Stimmengewirr ist ungewohnt, St. Galler Dialekt plus Walliserdeutsch mit einer Prise Innerschweiz. Gegen Mittag dann der grosse Auftritt von Viola Amherd: Die neue CVP-Bundesrätin wird lautstark gefeiert, unzählige Walliser Fahnen sind zu sehen. Als wenig später Karin Keller-Sutter strahlend ins Freie tritt, ist der Applaus weniger ohrenbetäubend, eher wohltemperiert, aber nicht weniger herzlich. ­Typisch ostschweizerisch eben. Keller-Sutter wird auf Schritt und Tritt von Fernsehteams belagert, dennoch sucht sie den Kontakt zum Publikum an der Absperrung, schüttelt Hände, nimmt dankend Gratulationen entgegen. Die St. Galler «Fankurve» feuert ihre neue FDP-Magistratin an: «Karin, Karin, Karin!» Einer der lautesten ist Kantonsrat Jens Jäger, er trägt sogar ein eigens ­kreiertes T-Shirt mit der Aufschrift «Yes, she can!»­ – Obama lässt grüssen.

Rechsteiner: «Eine hervorragende Wahl»

Dass sie es kann, steht auch für Ostschweizer Bundesparlamentarier ausser Zweifel. Karin Keller-Sutter werde eine hervorragende Bundesrätin sein, sagt Paul Rechsteiner (SP/SG). «Wir haben im Ständerat extrem gut zusammen­gearbeitet. Nicht nur, wenn es um St.Galler Anliegen ging.» Auch bei grossen Vorlagen für die Schweiz sei es gelungen, in der kleinen Kammer über die Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden. Der Bundesrat habe diesbezüglich Luft nach oben. Keller-Sutter bringe alle Voraussetzungen mit, um das zu verbessern. Auf die Frage, ob er die Wilerin im Ständerat vermissen werde, sagt Rechsteiner: «Alles hat seine Zeit. Ihr Platz ist jetzt im Bundesrat.»
Andrea Caroni (FDP/AR) stimmt zu: «Karin Keller-Sutter ist für dieses Amt wie geschaffen.» Das Wahlresultat sei sogar noch besser, als er zu hoffen gewagt habe. «Ich habe die eine oder andere Wette verloren.» Für die Ostschweiz könne Keller-Sutter sicher da und dort sachpolitische Akzente setzen, zum Beispiel bei Infrastrukturprojekten. «Der grosse Gewinn für die Region wird aber ihre öffentliche Präsenz als Ostschweizer Bundesrätin sein.»

Nationalrat Walter Müller (FDP/SG) betont, St. Gallen sei Teil einer sehr dynamischen, grenzübergreifenden Wirtschaftsregion. «Wir exportieren überdurchschnittlich viel.» Es sei für die Region und den Bund gleichermassen wichtig, dass die Ostschweiz wieder eine Stimme in der Landesregierung habe. Auch aus der SVP erhält Keller-Sutter am Wahltag Lob. «Sie ist sicher eine fähige Bundesrätin, die die bürgerliche Schweiz gut vertreten wird», sagt Roland Rino Büchel (SVP/SG). Der regionale Aspekt dürfe aber nicht überschätzt werden.

Alle drei Brüder waren mit dabei

Auf der Tribüne des Nationalratssaals mitgefiebert haben auch die drei Brüder von Karin Keller-Sutter. Er habe in der Nacht zuvor schlecht geschlafen, sagt Walter Sutter, der 13 Jahre älter ist als seine Schwester Karin. «Allerdings weiss ich nicht, ob es an der Wahl lag.» Er sei nämlich deutlich gelassener nach Bern gefahren als damals 2010, als seine Schwester erstmals für den Bundesrat kandidiert habe. «Damals konnte ich ihre Chancen nicht richtig einschätzen. Das war diesmal anders, sie galt ja schon früh als Favoritin.» An diesem Freudentag denke er auch an die verstorbenen Eltern: «Sie hätten einen riesigen Stolz auf ihre Tochter.» Dass sich nun in seinem persönlichen Verhältnis zu seiner Schwester viel ändern wird, glaubt Walter Sutter nicht. «Wir haben bereits heute nicht tagtäglich Kontakt.» Für ein gemeinsames Essen ab und zu werde es vor­aussichtlich auch in Zukunft reichen.

Zu den Unterstützern draussen auf dem Bundesplatz gehört auch Christoph Graf, Geschäftsführer der FDP Kanton St. Gallen. Er hat Keller-Sutter während der intensiven Wahlkampfwochen begleitet. «Eine einmalige Erfahrung.» Graf ist sehr glücklich über die Wahl – und doch schwingt auch etwas Wehmut mit, wenn er sagt: «Gestern Abend habe ich mit Karin Keller-Sutter noch ganz unkompliziert Nachrichten via Handy ausgetauscht. Das wird wohl künftig nicht mehr so leicht möglich sein.»

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