WURFTECHNIK: Der Stein der Weiten

Nina Luginbühl ist eine sportliche junge Frau. Sie hält den Weltrekord im Steineschiefern und wurde letzte Woche in Schottland Weltmeisterin in dieser Disziplin.

Peter Exinger
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Die Thurgauerin Nina Luginbühl liebt das Steineschiefern bereits seit ihrer Kindheit. (Bild: Reto Martin)

Die Thurgauerin Nina Luginbühl liebt das Steineschiefern bereits seit ihrer Kindheit. (Bild: Reto Martin)

«Trainiert habe ich für diesen Weltmeistertitel also nicht gross», winkt die 21-jährige Nina Luginbühl ab. Die Auszeichnung errang sie am letzten Sonntag auf der Insel Easedale an der Westküste Schottlands. Disziplin: Steine schiefern. Luginbühl trainiert eigentlich schon jahrelang für eine ganz ­andere Sportart. Nämlich Kanu-Polo. «Das war mein viel grösserer Erfolg heuer», sagt sie, «der dritte Platz im August mit der Nati hinter Deutschland und Frankreich» bei der EM im französischen St-Omer. Bei dieser Sportart spielen fünf gegen fünf Kanutinnen. Wer mehr Tore schiesst, hat gewonnen. Im Nati-Kader sei sie seit 2010. Damals war sie 14 Jahre alt. Deswegen diese kräftigen Oberarme, deswegen die ausgeprägte Schulterpartie. Zum Ausgleich betreibe sie derzeit in den Wintermonaten vor allem Handball. Noch ein Sport mit würzigem Körperkontakt.

Aber wie kam es zum Weltmeistertitel im Steineschiefern? «Na, ich hab ja letztes Jahr den Weltrekord aufgestellt. In Ermatingen, bei der Schweizer Meisterschaft.» Wie weit ging der Wurf? 74 Meter. Sie hätte fünf Versuche gehabt. Auch dafür habe sie nicht trainieren müssen, sei eher zufällig an den Wett­bewerb gekommen. Und letztes Jahr sei sie ja bereits Vizeweltmeisterin gewesen. Weil die Wurfkraft habe sie ja.

Die Technik des Steineschieferns beherrsche sie schon seit ihrer Kindheit. «Mit der Familie waren wir oft am Bodensee oder der Thur, und mit Papa hab ich das schon immer gemacht.» ­Luginbühl sagt, sie habe eine «sportliche Kindheit» gehabt: Basketball, Schwimmen, Handball – sie habe einfach alles ausprobiert.

Ihr Freund ist Schweizer Meister

Beruflich muss sie kaum Körpereinsatz zeigen, sondern Einfühlungsvermögen und Geduld. Sie arbeitet als Klassenassistenz in der Oberstufe in der Schule Schloss Kefikon. «Bei uns gibt es jeden Tag eine Überraschung, langweilig wird einem nie.» Ihre Schüler benötigen mehr Aufmerksamkeit, sie versuche die Defizite mit den Kindern und ­Jugendlichen auszugleichen, sie vor­anzubringen. «Für weitere Hobbys bleibt da keine Zeit», sagt Luginbühl. Wer hat sie nach Schottland an die WM begleitet, mit dem Flieger über London nach Glasgow? «Mein Freund, Adrian Glesti.» Er ist übrigens regierender Schweizer Meister im Steineschiefern – mit 75 Metern.

Peter Exinger

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch