Interview

Klimaprofessor Rolf Wüstenhagen: «Es braucht einen Klimabonus»

Seit der Umstellung von der kostendeckenden Einspeisevergütung auf eine Einmalvergütung im Jahr 2015 wurden im Kanton St.Gallen pro Jahr zwischen 14 und 20 Prozent mehr Solaranlagen installiert. HSG-Energieexperte Rolf Wüstenhagen über das Wachstum der Solarenergie in der Ostschweiz.

Christoph Zweili
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Bei der installierten Solarleistung pro Kopf liegt die Schweiz in Europa immerhin auf Platz 7.

Bei der installierten Solarleistung pro Kopf liegt die Schweiz in Europa immerhin auf Platz 7.

Urs Jaudas
Rolf Wüstenhagen.

Rolf Wüstenhagen.

Bild: Daniel Ammann

Stimmt der Eindruck, dass die Solarenergie in der Schweiz ein Stiefmütterchen-Dasein fristet?

Rolf Wüstenhagen: Die Schweizerische Energiestiftung hat kürzlich verschiedene Länder rangiert und dabei Wind und Solarenergie zusammengezählt: Da war die Schweiz tatsächlich relativ weit hinten. Wenn man aber die Solarenergie allein anschaut, dann liegt die Schweiz in Europa bei der installierten Solarleistung pro Kopf immerhin auf Platz 7.

Woher kommt dann der Eindruck, dass die Solarenergie im öffentlichen Raum nicht präsent ist?

In anderen Ländern, etwa in Deutschland, werden Solaranlagen schon länger gefördert, daher sieht man dort auch grössere freistehende Anlagen auf dem Feld.

Freistehende Anlagen haben es in der Schweiz schwer. Muss man Landschaftsschutz gegen die Förderung von erneuerbaren Energien abwägen?

Es spricht überhaupt nichts dagegen, Lärmschutzwände an der Autobahn oder an der Eisenbahn für die Solarenergie zu nutzen. An der A13 bei Chur gibt es seit Jahrzehnten eine Anlage mit Solarpanels. Bestehende Flächen doppelt zu nutzen ist natürlich aus Sicht des Landschaftsschutzes sinnvoll, Freiflächenanlagen können unter bestimmten Bedingungen eine gute Ergänzung sein.

Was spricht gegen freistehende Anlagen?

Die Schweiz hat hohe Bodenpreise: Das macht es weniger attraktiv als in andern Ländern, grosse Anlagen zu bauen.

Wo steht die Ostschweiz bei der Solarenergie?

Es gibt durchaus Gebiete, wo man immer mehr Anlagen sieht. Zum Beispiel auf Bauernhof-Dächern im Appenzellerland.

Um einen Boom auszulösen, braucht es finanzielle Anreize: Wie sieht es bei den Förderinstrumenten aus?

Man könnte mehr machen: Die Fördermassnahmen wurden seit 2018 zurückgefahren.

Braucht es neue Ideen?

Der Staat müsste den Investoren wieder mehr Risiken abnehmen. Hier gäbe es durchaus Lösungsansätze – zum Beispiel einen Klimabonus auf die bestehende Hypothek. Mit diesem staatlichen Anreiz liesse sich ein finanzieller Engpass bei Investitionen in die Solarenergie beseitigen.