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WOLFHALDEN: Tierschutzkontrolle mit Folgen

«Amtsmissbrauch» und «Kompetenzüberschreitung»: Die Hundezüchterin Erika Fritsche kritisiert den Ausserrhoder Kantonstierarzt Sascha Quaile. Dabei spielt auch ein Möbelhändler eine Rolle.
Jesko Calderara
Das Plakat gegen den Kantonstierarzt im Garten der Hundezüchterin hat die Polizei entfernt. (Bild: PD)

Das Plakat gegen den Kantonstierarzt im Garten der Hundezüchterin hat die Polizei entfernt. (Bild: PD)

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Nicht nur der Thurgauer Kantonstierarzt, sondern auch sein Amtskollege im Appenzellerland hat seine Gegner. Sascha Quaile ist für beide Appenzeller Kantone zuständig. Schwere Vorwürfe gegen Quaile erhebt Erika Fritsche aus Wolfhalden. Sie züchtet Hunde der Rasse Mops. Ihre Tiere, jeweils sechs bis acht, bewegen sich in einem Zwinger vor dem alten Bauernhaus.

Ihren Unmut gegen den Kantonstierarzt hat Fritsche auf mehreren Plakaten in ihrem Garten geäussert. Unterdessen hat die Polizei diese entfernt. Fritsche plant, auch Strafanzeige gegen Quaile zu erstatten. Ihr Anwalt, Werner Ritter aus Widnau, spricht von «Amtsmissbrauch» und «Kompetenzüberschreitung». Stein des Anstosses ist eine Hausdurchsuchung im vergangenen Jahr. Diese nahm Quaile zusammen mit zwei Polizisten und einem Mitarbeiter des kantonalen Veterinäramtes vor – ohne Durchsuchungsbefehl. Ebenso verriet er nicht, was der Grund der Aktion war. Quaile und seine Begleiter hätten das Haus der Züchterin abgesucht. Sogar Kommoden und Kästen im Badzimmer öffneten sie, so Fritsche. Zudem seien Fotos der Möbel im Wohnzimmer gemacht worden. Zu guter Letzt verliess die Gruppe das Haus ohne Beanstandungen. Es wurden weder Hunde beschlagnahmt noch Massnahmen angeordnet.

Für eine Volkswahl des Kantonstierarztes

Noch heute ärgert sich Erika Fritsche über diese Vorgehensweise. Sie halte Tierschutzkontrollen für wichtig. Es gehe jedoch nicht an, dass ihre Privaträume grundlos durchsucht würden, sagt die Züchterin. Von einer «Verletzung der Privatsphäre» spricht ihr Rechtsanwalt. Quaile habe übereifrig agiert. Seiner Meinung nach hätte er einen Durchsuchungsbefehl benötigt, wie beispielsweise die Polizei oder die Staatsanwaltschaft. Nur für Räumlichkeiten mit Tieren habe ein Kantonstierarzt ein Zutrittsrecht, sagt Ritter. Er will dies nun gerichtlich prüfen lassen.

Der Fall wird allerdings noch skurriler. Kurze Zeit nach der Tierschutzkontrolle erhielt Fritsche gemäss eigenen Aussagen ein Angebot eines regionalen Möbelhändlers. Dieser habe ihr für bestimmte Stücke in ihrem Haus 2500 Franken geboten. Ob der Tipp vom Kantonsveterinär kam, wie Fritsche vermutet, ist offen. Neben der Strafanzeige plant sie aus Ärger nun zusätzlich die Lancierung zweier Initiativen. Unter anderem verlangt sie die Volkswahl des Kantonstierarztes.

Schlagzeilen hatte Erika Fritsche schon vor etwas mehr als einem Jahr gemacht. Damals ging es um den Diebstahl zweier Möpse. Der Vorfall ereignete sich im Oktober 2015. Die Hundezüchterin aus Wolfhalden hatte Besuch von zwei Männern und einer Frau aus Ostermundigen erhalten. Nachdem sie für ein Telefonat kurz ins Haus gegangen war, waren die drei weg – und zwei Hunde verschwunden. «Blick» berichtete über den Vorfall. Daraufhin meldete sich eine Familie aus dem Rheintal, die den Hund auf einer Online-Plattform gekauft hatte. Sie gab das Tier an Fritsche zurück.

Veterinäramt darf kontrollieren

Ob Sascha Quaile tatsächlich Grenzen überschritten hat, bleibt offen. Zu den Ereignissen in Wolfhalden will er sich im Detail nicht äussern. Von einer Strafanzeige in diesem Fall habe er keine Kenntnis. Daher seien ihm die erhobenen Vorwürfe nicht bekannt.

Weil ein begründeter Anfangsverdacht fehlte, hat die Staatsanwaltschaft kürzlich die Anzeige eines anderen Tierhalters nicht an die Hand genommen. Quaile verweist auf die Grundlagen im Tierschutzgesetz. Demnach braucht seine Behörde für Kontrollen keinen Durchsuchungsbefehl. «Das Gesetz gäbe uns jederzeit das Recht, Räumlichkeiten zu betreten, wenn dies angezeigt erscheint.» Ein Kantonstierarzt besitze in diesem Bereich vermutlich grössere Befugnisse als die Staatsanwaltschaft. Laut Quaile muss dabei jedoch immer verhältnismässig vorgegangen werden, da es ein Eingriff in die Privatsphäre der Tierhalter sei. Bei einer Kontrolle spiele zudem eine Rolle, wonach gesucht werde. «Besteht der Verdacht, dass Tiere versteckt werden, müssen wir auch Privaträume durchsuchen.» Die Kontrollen würden meistens in Anwesenheit der Tierhalter und der Polizei stattfinden.

Im Tierschutz gibt es einerseits Routinekontrollen. Die Tierschutzverordnung verlangt, dass landwirtschaftliche Nutztierhaltungen – also Bauernbetriebe – mindestens alle vier Jahre überprüft werden. Anderseits wird das Veterinäramt nach Hinweisen aktiv, die aus der Bevölkerung eingehen. Dabei wird geprüft, ob die Tierschutzgesetzgebung eingehalten wird. Wer gewerbsmässig Hunde züchtet, benötigt eine Bewilligung. Auch solche Tierhalter werden routinemässig kontrolliert. Bei Verstössen gegen das Tierschutzgesetz müssen die Behörden Strafanzeige erstatten.

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