Würdig Sterben in der Villa Jacob

ST.GALLEN. Lange hat der Verein «Freunde stationäres Hospiz» nach einem Standort für ein Sterbehospiz gesucht. Nun ist er in der Stadt St.Gallen fündig geworden. 2017 soll das Hospiz eröffnet werden. Noch aber fehlt Geld für den Betrieb.

Marion Loher
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Der Eingangsbereich der Villa Jacob, die Johann Christoph Kunkler vor 140 Jahren entworfen hat. (Bilder: Michel Canonica)

Der Eingangsbereich der Villa Jacob, die Johann Christoph Kunkler vor 140 Jahren entworfen hat. (Bilder: Michel Canonica)

Die Villa Jacob am Rosenberg, im Westen der Stadt St.Gallen, ist 140 Jahre alt und gehört zum angrenzenden Alters- und Pflegeheim Josefshaus. Eigentümerin ist die Gemeinnützige und Hilfs-Gesellschaft der Stadt St.Gallen (GHG). Sie will die Villa verkaufen, da sie einen Erweiterungsbau beim «Josefshaus» plant. Ein Glücksfall für den Verein «Freunde stationäres Hospiz», der schon seit längerem nach einem Standort für ein Sterbehospiz sucht. «Die Lage ist ideal: das Pflegeheim ist nebenan und das Kantonsspital auch nicht weit entfernt», sagt Vorstandsmitglied Ivo Dürr.

Es ist aber nicht der Verein, der die Villa kaufen wird, sondern dem Verein nahestehende Privatpersonen sowie eine Stiftung. Namen werden keine bekanntgegeben, ebenso wenig ist über den Kaufpreis zu erfahren. Die Verhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer seien noch nicht abgeschlossen, sagt Roland Buschor, Vizepräsident des Vereins. «Eine mündliche Zusicherung besteht aber.»

Lebensqualität bis zuletzt

Vor sechs Jahren haben die drei erfahrenen Pflegefachleute im Bereich Palliative Care, Ivo Dürr, Beata Winiger und Lydia Koller, ein Hospizkonzept für die Region St.Gallen und Appenzell erarbeitet. Können schwerkranke und sterbende Menschen nicht mehr im Spital oder zu Hause betreut werden, bleibt ihnen einzig das Pflegeheim. «Diese Heime aber sind bei der Betreuung und Pflege dieser hochkomplexen Patienten oft überfordert», sagt Dürr. Nebst pflegerischem und medizinischem Wissen erfordere die Betreuung psychologische Erfahrung und wegen akuter Krisen eine hohe Präsenzzeit. Junge Schwerkranke würden ausserdem oft erschrecken, wenn sie erfahren, dass sie ihre letzten Tage in einem Pflegeheim verbringen müssen. «Mit einem Hospiz hätten diese Menschen einen würdigen letzten Betreuungsort in einem familiären Umfeld.» Das Hospiz – ähnlich dem Zürcher Lighthouse – soll keine Konkurrenz zum Spital oder zu den Pflegeheimen sein, sondern als Ergänzung gesehen werden. Um das Projekt voranzutreiben, wurde vor zwei Jahren der Verein «Freunde stationäres Hospiz» gegründet.

Kosten nicht vollständig gedeckt

Mit der Zusage für die Villa Jacob ist der Verein seinem Ziel einen grossen Schritt näher gekommen. Vorgesehen ist, dass der neue Besitzer dem Verein das Gebäude für zehn Jahre zur Verfügung stellt. «Die Miete darf als Spende des Eigentümers verrechnet werden», sagt Vizepräsident Roland Buschor. Noch nicht vollständig geregelt ist die Finanzierung des laufenden Betriebs. Hier rechnen die Verantwortlichen mit jährlichen Kosten von rund 2,2 Millionen Franken. Bei einem Betrieb mit sieben Betten – bis zu zehn wären möglich – würde ein Pflegetag pro Person rund 1000 Franken kosten, sagt Buschor. Etwa 50 Prozent wären durch Pflegefinanzierung und Eigenleistungen von Patienten gedeckt. Die andere Hälfte müsste durch Spenden, Fundraising – und die öffentliche Hand refinanziert werden. Gerade vom Kanton erhofft sich der Verein eine finanzielle Beteiligung. «Wir sind in Verhandlung.» Dass das Anklopfen beim Kanton nicht ohne Diskussionen bleiben dürfte, ist den Verantwortlichen bewusst. «Es ist eben Geld für eine relativ kleine Gruppe», sagt Buschor. «Aber für jene, die es betrifft, ist es besonders wertvoll.»

Eröffnung 2017 geplant

Das Hospiz soll operativ geführt werden als pflegerisches Institut ähnlich einer Palliativ-Station in einem Spital. Rund um die Uhr werden Fachpersonen anwesend sein, ein ärztlicher Dienst ist gewährleistet, jedoch nicht vor Ort. Verläuft alles nach Plan, soll das Hospiz 2017 eröffnet werden. Die Verschiebung der Villa um 25 Meter nach Süden, die wegen des geplanten Neubaus der GHG nötig ist, wird nächsten Frühling stattfinden.

Die Zimmer in der Villa werden einer sanften Renovation unterzogen. (Bild: Michel Canonica)

Die Zimmer in der Villa werden einer sanften Renovation unterzogen. (Bild: Michel Canonica)