Wolfsriss im Werdenberg

WERDENBERG. Zehn Schafe wurden vergangene Woche im Werdenberg Opfer eines Wolfes, wie gestern bekannt wurde. Sieben wurden beim Angriff getötet. Gesehen wurde das Raubtier aber nicht.

Alessia Pagani
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Wölfe wie dieser kommen zunehmend auch in die Ostschweiz. (Bild: pd/wildphoto.ch)

Wölfe wie dieser kommen zunehmend auch in die Ostschweiz. (Bild: pd/wildphoto.ch)

Sieben tote und drei verletzte Schafe: Das ist das Fazit nach einem Wolfsbesuch im Gebiet Gamsberg, Fulfirst, Alvier im Werdenberg. Auf drei Alpen sind Ende vergangener Woche Tiere zu Schaden gekommen. Das Schicksal von fünf weiteren Schafen ist ungewiss, sie gelten als vermisst. Es ist der erste Wolfsriss im Werdenberg überhaupt. Noch sind zwar die DNA-Proben nicht ausgewertet, der zuständige Wildhüter bestätigte den Wolfsriss aber durch die vorhandenen Rissbilder. Ob sich der Wolf noch immer in der Nähe aufhält, ist nicht sicher. Auch die Herkunft ist ungewiss. Markus Brülisauer vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallens will nicht bestätigen, dass der Wolf aus dem Calanda-Rudel stammt: «Zuerst müssen die Spuren ausgewertet werden», sagt er.

Anstieg zum Ende der Alpzeit

Die Hirten hätten ihre Tiere mittlerweile von den Alpen abgezogen, sagt Markus Hobi, Leiter Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen. «Die Risse sind zusammengefallen mit der Alpabfahrt, Sofortmassnahmen sind nicht mehr nötig», sagt Hobi. «Es ist Pech, dass es so kurz vor Ende der Alpzeit passierte.» Nächste Woche hätten die Tiere sowieso in tiefere Lagen gebracht werden müssen. Auch dort rät der Fachmann zur Vorsicht: Zäune seien sicherlich keine schlechte Idee. Schafbesitzer, die ihre Herden an sehr abgelegenen Lagen halten, sollten sich gar überlegen, diese in der Nacht in den Stall zu bringen. «Für die Tierhalter ist das Auftauchen des Wolfes eine grosse Herausforderung», sagt Hobi. Beim Landwirtschaftlichen Zentrum haben die Experten eine Häufung der Vorfälle beobachtet. «In den vergangenen Jahren gab es einen Anstieg der Wolfsrisse per Ende August, Anfang September», sagt Hobi. Mögliche Gründe seien das Verhalten anderer Wildtiere sowie die in dieser Zeit zunehmende Mobilität von Jungwölfen.

Herdenschutz braucht Zeit

«Wir sind nicht total überrascht von dieser Entwicklung», sagt Hobi. Seit drei Jahren ist er für den Aufbau der Fachstelle Herdenschutz beim Kanton St. Gallen verantwortlich. Es sei nicht immer einfach, die Herden zu beschützen. «Die Topographie spielt ebenso eine Rolle wie die Herdengrösse. Es braucht unterschiedliche Strategien», sagt Hobi. Wenn auf einer Alp das erste Mal ein Riss geschieht, ist das Vorgehen stets dasselbe. Herdenschutzberater gehen vor Ort und sprechen mit den Hirten. «Die Langfristplanung des Herdenschutzes geht vorwärts. Es braucht aber einige Jahre, vor allem, wenn Schutzhunde eingesetzt werden sollen», sagt Hobi.