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Wildschweinbestände im Kanton
St.Gallen nehmen zu

Wildschweine vermehren sich im Kanton St. Gallen zwar noch nicht so stark wie im Thurgau. Doch auch hier ist ein Anstieg zu verzeichnen. Verantwortlich dafür sind zwei Entwicklungen.
Tim Frei
So entsteht Landschaden: Wildschweine pflügen den Boden um. (Bild: Fotolia)

So entsteht Landschaden: Wildschweine pflügen den Boden um. (Bild: Fotolia)

Im Kanton Thurgau ist die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seit längerem bekannt. Genaue Zahlen liegen nicht vor (siehe Kasten). Dafür gibt es Indikatoren, beispielsweise die Abschussquote: Anfang der 1990er-Jahre wurden noch rund 30 Wildschweine pro Jahr erlegt, 2015 waren es über 750. Die Bestände steigen nun auch im Kanton St. Gallen. Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten Jagdstatistik hervor. 2016 wurden 72 erschossen, ein Jahr später bereits 104. Das Wachstum verdeutlicht sich im Langzeitvergleich: 1993 wurde ein Wildschwein erlegt, 2005 waren es 27.

Anzahl geschossene Wildschweine

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Nebst der Abschussquote deutet ein weiterer Indikator auf ein Populationswachstum hin: die steigenden Zahlungen für Wildschäden, die durch Wildschweine verursacht werden. 2007 betrugen diese noch rund 400 Franken, 2017 fast 24000 Franken. «Gleichzeitig mit dem 2016 revidierten Jagdgesetz gab es auch eine Änderung in der Schadenabschätzung», sagt Dominik Thiel, Amtsleiter für Natur, Jagd und Fischerei beim Kanton St. Gallen. Seit April 2016 sind Entschädigungszahlungen bei Wildschäden ab 300 Franken fällig. Zuvor betrug die Bagatellschadensgrenze 400 Franken, und die Schäden waren nicht ­kumulierbar. «Deshalb ist der starke Anstieg der Wildschadenentschädigungen auch system­bedingt», so Thiel.

Wieslandschäden dominieren

Im Thurgau wurden im Jagdjahr 2016/17 für Wildschweinschäden Entschädigungen von fast einer halben Million Franken geleistet. Auch diesbezüglich ist dort die Lage also weiter vorangeschritten als im Kanton St. Gallen. «Das liegt daran, dass es dort viel flaches Gelände mit grossen potenziellen Schadflächen gibt.»

Die Übernahme der Schadenzahlungen ist unterschiedlich geregelt. Im Thurgau müssen die Jagdgesellschaften für 15 Prozent aufkommen, den Rest übernimmt der Kanton. In St. Gallen trägt der Kanton die Schadensumme komplett. «Er darf dafür bis zu 50000 Franken vom Pachtzins der Jagdgesellschaften verwenden», sagt Thiel. Bei den Schadensarten ist das Bild eindeutig: «Wieslandschäden dominieren ganz klar. Schäden im Mais und Weizen kommen viel seltener vor.» Auch im Thurgau überwiegen Wieslandschäden.

Zahlungen für Wildschweinschäden

in Tausend
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Die Vermehrung der Wildschweine mag im Kanton St. Gallen noch nicht auf dem Thurgauer Niveau sein. «Und sie wird es wegen der Topografie und der Lebensräume auch nie werden», so Thiel. Doch sie habe auch erst eingesetzt: «Wir befinden uns am Anfang einer Rückbesiedlung dieser Tierart.» Wie kam es dazu? Und was macht den Kanton St. Gallen ebenfalls attraktiv für Wildscheine?

«Wir befinden uns am Anfang einer Rückbesiedlung dieser Tierart.»

«Deren Populationswachstum hat vor 40 Jahren eingesetzt, und dies weltweit», schickt Thiel voraus. Verantwortlich dafür seien zwei Entwicklungen: die Klimaerwärmung und die Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft, also mehr Nahrung. Beides führe bei den Wildschweinen zu einer jährlichen Fortpflanzungsrate von 200 bis 300 Prozent bei den Wildschweinen – die mit Abstand höchste unter den Wildtieren.

Wildschweine wandern vermehrt in die Höhe

Auch die verstärkte Buchenmast hat das Nahrungsangebot verbessert: «Buchen und Eichen produzieren viel mehr ihrer energiereichen Nüsse als zuvor.» Durch die Klimaerwärmung haben sich die Lebensbedingungen der Tiere massiv verbessert: «Kalte Winter, denen jeweils viele Wildschweine zum Opfer fallen, werden immer seltener», sagt Thiel. Ausserdem gibt es in höheren Lagen ­immer weniger Permafrost und Schnee. Die Folge: «Weil Wildschweine so auch in den Bergen mit ihren Wühlnasen problemlos nach Nahrung graben können, wandern sie immer mehr in die Höhe.»

Zweites Schwerpunktgebiet: Werdenberg-Rheintal

Bisher häufte sich das Wildschweinvorkommen primär im Jagdgebiet Fürstenland. «Seit zwei bis drei Jahren stellen wir jedoch in der Region Werdenberg-Rheintal ein zweites Schwerpunktgebiet fest», so Dominik Thiel. Dort seien die Lebens­bedingungen für die Wildtiere ideal: «In Werdenberg erschwert das steile und felsige Gelände die Jagd auf Wildschweine. Und die Tallagen im Rheintal bieten sehr viel Nahrung.»

Für Thiel bewegt sich das Wildschweinwachstum im Kanton St. Gallen zwar noch auf tiefem Niveau. Doch die Schadensbeurteilung sei relativ: «Für einen einzelnen Bauer kann bereits ein kleiner Wieslandschaden schlimm sein. Ziel ist es deshalb, so viele Wildschweine wie möglich zu erlegen.»

Niemand kann sie zählen

Wildschweine sind nachtaktive Säugetiere, die zudem stark auf Umgebungsgeräusche reagieren. Dies erschwert einerseits die Jagd nach ihnen und anderseits sind sie kaum zu sehen. «Deshalb sind genaue Zählungen zu den Wildschweinbeständen praktisch unmöglich», sagt Dominik Thiel, Jagd- und Fischereiamtsleiter beim Kanton St. Gallen. Mit den zwei Indikatoren Abschussquote und Entschädigungszahlungen für Wildschäden könne jedoch abgeschätzt werden, ob der Bestand zu- oder abnehme. (tm)

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