Würth-Nachfolge im St.Galler Regierungsrat:  Rheintaler Störmanöver gegen Wiler Stadtpräsidentin

Die CVP-Parteileitung schlägt die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann für die St.Galler Regierung vor. Das passt nicht allen.   

Andri Rostetter
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Wer macht das Rennen? Susanne Hartmann und Thomas Ammann wollen für die CVP in den St.Galler Regierungsrat. (Bilder: Keystone)

Wer macht das Rennen? Susanne Hartmann und Thomas Ammann wollen für die CVP in den St.Galler Regierungsrat. (Bilder: Keystone)

Die Sache war zwar klar. Doch man wollte auf Nummer sicher gehen. Nur ja keine offiziellen Verlautbarungen, bevor der Ständeratssitz von Benedikt Würth im Trockenen ist. Am Sonntagnachmittag wartete die CVP deshalb bis zur Bekanntgabe des definitiven Resultats der Ständeratswahlen, bevor sie mit dem Namen herausrückte. Kurz nach 14 Uhr war es offiziell: Susanne Hartmann soll für die Partei den frei werdenden Sitz in der St. Galler Regierung verteidigen. Die Wiler Stadtpräsidentin sei «bestens qualifiziert» für das Amt, ihr Werdegang «wie massgeschneidert», frohlockte die Partei.

Hartmann hat die klassische Ochsentour hinter sich. Die 49-Jährige war zuerst Primarlehrerin, schlug dann eine juristische Laufbahn ein. Nach Studium und Anwaltspatent arbeitete sie bei der Baudirektion des Kantons Zürich. 1997 schaffte sie den Sprung ins Wiler Stadtparlament, 2013 wurde sie zur Stadtpräsidentin gewählt. Der Wahl vorangegangen war ein heftiger parteiinterner Streit. Offizieller CVP-Kandidat fürs Stadtpräsidium war eigentlich Kantonsrat Armin Eugster. Die damals 42-jährige Hartmann kandidierte gegen den Willen der Partei und gewann im zweiten Wahlgang prompt mit einem beachtlichen Vorsprung. Selbst die Gegner attestierten ihr danach aussergewöhnliche Fähigkeiten als Kommunikatorin und Wahlkämpferin.

«Wir wissen alle, was er geleistet hat»

Auf diese Talente wird sie nun erneut angewiesen sein. Gestern Nachmittag schlug die Rheintaler CVP-Regionalpartei in einem Communiqué Thomas Ammann als Kandidat für die Regierungsratswahlen vor. «Es ist anzunehmen, dass die CVP wiederum mit zwei Kandidaten ins Rennen steigen wird», mutmasst die Regionalpartei in ihrer Medienmitteilung. Mit Ammann stehe «ein erfahrener Politiker und Brückenbauer als Regierungsratskandidat zur Verfügung».

Ammann sass in den letzten vier Jahren im Nationalrat, verpasste aber im Oktober überraschend die Wiederwahl. Zuvor war er 16 Jahre Mitglied des Kantonsrates und 20 Jahre lang Gemeindepräsident von Rüthi. «Wir wissen alle, was er bisher geleistet hat und dass er absolut das Format eines Regierungsrats hat», lässt sich der Präsident der Rheintaler Regionalpartei, Sandro Hess, in der Medienmitteilung zitieren. Ammann hatte bei den eidgenössischen Wahlen zwar am zweitmeisten Stimmen aller St. Galler CVP-Kandidaten erzielt. Genützt hat es ihm nicht: Die Partei verlor ihren dritten Sitz. Und weil Ammanns Liste schlechter abschnitt, war er es, der über die Klinge springen musste.

Nach Suter sagte auch Scherrer ab

In der St. Galler Parteizentrale dürfte man über das Rheintaler Störmanöver wenig erfreut sein. In der offiziellen Stellungnahme von Sonntagnachmittag heisst es jedenfalls: «Die Parteileitung ist wie die Findungskommission der Überzeugung, dass der zweite CVP-Sitz in der Regierung mit einer Frau zu besetzen ist.» Die CVP-Spitze hatte darauf hingearbeitet, der Delegiertenversammlung vom kommenden Freitag mindestens ein weibliches Zweierticket unterbreiten zu können.

Auf diesem Ticket hätte auch der Name von Yvonne Suter stehen sollen. Die Kantonsrätin aus Rapperswil-Jona nahm sich aber aus dem Rennen. Bei der zweiten Frau, die ebenfalls auf der Wunschliste der Parteileitung stand, handelte es sich um die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. Auch sie zog sich zurück. «Es ergab für mich keinen Sinn, dass zwei Frauen aus dem gleichen Wahlkreis sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellen», begründet Scherrer auf Anfrage.

Die Parteileitung scheint aber mit weiteren Kandidaturen gerechnet zu haben. Im Communiqué heisst es jedenfalls: «Ob es bei einer Einerkandidatur bleiben wird, ist zurzeit jedoch noch offen. Denn es ist auf anderem Weg – beispielsweise über Regionalparteien oder eine Vereinigung – möglich, Kandidaturen vorzuschlagen.» Die CVP-Delegierten werden damit die Wahl zwischen einer Frau und einem Mann haben. Nur: Innerhalb der Partei ist Ammanns Stern seit seiner verpassten Wiederwahl am Sinken. Der 55-Jährige hatte zudem in den vergangenen Jahren mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. 2016 machte er pu­blik, dass er an einem Darm­tumor erkrankt sei.

Drei Regierungsräte aus der Region Wil

Ammann hat zumindest regionalpolitisch bessere Karten: Werden die Bisherigen wiedergewählt, wäre Susanne Hartmann bereits die dritte Vertretung aus der Region Wil in der Regierung. Bildungschef Stefan Kölliker (SVP) kommt aus Bronschhofen, Bauchef Marc Mächler (FDP) aus Zuz­wil. Das Rheintal ist dagegen bis jetzt nicht vertreten. Ob dieses Ar­gument bei den Delegierten ­verfängt, wird sich am kommenden Freitag zeigen.