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Ständerats-Wahlkampf: Würth fischt im Teich der Grünen

Die Umweltverbände halten sich aus dem St.Galler Ständeratswahlkampf heraus – beinahe: Eine Empfehlung für Benedikt Würth aus den Reihen des WWF löst bei den Grünen Kopfschütteln aus.
Adrian Vögele
Ringen um Stimmen der umweltbewussten Wähler: Patrick Ziltener (Grüne) und Benedikt Würth (CVP). (Bilder: Urs Bucher, Michel Canonica)

Ringen um Stimmen der umweltbewussten Wähler: Patrick Ziltener (Grüne) und Benedikt Würth (CVP). (Bilder: Urs Bucher, Michel Canonica)

Er tritt an, um für den Klimaschutz zu kämpfen – doch dem grünen Ständeratskandidaten Patrick Ziltener weht ein steifer Wind entgegen. Die Grünliberalen und die SP-Frauen haben sich für Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP) ausgesprochen. Die SP verzichtet trotz Sympathien für Ziltener auf eine Wahlempfehlung. Aber zumindest in seinem Kerngebiet, dem Umweltbereich, müsste der Grüne doch Rückendeckung haben – könnte man meinen.

So ist es nicht. Die Umweltverbände WWF und Pro Natura mischen sich offiziell nicht in den Wahlkampf ein. Sie sind parteipolitisch neutral. Wahlempfehlungen seien die Ausnahme, sagt Lukas Indermaur, Geschäftsführer des WWF St.Gallen. Der Verband erstellt bisweilen Ranglisten als Information für die Wähler, auf welchen die Kandidaten aus umweltpolitischer Sicht bewertet werden. «Dieses Jahr sind wir aufgrund der knappen Kapazitäten nicht dazu gekommen, ein Ranking aufzugleisen», sagt Indermaur.

Ähnlich äussert sich Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St.Gallen-Appenzell: «Wir mussten Prioritäten setzen, da bei uns sehr viele Projekte in Bearbeitung sind und zudem ein Personalwechsel anstand.» Man habe leider keine Zeit, eine seriöse Befragung der Kandidatinnen und Kandidaten vorzubereiten und durchzuführen. «Ohne eine solche ist es uns aber nicht möglich, eine Wahlempfehlung abzugeben.» Klare Ansagen machten die Umweltverbände in der Vergangenheit etwa bei Stadtratswahlen in St.Gallen. So empfahlen sie im Jahr 2014 Peter Jans (SP) und drei Jahre später Sonja Lüthi (GLP).

«Als Regierungsrat hat er Wort gehalten»

Martin Zimmermann. (Bild: Michel Canonica)

Martin Zimmermann. (Bild: Michel Canonica)

Umso auffälliger ist vor diesem Hintergrund eine Äusserung von Martin Zimmermann. Er ist ein Ostschweizer WWF-Urgestein, leitete bis Anfang 2018 die Sektion St.Gallen und führt heute die Sektion Appenzell. In einem Leserbrief in unserer Zeitung spricht sich Zimmermann als «Projektleiter WWF» nicht etwa für Patrick Ziltener, sondern für Benedikt Würth aus. Der CVP-Kandidat werde sich im Ständerat für den Klimaschutz und ein griffiges CO₂-Gesetz einsetzen, schreibt Zimmermann. «Auch als Regierungsrat hat er Wort gehalten und manchem Umweltprojekt zur Realisierung verholfen.»

Auf Anfrage betont Zimmermann, dies sei seine persönliche Ansicht. «Benedikt Würth kenne ich, mit ihm habe ich gute Erfahrungen gemacht. Patrick Ziltener hingegen kenne ich nicht. Da entscheide ich mich als Stimmbürger für Würth.» Als Volkswirtschaftsdirektor habe sich dieser beispielsweise für das Konzept «Wald und Wild» ins Zeug gelegt und auch die Rückkehr der Wölfe in den Kanton gut begleitet. Bekannt ist überdies, dass Würth als Hobbyfischer auch privat einen Bezug zur Natur hat.

«Würth ist keine Alternative zu Ziltener»

Thomas Schwager. (Bild: Regina Kühne)

Thomas Schwager. (Bild: Regina Kühne)

Thomas Schwager, Präsident der Grünen, reagiert gelassen auf die fehlende Unterstützung der Umweltverbände. Als ehemaliger Geschäftsleiter des VCS St. Gallen-Appenzell wisse er, dass solche Empfehlungen wegen der parteipolitischen Neutralität der Verbände heikel seien. Eine Empfehlung müsse sauber ausgearbeitet werden – etwa indem der Verband den Kandidaten Fragebogen zu Umweltthemen unterbreite und die Antworten auswerte. Und: «Für welchen Kandidaten sich Martin Zimmermann ausspricht, ist seine Sache.» Er habe damit kein Problem, so Schwager. «Benedikt Würths Leistungen als Regierungsrat zu Gunsten der Umwelt sind mir aber in meinen bisherigen vier Jahren im Kantonsrat nicht besonders aufgefallen.» Zudem werde Benedikt Würth von der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell zur Wahl empfohlen, die sich bis jetzt nicht speziell in Umwelt- und Klimafragen hervorgetan habe. «Das mag ein Indiz sein, dass hier noch viel Luft nach oben besteht. Für die IHK und für Benedikt Würth.»

Meinrad Gschwend. (Bild: Max Tinner)

Meinrad Gschwend. (Bild: Max Tinner)

Meinrad Gschwend, der seit 1995 für die Grünen im St.Galler Kantonsparlament politisiert, sagt es noch deutlicher: «Aus umweltpolitischer Sicht ist Benedikt Würth keine wählbare Alternative zu Patrick Ziltener.» Würth habe unbestritten einen grossen Leistungsausweis. Er schaffe es, Gegner an einen Tisch zu bringen und Lösungen zu finden. Doch der CVP-Mann positioniere sich klar als Wirtschaftsvertreter – man dürfe nicht erwarten, dass Umweltthemen für ihn im Ständerat Priorität hätten. «Zwar bezeichnet er die Ablehnung des CO₂-Gesetzes im Nationalrat als Debakel. Aber das sagen inzwischen ja fast alle – damit lehnt er sich nicht zum Fenster hinaus.»

Gschwend ist nicht der Ansicht, dass der Kanton St.Gallen umweltpolitisch gut dasteht. So unternehme der Thurgau zum Beispiel deutlich mehr zur Förderung erneuerbarer Energien und des öffentlichen Verkehrs. St. Gallen sei demgegenüber der finanzielle Musterknabe, der jede Konfrontation scheue. «Und Benedikt Würth verkörpert dies von A bis Z.» An der «Pflästerlipolitik» des Bundes in Sachen Umwelt und Klima werde sich mit Würth nichts ändern.

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