WOLFHALDEN: Spendenaufruf für Baby: Tessiner Klinik will Kosten übernehmen

Die Familie Koller aus Wolfhalden hat Geld gesammelt, um die künstliche Befruchtung für ein zweites Kind zu bezahlen. Eine Tessiner Klinik will nun die Kosten sowie die Behandlung übernehmen.

Arcangelo Balsamo
Drucken
Teilen
Eine gespendete Eizelle soll der Familie Koller ein zweites Kind bringen. (Bild: Michel Canonica (12. März 2014))

Eine gespendete Eizelle soll der Familie Koller ein zweites Kind bringen. (Bild: Michel Canonica (12. März 2014))

Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo

@tagblatt.ch

Martina und Emil Koller sorgten im vergangenen Monat für nationale Schlagzeilen. Via Spendenbrief sammelten sie Geld für eine künstliche Befruchtung. Ihr Ziel: 13'000 Franken – Resultat: 550 Franken, 10 Rappen und jede Menge Beschimpfungen. Alles deutete darauf hin, dass die Wolfhäldler ihren Traum von einem zweiten Kind begraben müssen. «Wir dachten bereits darüber nach zu resignieren», sagt Martina Koller.

Doch dann klingelte das Telefon. «Mein Mann nahm ab. Rasch merkte ich, dass es kein Hass­anruf oder dergleichen war. Er schien überrascht und diskutierte kaum. Stattdessen geriet er während des Anrufs ins Stocken», sagt Martina Koller. Am anderen Ende der Leitung war ein Pressevertreter. Dieser teilte Emil Koller mit, dass sich eine Klinik aus dem Tessin gemeldet habe und mit dem Ehepaar zusammenarbeiten wolle. Die Klinik sei über die Medien auf die beiden aufmerksam geworden. «Das Angebot hat uns fast aus den Socken gehauen.» Am Tag rief das Paar im Tessin an. «Wir wollten wissen, was sie uns genau offerieren wollen.»

Über die Grenze für den Eingriff

Die Klinik bietet Emil und Martina Koller einen Versuch an, auf künstliche Art schwanger zu werden. «Sie übernimmt sämtliche Kosten, die den medizinischen Teil betreffen. Wir müssen lediglich eine Reise ins Tessin und eine nach Italien bezahlen», so das Ehepaar. Über die Grenze müssen die Appenzeller für den sogenannten Transfer. So wird der letzte Schritt einer künstlichen Befruchtung bezeichnet. In diesem wird die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter der Patientin transferiert.

Dieser letzte Eingriff kann nicht in der Schweiz durchgeführt werden, da eine gespendete Eizelle zum Einsatz kommt. In der Schweiz ist dies verboten. In Italien ist das Verfahren legal und somit rechtlich kein Problem, sagt Michael Jemec, Facharzt der Reproduktionsmedizin und Gründer der besagten Klinik. Diese unterstütze das Ehepaar, um ein Tabu zu brechen und die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass Eizellenspenden in der Schweiz verboten sind. Dass die Prozedur keine recht­lichen Konsequenzen mit sich bringt für das Paar oder die Klinik, bestätigt Thomas Hansjakob, erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen: «Wer sich im Ausland einer Behandlung mittels Eizellenspende unterzieht, kann in der Schweiz strafrechtlich nicht belangt werden.» Dass die Eizellenspende zum Einsatz komme, sei ein Vorschlag der Klinik, erklärt Martina Koller.

Geliefert werden die Eizellen von einer sogenannten Ovobank aus Spanien. Dabei handelt es sich um das Pendant der Samenbank. Bei der Auswahl der Spenderin werde darauf geachtet, dass sie möglichst aussehe wie die Mutter, sagt Jemec. Ausserdem müsse sie zwischen 20 und 35 Jahre alt sein. «Viele Ärzte empfehlen ein solches Vorgehen bei Frauen über 40 Jahren, da dadurch die Chancen steigen, schwanger zu werden, und weil dies die einzige realistische Therapiemöglichkeit darstellt», sagt die 45-jährige Martina Koller. Wann der Eingriff bei ihr durchgeführt wird, ist noch unklar. Dies hänge davon ab, wann die Eizellen im Tessin eintreffen.

Heftige Reaktionen auf Spendenaufruf

Das Ehepaar habe bereits zuvor daran gedacht, es beim nächsten Versuch mit einer gespendeten Eizelle zu versuchen. Dass sie dies bisher nie sagten, hatte mit den befürchteten Reaktionen zu tun. «Bereits ohne diese Information waren die Rückmeldungen auf unseren Spendenaufruf heftig. Hätten wir gesagt, dass wir mit einer gespendeten Eizelle liebäugeln, wären sie vermutlich noch krasser gewesen.»

Trotz der zahlreichen hasserfüllten Kommentare bereut das Paar den Gang an die Öffentlichkeit nicht. «Wir haben uns lediglich gefragt, ob es gescheit war.» Unter dem Strich hat es sich für die beiden jedoch gelohnt: «Eine grössere Chance als jetzt hätten wir ohne den Spendenbrief und die Medien nie gehabt.»